Homiletik

Predigtarbeit aus weiblicher Einsicht ( 1999)

Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium (2004)

Consequences of the Use of the Internet in Religious Communication.

Predicaciones online (2007)

 

 

 

 

Predigtarbeit aus weiblicher Einsicht

 von Ekkehard Heise



Die Bedeutung der Frauen für die Homiletik ist lange schon erkannt. Horst Albrecht, in seiner 1985 erschienenen Predigtlehre[1] erwähnt zwei von ihnen ausdrücklich. Da ist Oma Engelhardt, eine 89-jährige Gottesdienstbesucherin ("Links die dritte Reihe, der Platz am Gang, wie seit Jahrzehnten."[2]). Sie ist eine der wichtigen Personen, die Albrecht bei seinen Predigtvorbereitungen vor Augen hat. Die andere wichtige Frau der Albrechtschen Homiletik ist eine 76-jährige Bäckersfrau aus Anhalt ("Der tüchtigste Prediger, den ich kenne...Noch gehaltvoller als ihr Schmalzgebackenes sind ihre Ansprachen."[3])

Mit der humorvollen Erwähnung dieser zwei homiletischen Musen weist der Lehrbeauftragte für Praktische Theologie an der Universität Hamburg auf zwei wichtige Aspekte der Predigtarbeit hin: die Einbeziehung des Predigthörers und die Chancen und Stärken von Laienpredigern. Horst Albrecht folgend müsste man somit treffender von der Predigthörerin und der Laienpredigerin sprechen. Albrecht vertieft allerdings dieses Thema, abgesehen von einer Karikatur Werner Küstenmachers, die einen Prediger zeigt, der sich mit dem Pauluszitat "Liebe Brüder..." an eine nur aus Frauen bestehende Gottesdienstgemeinde wendet, nicht.

Die Beobachtung Albrechts wenn er bei seinen Predigtvorbereitungen, nicht zufällig, an Oma Engelhardt denkt, ist: Frauen hören durchschnittlich mehr Predigten als Männer. Die Altersfrage spielt natürlich auch eine Rolle, ich komme darauf zurück. Was die albrechtsche Bäckersfrau angeht, habe ich sie vielleicht zu schnell zu einer Laienpredigerin gemacht. Es geht in einem ersten Schritt wohl zunächst um das Achthaben auf das, was die Leute sagen, wie sie es sagen und wie ihr Leben, ethische Entscheidungen und die Ewigkeit dort zur Sprache kommen. Luther hat es weniger schön, aber deutlich auf die bekannte Formel gebracht: Der Prediger müsse "dem Volk aufs Maul schauen". Aber ist es Zufall, dass in jener Bäckerfamilie aus Anhalt die Frau das entscheidende Wort in der Öffentlichkeit zu sprechen weiß? Sind Frauen bessere Prediger?

Sicherlich wäre es falsch, nun die Predigtkompetenz einseitig bei den Frauen suchen zu wollen. Aber, wie bei vielen Themen in der Theologie, sind Frauen in der Homiletik weniger zu Wort gekommen und kirchliche Rede ist dadurch verarmt. Hierzu einen Beitrag zu liefern, der die homiletische Gesprächssituation bereichert, war die Idee einer Podiumsrunde unter Theologinnen verschiedener evangelischer Kirchen in Nicaragua.[4] Eingeladen hatte zu diesem Treffen das Zwischenkirchliche Zentrum für Theologische und Soziale Studien (Centro InterEclesial de Estudios Teológicos y Sociales = CIEETS) in Managua. Unter der Leitung des Generalsekretärs dieses Zentrums, Benjamín Cortés, diskutierten Yolanda Demetrio, Pastorin der nicaraguensischen, indigenen Kirche Herrenhuter Tradition; Violeta Rocha, Dozentin für Bibelwissenschaft der Nazarenakirche und Blanquita Cortés Robles, Pastorin der Kirche Christi. Es ist interessant, dass in diesem Gespräch die beiden schon angesprochenen Themenkreise, der der Predigthörer und der des predigenden Volkes besonders zur Sprache kamen. Die Theologinnen auf dem Campus in Managua, vertieften aus ihrer Sicht einige Aspekte, die in deutschen Predigtlehren oftmals zu kurz kommen.


Zu Anfang der Diskussion bemerkt Violeta Rocha, dass in der Nazarenakirche, methodistischer Herkunft, mit der zunehmenden Berufung von Laienpredigern ein Wandel im Predigtstil aufkam. Die klassische Predigt im Gefolge John Wesleys verlor an Bedeutung zu Gunsten einer, viel mehr kontextuell orientierten, Predigt, die die Probleme der Gemeinschaft aufgreift. Blanquita Cortés bestätigt die Bedeutung dieses Schrittes. Auch in der autochthonen Christuskirche hat man sich von den Predigtordnungen der Baptistenkirche gelöst und predigt nun aufgrund von konkreten Situationen und Themen, die das Leben der Gemeinschaft aufwirft.

Die meisten Gemeindeglieder sind arme Landbewohner und da ist es wichtig, dass die Predigt Hoffnung gegenüber Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und der Verzweiflung angesichts von Naturkatastrophen weckt und zur gegenseitige Hilfe anregt. Pastorin Cortés betont: "...es ist ein Vorteil, dass wir die Predigten freier angehen können, so haben wir einige Themen besonders betonen können, z. B. die pastorale Beschäftigung mit der Ökologie, die Haushalterschaft über die Schöpfung, das Priestertum aller Gläubigen und die Teilnahme der Frauen. Diese Freiheit Themen zu bearbeiten, ausgehend von der Wahrnehmung unserer Situation, führt uns zu einer Sicht der Dinge, die die Kirchengemeinde und die Gemeinschaft, der wir dienen einschließt."[5] Violeta Rocha möchte, dass ihre Predigthörer/innen die Themen für ihre Predigten vorgeben. So bittet man sie z. B. über Gewalt gegen Frauen zu sprechen.

Sehr wichtig ist nach der Auffassung der zentralamerikanischen Theologinnen, dass die Predigt Hoffnung verleiht. Nicht die Selbsterforschung zum Zwecke einer wünschenswerten Besserung der eigenen Person, noch die Verurteilungen anderer, einschließlich der mächtigen Unterdrücker, die das Volk benennen kann, dürfen der letzte Sinn der Predigt sein, sondern Ziel und Ausgangspunkt muss die Botschaft Jesu sein, die für die Armen einnimmt und auf ein erfülltes Leben für alle hoffen lässt. Die Predigt ist Botschaft ans Volk, deshalb muss sie im Volk vorbereitet werden, weil sie das Volk mit Gottes Wort ernähren soll.

Traditionellerweise hat die protestantische Predigt in Nicaragua den Hörern geholfen eine eigene Identität zu entwickeln. Zunächst war dies eine Identität als Protestant gegenüber der katholischen Mehrheit. Aber der Prozess ging weiter. Violeta Rocha weist daraufhin, wie Menschen im Umgang und in der Arbeit mit dem Wort Gottes gewachsen sind und es gelernt haben, "ihr Wort" zum Text zu sagen, trotz fehlender Schulbildung, trotz wenig ermutigender Umstände. Wer sein (Predigt-)Wort sagt, der spricht von sich selbst und seiner Situation im Lichte der göttlichen Verheißungen. Das ist ein wichtiges Stück Selbstfindung, Bewusstwerdung und Übernahme von Verantwortung für das eigene Geschick. Jemand der beginnt, predigen zu lernen, bleibt nicht beim Text stehen, sondern lernt über sich und für sich zu sprechen. In einer Gesellschaft, in der der Einzelne immer mehr vom öffentlichen (Macht-)Diskurs ausgeschlossen ist, weil man ihn, oder sie, gar nicht sprechen lässt, oder nur über irrelevante Themen, kann die Predigt zur Einladung an viele werden, Wichtiges und Wahres zu sagen. In Nicaragua ist dies der Fall. Pastorin Violeta Rocha sagt: "Die Möglichkeit die so viele Laien, Männer und Frauen, haben, indem sie ausgehend von der Predigt das Wort ergreifen, hat für mich in der Tatsache ihre Antwort gefunden, dass je mehr man die Leute ausschließt, die Predigt es ihnen erlaubt, das Wort kennen zu lernen und zu teilen."[6] Wenn die Lateinamerikanische Theologin vom "Wort" spricht, dann meint sie das Wort Gottes in seiner umfassenden Bedeutung als das Wort der Wahrheit, die göttliche und daraus hervorgehend menschliche Wahrheit, auch individuelle, menschliche Wahrheiten, umschließt.

Die Predigt also soll die Leute zum Sprechen bringen, zum Aussprechen von dem was man sie sonst und anderswo nicht sagen lässt. Das scheint mir ein homiletisch bedeutsamer Punkt zu sein. Und es bleibt nicht beim Reden. Die Predigt, die die eigene Wahrheit aussprechen lässt und sie als Teil der göttlichen Wahrheit begreift, bringt so auch die, oben erwähnte, Hoffnung zur Sprache und macht damit Mut zur Änderung der Zustände. Pastorin Yolanda Demetrio gibt ein Beispiel. Durch die evangelische Predigt der Herrenhuter Kirche habe sie die Heilige Schrift verstehen gelernt; aber in einer für Frauen begrenzten Weise. "Durch die Lernprozesse der Iglesia Morava und anderer evangelischer Kirchen bekommen wir nach und nach mehr Bewusstsein und die Möglichkeit zu mehr Teilname."[7]Die Theologin will nicht länger die Erklärung des Evangeliums ausschließlich in den Händen der Männer lassen und als Frau warten müssen, dass man es ihr erklärt.

Was die Theologinnen in Managua über die Predigt aus weiblicher Sicht konkretisierten, ist in der lateinamerikanischen Homiletik unter dem Begriff "Prophetische Predigt" zu großer Bedeutung gelangt. Die Prophetische Predigt richtet sich nach zwei Seiten in je unterschiedlichen Ansätzen. Ihre klassischen Adressaten sind die Machthaber und Regierenden. Der Prophetische Prediger klagt sie an und verurteilt ihre Ausbeutung des armen und entrechteten Volkes.[8]Die andere Form prophetischer Predigt, auf die sich die nicaraguensischen Pastorinnen beziehen, ist die, die sich ans Volk richtet. Die Gemeinschaft wie als Einzelne wird mobilisiert, unterrichtet und zur Veränderung seiner Situation angeleitet. Das dies nur in einer Situation der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Volk (Gottes) geschehen kann, ist schon deutlich geworden.

Aber in Nicaragua ist es eben auch so, dass mehr Frauen als Männer im Gottesdienst sitzen und der Predigt zuhören um dann später oftmals auch selbst das Wort zu ergreifen. Dies ist ein Zeichen für die fehlende Gleichberechtigung. Frauen haben in der Gesellschaft weniger Möglichkeit ihr Wort und ihre Wahrheit zu sagen. Für die Predigerinnen in Zentralamerika heißt dies, die kirchliche Rede muss sich von ihrer überwiegend männlichen Epistemologie befreien und ihre Zuhörer/innen empirisch genauer erfassen. Im spezifisch lateinamerikanischen von der Befreiungstheologie geprägten Kontext heißt dies, so Violeta Rocha, das globale Konzept vom Armen muss konkretisiert werden: "...es war schwer, die Gesichter zu erkennen, d. h. Arme sind Männer, Frauen und Kinder. Von diesen Untergruppen sind die Kinder und Frauen die Ärmsten von allen."[9]

Für den (männlichen) Prediger heißt dies in der Sprache der Befreiungstheologinnen, die Gegenwart seiner überwiegend weibliche Zuhörerschaft hat für ihn prophetischen Charakter in dem Sinne, dass sie ihn aufruft, die Frauen in der Verkündigung des Wortes Gottes ernst zu nehmen und zu Worte kommen zu lassen.

Ich frage mich, ob Oma Engelhardt und die Bäckersfrau aus Anhalt sich wohl wiederfinden können in den theologischen Gedanken ihrer Schwestern aus Amerika.

Offensichtlich nimmt ihr Pastor sie und ihre Situation ernst, hat sie im Falle von Oma Engelhardt bei seiner Predigtvorbereitung vor Augen und hört auf sie im Falle der Bäckersfrau. Welche Rolle spielt die Predigt im Leben dieser beiden Frauen? Ohne die Beispiele von Horst Albrecht überziehen zu wollen, wird man doch sagen können. Die 89-jährige Gottesdienstbesucherin, Oma Engelhardt, findet Ruhe und Frieden in der Situation, dass "ihr Pastor" predigt, Sonntagmorgens zur gleichen Zeit und alles ist wie immer. Dem zwanghaften Prediger, als den sich Albrecht selbst bezeichnet, entspricht die zwanghafte Zuhörerin. Da gibt es wohl, auch in Anbetracht des hohen Alters von Oma Engelhardt, nicht viel zu ändern. Der Pastor erfüllt das berechtigte Bedürfnis der Greisin nach Sicherheit und es ist wohl auch mehr seine Art als der konkrete Inhalt seiner Predigt, die Oma Engelhardt sich bei ihm geborgen fühlen lässt.

Anders ist der Fall der resoluten Bäckersfrau. Sie, obwohl auch nicht mehr die Jüngste ("Sie spricht nur noch selten.") sagt, wenn es darauf ankommt, in großen Versammlungen oder bei kleinen Streitigkeiten oft das entscheidende Wort. Ihr Geheimnis: "Ganz einfach: sie spricht authentisch." Wo hat sie das gelernt? In einem Pfarrhaus vom Pastoren, den sie mit Backwaren belieferte. Nicht im Gottesdienst, als Predigthörerin, sondern in einer Situation, in der sie als Bäckersfrau, authentisch bei sich selbst war. Und vielleicht war jener Pastor als Kunde, gesprächig, beim Empfang der Backwaren auch authentischer, als wie er am Sonntag von der Kanzel herab erscheint.

Verlassen wir die beiden Damen, denen wir wichtige Einsichten verdanken. Auch bei uns ist es wichtig, dass Predigthörer/innen ihr Wort und ihre Wahrheit, die zugleich Gottes Wort und Seine Wahrheit sind, hören und nach- und aussprechen lernen. Das kann in der Stille sein, in der die Vergewisserung von Gottes liebevoller Gegenwart sich als Trost und Kraftquelle erweist. Das kann aber auch in der wachsenden Fähigkeit sein, Wort und Wahrheit in eigene Worte zu fassen. Hier scheinen mir unsere Predigtlehren noch verbesserungsbedürftig. Es geht ja nicht nur um die Alternative: Themenpredigt oder Homilie. Auch eine nach lernpsychologischen Gesichtspunkten aufgebaute Predigt[10], trifft wohl noch nicht den Punkt, den die zentralamerikanischen Theologinnen ansprechen. Es geht um praktische Glaubenswahrheit, die in der Predigt so zur Sprache kommen soll, dass sie vom Hörer und von der Hörerin nachzusprechen und wahr zu machen ist. Praktische Glaubenswahrheit das ist zu erklären. Wahrheit meint, dass meine Predigt von dem sprechen soll was wirklich da ist, von der Person die wirklich da ist, in der Sprache, die diese Person spricht und versteht. Es ist Glaubenswahrheit, weil Wahrheit immer auch Gottes Wahrheit ist und Interessen bedingte Scheinwahrheiten entlarvt. Die Wahrheit, die in einer Predigt zur Sprache kommen soll, bezieht ihr Licht aus dem Evangelium und sie soll nachsprechbar und machbar sein. Nicht nur eine Predigt, die handeln hilft, sondern die identisch sein und handeln hilft.

Ich verstehe den feministischen Ansatz aus Nicaragua so, dass die Predigt Sprachschule sein soll. Oder vielleicht kann man sagen "Wortschule", wobei an das Hebräische zu denken wäre. Dort hat die Wurzel D-B-R die Bedeutung von "vorwärts treiben, führen, anleiten, voran treiben". Wie das göttliche Wort nicht im verbalen bleibt sondern Tatbestände, Wahrheit schafft (Gen 1, 1-26) so soll auch der Mensch Worte sprechen, die wahr sind und wahr machen. Es ist interessant, dass dieses Schöpfungsprinzip in der Predigt von Frauen eingeklagt wird. Michèle Najlis, Schriftstellerin aus Zentralamerika, vergleicht die Predigt mit einem Kind, das Prediger/Innen von Gott empfangen und wie Maria zur Welt bringen.



[1]Horst Albrecht, Predigen - Anregungen zur geistigen Praxis, Kohlhammer Stuttgart 1985.[2]Horst Albrecht beschreibt Oma Engelhardt in op. cit. S.9.[3]Horst Albrecht beschreibt die Bäckersfrau in op. cit. S.10.[4]Der Gedankenaustausch der Theologinnen ist aufgezeichnet in der nicaraguensischen Zeitschrift für Theologie "XILOTL" Nr. 18, Jhg. 9. Managua, Dezember 1996 S. 59 - 82. Die folgenden Zitate gebe ich in eigener Übersetzung aus dem Spanischen wieder.[5]Op. cit. S.67.[6]Op. cit. S.74.[7]Op. cit. S.75.[8]Vgl. zur klassischen Form der Prophetischen Predigt z. B. den Aufsatz von Jorge Pixley, "Der Prediger als Prophet Gottes vor seinem Volk - das Beispiel Jeremias", in XILOTL Nr. 18, Managua 1996, s.17-35.[9]Op. cit. S.78.[10]Vgl. Etwa Heribert Arens, Die Predigt als Lernprozess, München 1972.

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Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium

(Mk. 16,15)

GlaubensverheiĂźung in der Postmoderne - Reden der Diasporaerfahrung

Ein Vortrag von Ekkehard Heise

Göttingen im September 2004

 

Vorwort

 

   „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium“. Seitdem Markus diese Worte in seiner Erinnerung an Jesus aufgeschrieben hat, hat sich einiges geändert. Was fĂĽr Paulus und die ersten GemeindegrĂĽnder noch ein entbehrungsreiches Leben auf den Strassen des Römischen Weltreiches bedeutete, das Predigen in fremden Städten und Gemeinden, ist heute mit einigen  Mousecliques zu erreichen.

   Zugegeben auch Paulus schrieb Briefe und auch an ihm unbekannte Menschen, z. B. in Rom. Aber um Sonntag gelesen zu werden musste der Brief lange vor dem Donnerstag der selben Woche abgesandt worden sein.

   Die Bedeutung des Druckes von Flugschriften und BĂĽchern fĂĽr die Gedanken und Predigten der Reformation ist hinlänglich bekannt.  

   Heute stellt sich uns die Frage nach den, auch und gerade theologischen Implikationen, eines Mediums wie dem Internet, das mittlerweile in fast jedem Haushalt Einzug gehalten hat. 

   (Als ich vor vier Jahren aus Lateinamerika nach Deutschland kam, bewarb ich mich auf meine jetzige Stelle in Stade per e-mail. Etwas, das uns in SĂĽdamerika längst vertraut und gerade auch an der Fakultät als Medium des Fernstudiums gebräuchlich war.  Im Kirchenkreis Stade gab es aber im Jahre 2000 nur einen einzigen Mitarbeiter im Kirchenkreisamt, der e-mails empfangen und verschicken konnte. Heutzutage bekomme ich mehrmals am Tag vom Superintendenten Wichtiges und weniger Wichtiges zugemailt. Die Göttinger Predigten im Internet (GPI) las vor vier Jahren – im 3. Jahr ihres Bestehens - im KK Stade sicherlich noch niemand. Heute ist das anders.  

   Ich wollte mit diesem persönlichen Exkurs zeigen wie rasant die Entwicklung voranschreitet und die Besucherzahlen der GPI belegen es ja auch.) 

   Ich fragte nach den Implikationen des Internetgebrauches fĂĽr die Predigt und möchte dazu zunächst einmal aus kommunikationstheoretischer oder besser semiotischer Sicht auf eine Konstante hinweisen. Das neue Medium und seine schwindelerregende Verbreitung haben zu keiner grundlegenden Ă„nderung des Predigtstils und der darin vorausgesetzten und dadurch erzeugten Situation gefĂĽhrt. 

   Wenn jemand seinen Beitrag mit den Worten, „Liebe Gemeinde“ beginnt in den deutschsprachigen Predigten ist dies fast durchgängig der Fall, - dann wird damit die Situation klar umrissen: dort die schweigende, zuhörende Gemeinde, die Empfänger, hier der aktive Prediger. Die Beziehung der beiden Teile zueinander ist klar. Man kann dies bedauern, weil mögliche Chancen des neuen Mediums nicht genutzt werden. Man kann aber auch befriedigt feststellen, dass hier eine vertraute Situation geschaffen wird – vielleicht sogar ein StĂĽck verlorene Heimat fĂĽr jemanden, der den Weg am Sonntag in den Gottesdienst nicht mehr findet, aber nun vor seinem PC wieder so empfangen wird: „Liebe Gemeinde“. 

   Wer eine Predigtseite im Internet aufsucht, tut ja so etwas wie einen ersten Schritt oder ersten Mouseclique um sich der ja nicht gänzlich fremden Predigtsituation auszusetzen. Auch die Athener, die auf dem Areopag dem Paulus zuhörten hatten sich fĂĽrs Stehen bleiben entschieden und sind nicht einfach weitergegangen.  

   Wer aber einer Predigt zuhört, setzt sich nicht nur der charakteristischen Situation sondern auch der VerheiĂźung aus, dass ihm Glaube geschenkt wird. 

 

1. GPI - Besucher – eine postmoderne Gemeinschaft der Gläubigen 

   Der Glaube ist ein Geschenk Gottes. Er wird durch den Heiligen Geist gewirkt. Um Glauben zu wecken hat Gott das Predigtamt eingesetzt. Es gehört konstitutiv zur heiligen christlichen Kirche, die die Gemeinschaft aller Gläubigen ist. So stellt es die Augsburger Konfession[1] in ihren Artikel V und VII fest. Die Göttinger Predigten im Internet bilden zweifelsohne einen Teilaspekt dieses von Gott eingesetzten Predigtamtes, in dem MaĂźe, wie sie wirkliche Predigten sind, in denen das Evangelium rein gepredigt wird. Auch ihnen ist verheiĂźen, Glauben zu wecken und eine Gemeinschaft Glaubender zu konstituieren. 

   Esko Ryökäs vom Institut fĂĽr westliche Theologie der Universität zu Joensuu in Finnland hat die Besucher der GPI daraufhin näher untersucht[2]:   Die GPI werden am meisten am Donnerstag, Freitag und Sonnabend besucht, nicht sehr oft am Sonntag. Nicht jeden Tag werden sie vom einzelnen besucht, sondern einmal pro Woche.Am Ende der Woche wird gezielt die aktuelle Predigt fĂĽr den Sonntag gesucht.Sonst gibt es auch zufällige Besucher.Ryökäs stellt fest: „Die Besuchergruppe ist zwar heterogen, aber im Vergleich zu den Besuchern der traditionellen Gemeindegottesdienste ist sie konstanter.“ 

   NatĂĽrlich wird hier zu bedenken sein, dass zu den Besuchern der GPI ein groĂźer Teil von Amtsgeschwistern, Prediger und Predigerinnen, gehört. Ja, die GPI-Autoren selber mögen bei anderer Gelegenheit auf der Suche nach Anregungen fĂĽr ihre eigene Sonntagspredigt die GPI besuchen. Eine Motivation, die bei Besuchern traditioneller Gottesdienste weniger zu finden sein wird. Aber es ist interessant, dass Ryökäs die Frage nach der Motivation fĂĽr den Besuch der Seiten der GPI weitgehend auĂźer Acht lässt, wenn es um die Bildung der Gemeinschaft geht. Auch der professionelle Prediger ist ein Glaubender, beschenkt durch den Geist Gottes, abhängig vom Wort des Evangeliums. Ryökäs reĂĽmiert: „Die Besucher der GPI unterscheiden sich nicht stark von den Besuchern traditioneller Gottesdienste.“ 

   Nach so vielen Konstanten soll nun aber das Neue in den Blick kommen. Ryökäs interpretiert die GPI aus dem Deutungshorizont des Postmodernismus. Die Gruppe der GPI-Benutzer ist keine Gruppe im klassischen sozialpsychologischen Sinne des Wortes, man kann aber von einem Stamm (im Sinne von Michel Maffesoli[3]) sprechen. Der postmoderne Begriff des Stammes meint Mitglieder einer nicht festgefĂĽgten Gemeinschaft, wie etwa regelmäßige Kunden eines bestimmten Lokales oder täglich Reisende des selben Vorortzuges. 

   Die postmoderne Stämmen der Internetbesucher stellen auch in sofern eine Gemeinschaft da, als das Internet eine Art Kontakt, eine Diskussion unter den Individuen schafft. Die Diskussionsbeiträge gehen von der Auswahl der Seiten durch den Benutzer bis hin zu Beiträgen auf Diskussionsseiten oder in GästebĂĽchern (McQuail[4]). 

   Esko Ryökäs schlieĂźt hinsichtlich des „Stammes“ der GPI–Besucher daraus, dass „dogmatisch gesehen, auch eine Gemeinschaft der Gläubigen auf neue Weise möglich“ wird. Es ist „eine neue Art miteinander zu sein, die typisch fĂĽr die postmoderne Kultur ist“.  Esko Ryökäs schlussfolgert: Die GPI gehören zum Predigtamt durch das der Heilige Geist Glauben wirkt (CA V). Es bildet sich aus ihren Besuchern eine neue Form der Kirche in Ăśbereinstimmung mit CA VII. Der Glaube ist fĂĽr die wahre Kirche entscheidend nicht eine formale Mitgliedschaft.    Dem ist sicher zuzustimmen, Dennoch finde ich keine Antwort auf die Frage nach dem zweiten Zeichen der SANCTA ECCLESIA genmäß CA VII nämlich dem RECTE ADMINISTRANTUR SACRAMENTA. Deswegen möchte ich im Hinblick auf die Besucher des GPI vorerst lieber von einer Hörergemeinschaft als von einer Kirchengemeinde sprechen. Es sei denn man wĂĽrde die sakramentale Verbundenheit der neuen Kirchengemeinde ganz vom Sakramentscharakter des Wortes herleiten. Omnia verba... sunt sacramenta quaedam ... kann Luther sagen[5] und bezieht sich dann aber im wesentlichen auf das Bussakrament. Ăśber den sakramentalen Charakter der Predigt kann man bei Manfred Josuttis, „Gesetz und Evangelium in der Predigtarbeit“[6] weiter Gedanken finden. Einig bin ich mit Esko Ryökäs, dass wir dabei sind, „über eine neue Form der Kirche [zu] sprechen, wenn die Internetseiten der Göttinger Predigten ins Gespräch kommen“. 

   Das Verbindende dieser neuen Internetkirche wäre das Wort – nicht die gemeinsame Feier der Sakramente, nicht der Kirchraum, nicht das persönliche Zusammenkommen. Dazu äuĂźert sich Ulrich Nembach in einem Bericht. Nach ihm fĂĽhren die GPI zu einer virtuellen Gemeinde. Virtuell ist nicht fiktiv. Zitat: „Die GPI stellen eine Gemeinschaft dar, die von einer ‚no-face-to-face-relationsship’ lebt.“[7] Die Wende von der face-to-face-Predigt zur medial vermittelten Ansprache fand schon bei den ersten christlichen Briefschreibern statt. 

   Das Wort der Predigt im neuen Medium des Internets ĂĽberbrĂĽckt die zum Teil riesigen Entfernungen der einzelnen Gemeindeglieder. Eine Erfahrung, die wir aus den Gemeinden der Diaspora kennen. Ich habe zwölf Jahre der Evangelischen Kirche am LaPlata angehört. Diese Kirche mit ihren ca. 20.000 Mitglieder erstreckt sich ĂĽber die Länder Argentinien, Uruguay und Paraguay. Heute noch nehme ich am Leben mancher Gemeinde dort teil und begleite Studenten an der Fakultät in Buenos Aires via e-mail und Internet. Viele Autoren von Predigten aus dem spanischen Teil der GPI habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen und dennoch fĂĽhle ich mich ihnen aufs engste verbunden. Sie werden vielleicht ähnliche Erfahrungen mit Kollegen in anderen Teilen der Welt gemacht haben.  Der Umgang mit dem Internet fĂĽhrt zu einem Ineinander von lokal und global. Die Gemeinschaft in der ich mich zu Hause fĂĽhle sind nicht nur die Nachbarn, die mit mir die selbe Strasse bewohnen, sondern virtuelle Kontakte in der ganzen Welt, eben auch die Besucher der Internetgemeinde. Und wenn es um Glaubensdinge geht, dann findet mancher häufig eher Gesprächspartner in der Zerstreuung des Internets, als in seiner völlig unkirchlichen Alltagsumgebung. Die postmoderne Lebenssituation vieler Menschen heutzutage, die Unverbindlichkeit und Oberflächlichkeit vieler Lebensbeziehungen lässt mich an das Wort von der „zunehmenden Diasporasituation im eigenen Land“[8] denken.

   Ich möchte deshalb, wenn ich nach GlaubensverheiĂźung in der Postmoderne Ausschau halte auf Erfahrungen der Diaspora zurĂĽckgreifen um so dann, in einem weiteren Schritt, einige homiletische Erwägungen zu den GPI anstellen zu können. 

 

2. Die postmoderne Kirche und die Diasporaerfahrung 

   FĂĽr die postmoderne Situation der Kirchen lässt sich das theologische Paradigma der „Diaspora“ anwenden.  Dies gilt sowohl fĂĽr jene Länder und Teile der Welt in denen die Christen schon immer in der Minderheit lebten, als auch in verstärktem MaĂźe fĂĽr das sogenannte christliche Abendland oder Lateinamerika.   Wenn gleich hier noch vieles aus Geschichte und Tradition christlich geprägt ist, so wird man doch die Augen nicht davor verschlieĂźen dĂĽrfen, dass das bewusst gelebte Christentum auch hier in der Minderheit ist – in den groĂźen Städten allemal sprechen auch die Kirchenmitgliedszahlen eine deutliche Sprache.    Im Osten Deutschlands liegt die Kirchenmitgliederzahl bei 28,4 % (Westen 76,3%)[9].  Aus dem Bereich der LaPlata – Kirche kann ich berichten, dass es oftmals zu Zusammenarbeit mit den Reformierten, Methodisten, Waldensern und anderen Kirchen einschlieĂźlich katholischen Gemeinden kommt, weil anders wirksame Projekte mit entsprechender Beteiligung engagierter Christen nicht mehr aufgestellt werden können. Mit Blick auf Deutschland spricht der Generalsekretär des Evangelischen Bundes Walter Fleichmann-Bisten von der „zunehmenden Diasporasituation im eigenen Land“[10].   FĂĽr ihn ist  „Diaspora kein Stichwort der Vergangenheit, vielmehr ein SchlĂĽsselwort der Zukunft...“.[11] 

   RenĂ© KrĂĽger, Dozent fĂĽr Neues Testament an der Theologischen Hochschule in Buenos Aires (ISEDET), sieht die Diaspora nicht nur als eines der SchlĂĽsselworte zum Verständnis der Einwandererkirchen in SĂĽdamerika sondern „als ekklesiologische Metapher“, als „Paradigma fĂĽr die kirchliche Situation von morgen“ global.[12] 

   Der sĂĽdamerikanische Neutestamentler verweist auf die Entwicklung des biblischen Begriffes der Diaspora.  Schon im Alten Testament lassen sich mehrere Diasporasituationen feststellen:  Israel steht allen Völkern gegenĂĽber und soll ihnen zum Segen werden (Gen 12, 1-3)[13];   das Exil und die Verbannung der Oberschicht des Volkes in Assyrien (2 Kön 17; 597 – 596) und Babylonien (2 Kön 25 – 21, Jer 52; 587- 586); die Diaspora des zerstreuten Volkes unter den Völkern. Interessant ist folgende Beobachtung: „Als das Volk dann 539 v. Chr. zurĂĽckkehren durfte, gingen interessanterweise nicht alle in die Heimat. So verwandelte sich die Zerstreuung von einer Strafe in eine Situation, die viele freiwillig auf sich nahmen, wobei auch die VerheiĂźungen der erneuten Sammlung des zerstreuten Gottesvolkes hinzukamen.“[14] 

FĂĽr die Zeit zwischen den beiden Testamenten stellt KrĂĽger dann fest: „Aus der als Zwang und Strafe erlittenen Verbannung wurde eine mehr oder weniger freiwillige Diaspora, die nach und nach eine positive theologische Bewertung erhielt.“[15] 

   Diese positive Bewertung der Diaspora wiederholt sich dann in der christlichen Geschichte nach der lukanischen Apostelgeschichte. „Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.“ berichtet Apg 8, 4 im Anschluss an die Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem. Und Apg 11,19 berichtet: „Die aber  zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkĂĽndigten das Wort ...“ FĂĽr Lukas ist diese Zerstreuung der Christen unter Andersgläubige keine Strafe, sondern eine Möglichkeit zur VerkĂĽndigung des Evangeliums und der Ausbreitung des Glaubens.  

   In der neutestamentlichen Briefliteratur lässt sich beobachten, wie der technische Sinn der geographischen Diaspora in den theologischen Sinn der Minoritätensituation verwandelt wird.   Im Jakobusbrief 1,1 heiĂźt es zu Beginn: Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, an die zwölf Stämme in der Zerstreuung: GruĂź zuvor![16] Die 12 Stämme in der Diaspora sind hier eine Metapher fĂĽr die gesamte Christenheit. Und im 1Petrus 1,1 lesen wir: Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien,...[17]  Die erwähnten Briefe richten sich an Heidenchristen. Der bildlich gebrauchte Begriff der auserwählten Fremdlinge drĂĽckt das Wesen der christlichen Gemeinde in der Welt aus.[18] 

   Aus diesen Beobachtungen schlieĂźt KrĂĽger, dass die Diasporasituation zu diesem Zeitpunkt der Kirchengeschichte „zu einem Formalprinzip der Ekklesiologie geworden“[19]  war. Bis zur konstantinischen Wende und vollends beim Aufkommen des  Staatskirchentum geht diese Sicht der Dinge verloren. In der Reformation entdeckt man die Diasporasituation neu, aber nicht als GegenĂĽber von Christen und Heiden sondern von evangelisch und katholisch. 

   Was kann eine Wiederentdeckung der Diaspora als Paradigma fĂĽr die heutige kirchliche Situation leisten? 

   Notwendige „Bestandteile einer Behauptungsstrategie“ wie sie die Einwandererkirchen in SĂĽdamerika entwickelten, reichen nicht mehr aus, auch wenn viele evangelische Kirchen und Gemeinden weiterhin in der geographischen – konfessionellen  Diaspora leben. KrĂĽger unterstreicht: „Heute hängt das Ăśberleben der Diasporakirchen von ihrem missionarischen BewuĂźtsein und vom Aufbau solidarischer Strukturen ab.“[20]    Resignation, Sinnlosigkeit und trostlose Zukunftsaussichten bilden nicht nur in Lateinamerika ein offenes Missionsgebiet. Wir haben dies mit dem Stichwort von der „zunehmenden Diasporasituation im eigenen Land“ angesprochen. Wenn wir mit dem Diaspora–Begriff die Zukunft der Kirchen erschlieĂźen und ihre Aufgaben beschreiben wollen, so wäre nach KrĂĽger in folgende Richtung zu denken: Ich zitiere: „Die solidarische Gemeinschaft der Gläubigen in der Diaspora, aufgefasst als biblisches und heilsgeschichtliches Paradigma, erlaubt es uns heute, das Ăśberleben der Gemeinschaft, die Ausstrahlung des Evangeliums in die Gesellschaft und die missionarische Tätigkeit sowie die dienende Solidarität nach innen und nach auĂźen von der Bibel und vom Glauben her zu realisieren.“[21] 

Folgende Elemente sollten dabei zur Entfaltung kommen:

-        Die zentrale Stellung des christozentrischen Glaubens gegen relativierenden Zeitgeist, gegen die Preisgabe der Hoffnung und gegen alte und neue Formen des Aberglaubens,

-        das Sendungsbewusstsein, das um den Wert des Evangeliums weiĂź,

-        die Gemeinschaft der Liebe, die die Rechtfertigung des SĂĽnders lebt,

-        und die solidarische Gemeinschaft im Dienst an den Schwachen und im Lernen von ihnen. 

   Ganz besonders im Hinblick auf die Predigtaufgabe in und aus der Diaspora verweist RenĂ© KrĂĽger auf die groĂźe Sinnreserve der Offenbarungstexte, die gerade in der Diaspora, in der Marginalisierung, als Trost und Mutmachtexte entdeckt werden können. Hier sind die VerheiĂźungen zu finden von denen in den Reden der Diaspora zu handeln ist.    

 

3. Reden der DiasporaverheiĂźung 

   Der postmoderne Stamm der GPI–Besucher lebt und erfährt in besonderer Weise die Not und VerheiĂźung der Diaspora. 

3. 1. Die Not 

   Da ist zunächst die geographische Diaspora. Ulrich Nembach berichtet zum Thema konfessionelle Diaspora: „Besucher aus Ländern mit nicht breiter lutherischer Kirchentradition fragen die GPI nach. Sie finden hier aktuelle Predigten, können wenigstens etwas vom gottesdienstlichen Geschehen mitbekommen, was ihnen sonst verwehrt ist ... Gemeinden in islamischen Ländern mit Internetrestriktionen verlegen ihre Internetaktivitäten ins Ausland.“[22] 

   Schon in diesem Zitat deutet sich eine Erweiterung des Begriffes der Diaspora an. In katholischen Ländern, wie etwa Spanien oder Polen suchen lutherische Gemeinden ĂĽber das Internet den Kontakt um „wenigstens etwas vom gottesdienstlichen Geschehen mitbekommen“.  In arabischen Ländern, in völlig vom Islam dominierter Umgebung, suchen Christen Predigten, ich vermute mal in größere ökumenischer Offenheit, in denen Bibeltexte ausgelegt werden.  

   Lutherische Diaspora, christliche Diaspora und dann vielleicht als nächste Stufe die Diaspora in der Resignation und Sinnlosigkeit, die sich nur nach irgendeinem guten Wort sehnt, das Halt angesichts von, als trostlos erlebten, Zukunftsaussichten gibt. 

   Leben in der Postmoderne bedeutet ja an sich schon, Leben in der Diaspora. Dort wo keine GlaubensĂĽberzeugung mehr in groĂźem MaĂźe Menschen einer Gesellschaft verbindet und fĂĽr alle verbindlich ist, lebt jede Religion in der Diaspora. Eine Insel im Meer der Andersdenkenden oder gar Individuen auf der Suche nach Mitgliedern des selben Stammes.

   Da ist dann auch an die Not der Diaspora ganz in der Nähe zu denken, die „zunehmenden Diasporasituation im eigenen Land“ wie wir sagten. Das schnelle Anwachsen der Zahl der Anfragen bei den GPI auch gerade im Vergleich zu anderen theologischen Angeboten[23] zeigt das BedĂĽrfnis nach Predigten, nach Texten, die ganz bewusst die spezifische Atmosphäre schaffen, die mit den Worten: „Liebe Gemeinde“, provoziert wird. Und in denen es dann um die Auslegung biblischer Texte in der globalisierten Welt geht. 

   Hier erfährt der Besucher der GPI etwas von der solidarischen Gemeinschaft der Gläubigen in der Diaspora. Es ĂĽberlebt eine Gemeinschaft in der die Ausstrahlung des Evangeliums in die Gesellschaft und, wenn  Sie so wollen, die missionarische Tätigkeit, als dienende Solidarität von der Bibel und vom Glauben her realisiert wird.

 Damit sind wir bei den VerheiĂźungen unter denen die GPI als Reden der Diasporaerfahrung stehen. 

3.2. VerheiĂźungen 

   Diaspora definiert sich nicht nur aus der Not, aus dem Mangel an Heimat, an Verbundenheit oder einem fehlendem Bezug zu einem (religiösen) Zentrum. Wir haben gehört, dass es auch die freiwillige Diaspora gibt oder doch zumindest die Diaspora, die auch als Chance und Aufgabe mit ihren VerheiĂźungen aufgefasst werden kann. 

 FĂĽr die GPI als postmoderne Hörergemeinschaft im Internet wird sicherlich die VerheiĂźung Apg 1,8  wahr „...aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ . 

1.     Das Medium Internet ĂĽberwindet alle Grenzen.

2.     Die „babylonische“ Zerstreuung der Prediger macht den Zugang in verschiedenen Sprachen zu unterschiedlichen Kulturkreisen möglich. Das Evangelium wird vielen Völkern gesagt (Pfingstwunder).

3.     Zeugnisse der Menschwerdung Gottes aus aller Welt können mitgeteilt werden. Das Ineinander von lokal und global wird deutlich. Die globale VerheiĂźung Gottes wird lokal anschaubar. Das lokal Erlebte gewinnt globale Bedeutung.

4.     Durch die Präsenz im Internet sind die Predigten jedem zugänglich – gerade auch den suchenden Individuen ohne jede Verbindung zu einer Gemeinde, einer realen Predigtstelle. Seien es Menschen in der geographischen, konfessionellen oder der Diaspora im eigenen Lande.

5.     Die relative Anonymität des Internetzuganges macht den Zugang zu den GPI auch jenen möglich, die entweder beim Hören einer Predigt allein sein wollen, kein Bekenntnis zu einer Gemeindegruppe ablegen wollen oder die die Vermittlung durch die Person des Predigers oder Personen der Gemeinde stört. Gemeinden und Pastoren wirken nicht nur einladend sondern auch abstoĂźend. Auch in der Seelsorge wird die Anonymität oftmals bewusst gesucht. Man wird dies im Sinne eines traditionellen Gemeindeaufbaus bedauern können, aber die gewollte Distanz ist auch kennzeichnend fĂĽr postmoderne Lebenserfahrung. Der Solidarität und dem ZusammengehörigkeitsgefĂĽhl  muss dies nicht immer Abbruch tun. (siehe Bahnhofsmission, Telefonseelsorge, Chatseelsorge ...).

6.     Die GPI bieten Menschen in den verschiedenen Diasporasituationen einen Zusammenhalt in Form eben jener postmodernen Stammesgemeinschaft, die wir beschrieben haben.

Andererseits aber bedeutet die Diasporasituation fĂĽr die GPI eine Chance und VerheiĂźung wie sie der frĂĽhere brandenburgische Ministerpräsident und jetziger Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe fĂĽr die evangelische Kirche in der DDR auf ihren Weg in die Diaspora entdeckt hat. Stolpe schreibt, dass die Christen in der DDR „die Tugenden der Minderheit“ entwickelt hätten. Ohne diese Christen wäre der Herbst des Jahres 1989 anders verlaufen.  Die Diaspora in der DDR stĂĽtze sich angesichts der Alleinherrschaft der SED bewusst auf das Erbe der Bekennenden Kirche, „zumal auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934 und auf die Theologie Dietrich Bonhoeffers. Das hat nach Stolpes Ăśberzeugung: „entscheidend dazu beigetragen, dass die evangelische Kirche in der DDR den Weg in die Diaspora nicht mit dem Ziel antrat, den geschlossenen, geschĂĽtzten kirchlichen Innenraum zu erreichen und zu bewahren“. Vielmehr hat man als Diaspora im eigenen Lande den Anspruch gehabt, „vom Evangelium her und mit ihm ... Beiträge zum Weg der gesamten Gesellschaft zum Wohl aller Menschen zuleisten“[24]

   Die Chance der GPI liegt also auch in ihrem unverfassten, machtlosen Christsein, als Diasporastimmen unabhängig von jeder institutionellen politischen und kirchlichen Macht. Hier muss auf keinen kirchlichen Innenraum RĂĽcksicht genommen werden. Es geht, um es in der Begrifflichkeit Bonhoeffers zu sagen, um die gelebte Nachfolge mitten in der Welt. Christus existiert als Gemeinde, aber keine Gemeinde ist an sich Christus. 

   Die GPI sind Reden der DiasporaverheiĂźung. Sie antworten auf die Diasporaerfahrung und stammen aus der Diasporaerfahrung. Letztere ist schon damit gegeben, dass der Prediger mit seiner Seite im Internet verloren und allein dasteht angesichts der Menge von Mitbewerbern um die Gunst der Aufmerksamkeit der Besucher. Aber ihm gilt die VerheiĂźung Gottes an die Diaspora aus dem Munde des Deuterojesajas (Jes 55,11): Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurĂĽckkommen, sondern wird tun was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. 

    Es liegt nahe, in diesem Kontext ĂĽber eine Homiletik der Diaspora nachzudenken. Der Begriff ist meines Wissens neu. Was ich mir darunter vorstelle, kann ich in diesem Rahmen nur in Ansätzen am Beispiel der Internetpredigten ausfĂĽhren. 

 

4. Homiletik der Diaspora 

   Ich möchte versuchen einige klassische Fragen der Homiletik in bezug auf die GPI zu beantworten und damit einige Aspekte einer Homiletik der Diaspora anzusprechen. Es soll deutlich werde, dass eine solche Homiletik die Aufgaben der Kirche, in der Zukunft als Diasporakirche,  mit an geht. Vorausgesetzt wird dabei, dass die Predigten fĂĽr ihre Veröffentlichung im Internet zumindest bearbeitet wurden. Manchmal reicht da der Austausch weniger Worte. Aber wenn ich von einer Homiletik der Diaspora spreche, dann darf die Predigt nicht einfach eine Kopie der Sonntagspredigt aus dem geschlossenen Gemeindegottesdienst sein, ein zusätzlicher Reflektionsschritt wird schon durch die folgende Frage gefordert: 

 

4.1.         Wer sind meine Hörer ?   

   Genauer mĂĽsste die Frage in Hinblick auf die GPI lauten: Wer sind meine Leser?

   Wir haben die medialvermittelte Hörergemeinschaft als einen postmodernen Stamm beschrieben, in dem die Autonomie des Einzelnen einen besonderen Stellenwert hat. Der Prediger wird die so angelegte Distanz nicht völlig ĂĽberbrĂĽcken können und sollen. Sie ist Teil der Diasporaerfahrung, so wie wir sie konstitutiv fĂĽr die GPI annehmen.

   Anders wäre die Situation einer kleinen abgeschlossenen Diasporagemeinde in die, und zu der, ein eigener Prediger gehört. Dieser teilt vollständig das Leben seiner Predigthörer. Sehr bald schmort diese Gemeinde wohl im eigenen Saft.     

   Die Fremdheit, die zwischen Leser und Prediger der GPI besteht ist verheiĂźungsvoll. Auch Paulus schreibt an die ihm unbekannten Römer und lässt sich von dem ihm unbekannten Mazedonier nach Europa rufen (vgl Act 16,9). Philippus spricht den ihm fremden Hofbeamten aus Ă„thiopien an und predigt ihm das Evangelium von Jesus ausgehend vom Propheten Jesaja (Apg 8,30) den dieser gerade liest. Es stellt sich deshalb die Frage ... 

 

4.2.         Welches ist nun aber der gemeinsame Erfahrungshorizont, der unsverbindet? 

4.2.1.   Hier kann zunächst einmal auf die Bibel und bestimmte christliche Traditionen (Feste) verwiesen werden. So wie Philippus und der Kämmerer aus dem Morgenland im gemeinsamen BemĂĽhen um Jesaja 53, 7 ins Gespräch kommen.  Dann wird man auf Elemente einer globalen Kultur verweisen können. Von den olympischen Spielen bis zu Harry Potter gibt es Themen zu denen jeder im globalen Dorf etwas sagen kann. In diesen gemeinsamen Erfahrungshorizont wäre „die zentrale Stellung des christozentrischen Glaubens gegen relativierenden Zeitgeist, gegen die Preisgabe der Hoffnung und gegen alte und neue Formen des Aberglaubens,“ einzuzeichnen. 

4.2.2.   Es gibt menschliche Grunderfahrungen, die Autoren und Leser der GPI verbinden. Ein Beispiel ist die HilfsbedĂĽrftigkeit der Pastorin Donna Laubach Moros. Ihre Predigt in spanischer Sprache ĂĽber Lukas 12, 32 – 40 stand zum22-8-2004 auf den Seiten der GPI.                 Sie berichtet ĂĽber einen Gehirnschlag, der ĂĽber sie kam wie ein Dieb in der Nacht, berichtet ĂĽber ihre Hilflosigkeit, die tätige Solidarität und den Beistand, den sie erfahren hat und ĂĽber den langen Prozess der Gesundung. Erfahrungen, die als solche weltweit zu vermitteln sind. Donna Laubach, ist deutscher Abstammung in New York City geboren und aufgewachsen. Heiratete und lebte viele Jahre in Venezuela und ist nun Dozentin an einer kirchlichen Hochschule in Madrid - eine globalisierte Biografie. 

4.2.3.   Weitere Elemente des globalen Erfahrungshorizontes sind jene Nachrichten, die um die Welt gehen. Am Sonntag Okuli, den 14. März 2004 predigte Ulrich Nembach ĂĽber Epheser 5, 1 – 8a anlässlich der Bombenattentate in Madrid. Ich bekam anlässlich der Kaufhausbrandes in AsunciĂłn eine Andacht aus Paraguay, die dann allerdingsnicht weiter veröffentlicht wurde.

 

4.3.         Der Text: Die Chancen von Pfingsten 

   Die babylonische Verwirrung der Sprachen und die anschlieĂźende Zerstreuung in alle Länder (Gen 11, 1- 9) ist nicht nur Strafe sondern auch VerheiĂźung. Dem rein funktionalistische Missbrauch der Einheitssprache als Werkzeug zur Erreichung immer größerer technischer Prestigebauten wird ein Ende gesetzt. Fortan mĂĽssen sich die Menschen um einander in den verschiedenen Sprachen bemĂĽhen um kommunizieren zu können. Das Erlernen einer Fremdsprache bedeutet immer auch ein StĂĽck Erweiterung des eigenen Lebenshorizontes und ein StĂĽck Zugehen auf den anderen. Die BemĂĽhungen um den Bibeltext in seiner Originalsprache sind uns vertraut. Einen weiteren Schritt bedeutet es, die Bibel in einer anderen modernen Sprache zu lesen und in dieser Sprache auch ausgelegt zu bekommen. Sich dem auszusetzen bedeutet Pfingsten eine Chance zu geben.

   Schon das Wahrnehmen verschiedener Textreihen, anderer auch hermeneutischer Traditionen, die Bedeutung der christlichen Feste in anderen Ländern zu erfahren, all dies sind Möglichkeiten die die GPI ihren Besuchern anbieten. 

 

4.4.         Predigten ĂĽbersetzen?

   Am 26.2.2004 lasen wir im Gästebuch folgenden Leserbrief eines Herrn Dietmar BrĂĽggemann ( Brueggemann.Dietmar@mh-hannover.de). Er schrieb:
“Schade, daß immer mehr Predigten in Fremdsprachen gehalten sind. Wie wärs, wenn man sie auch in der übersetzten Version bringen könnte. Es ist für mich nicht gerade eine gute Vorbereitung auf meine eigene Predigt, wenn ich mit meinen begrenzten Sprachkenntnissen auch noch eine Predigt übersetzen soll, von der ich nicht weiß, ob sie am Schluß was taugt. Die vielen, auch deutschsprachigen strohernen Episteln (Predigten) machen mich da eher skeptisch.“

   Ich bin der Meinung, man sollte Predigten eigentlich nicht ĂĽbersetzen. Sie verlieren erheblich an Aussagekraft. Vielmehr halte ich es fĂĽr einen groĂźen Reichtum, dass die GPI mit Autoren aus der ganzen Welt zusammenarbeiten, die in ihrer Muttersprache Predigtbeiträge liefern. Andererseits gerade fĂĽr viele Gemeinden in der Diaspora in Ländern mit weniger häufig gesprochenen Sprachen wird es nötig sein Predigten in den gebräuchlichsten Fremdsprachen vorzuhalten. In diesem Sinne sollten so bald als möglich auch französische Predigten auf den Seiten der GPI zu finden sein.

 

4.5.         Wie predigen? Narrativ, informativ, zeugnishaft.

   Ein Leserbrief vom 6. August 2004 wirft das Problem auf:

„Vielen Dank für die Predigten, die Pfarrer geben sich bestimmt viel Mühe, es sind auch sehr aussagekräftige Predigten dabei, die man als Lektorin bei Gottesdiensten verwenden kann. Ich drucke immer alle aus, um sie in Ruhe zu lesen. Nur leider sind die meisten zu Ichbezogen mit den Erlebnissen der Autoren um sie in der eignen Gemeinde widerzugeben. Arbeitet dran! Danke!“[25]

   Ich glaube nicht, dass es gut wäre, die Predigtschreiber wĂĽrden von ihrem eigenen Erfahrungshorizont absehen und sozusagen globalgĂĽltige Predigten schreiben. Gott hat sich ja gerade nicht in ewigen Wahrheiten sondern in einen Menschen mit historisch determiniertem Schicksal offenbart.

   Eine VerheiĂźung der GPI als Reden der Diaspora ist es ja gerade, dass die Inkarnation Gottes in den verschiedensten Kontexten und Lebenszusammenhängen bezeugt wird. Der konkreten Menschwerdung Gottes entspricht homiletisch das Ineinander von lokal und global in der Predigt, gerade in der Ichbezogenheit der Erlebnisse der Autoren kommt die Tragweite der Offenbarung Gottes in aller Welt zum Ausdruck. Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium (Mk. 16,15) heiĂźt nicht Gleichschaltung, sondern, als Diasporaerfahrung, das AufspĂĽren Gottes in den verschiedenen Lebensbereichen der Zerstreuung. Die „ichbezogenen Erlebnisbereichte der Prediger aus aller Welt sollten in der Gemeinde der Briefschreiberin eigene, dann auch „wirbezogene“, Erlebnisberichte hervorrufen. 

   In diesem Sinne möchte ich das Stichwort „Erlebnisse“ positiv aufnehmen und fĂĽr einen narrativen Predigtstil, zumindest aber fĂĽr narrative Elemente, in den GPI werben. Ich konkretisiere dies in vierfacher Hinsicht. 

4.5.1.   Es wurde schon erwähnt, dass das Erzählen von menschlichen Grunderfahrungen eine globale Verbindung schafft. Trost, Solidarität, Verbindendes, Orientierendes, Befreiendes angesichts von Not, Leid oder auch Freude, Bewahrung, Geburt oder Tod  erlebt zuhaben und mitzuteilen ĂĽberwindet Grenzen der geographischen, konfessionellen und der Diaspora im eigenen Lande. Bei diesen Erzählungen rĂĽcken Menschen zusammen, gemeinsame Bekenntnisse entstehen. 

4.5.2.   Ein Prediger aus der Diaspora erzählt die Vorkommnisse auch im eigenen Land aus einer anderen Optik. Seine Wahrnehmung ist durch die Distanz und Autonomie seiner Lebenssituation geschärft oder doch so verfremdet, dass sie neue Einblicke auch störende Erkenntnisse vermitteln kann. 

4.5.3.   Eine weitere Chance des narrativen Predigtstiles in den GPI besteht darin, dass den globalen Informationen Lokalkolorit gegeben werden kann. Ereignisse, die aller Welt durch die Nachrichten bekannt sind, werden aus der Nähe in eigener Betroffenheit beschrieben. Dadurch können Aspekte deutlich werden, die in den offiziellen Nachrichten gewollt oder ungewollt nicht zum Tragen kommen. Solidarität mit den Opfern wird erlebbar, das Lernen von den Schwachen gewinnt eine konkrete Dimension. 

4.5.4.   Narratives Predigten erreicht seinen Höhepunkt, wenn es gelingt die „ichbezogenen“ Erlebnisse des Predigers und seiner Gemeinde so mit biblischen Erzählungen zu verweben, dass Zusammenhänge und Deutungen möglich werden. Predigten heiĂźt in diesem Sinne ernten nicht säen. Ernten was schon da ist, vor aller Zerstreuung der Menschen ist Gott in aller Welt und lässt sich dort auch finden. Die Inkarnation Gottes weltweit kann erzählt werden. Das Hauptanliegen des christozentrischen Glaubens kommt zur Geltung. 

 

5.       ResĂĽmee 

   Die GPI sind keine traditionelle Kirche laut CA denn die Sakramente werden nicht gemeinsam gefeiert. Wenn man den Begriff des Stammes ekklesiologisch interpretiert, ist es eine interaktive Lesergemeinschaft, d.h. zu einem Teil sind Autoren und Leser identisch, zu einem weiteren Teil sind die Besucher der GPI Prediger in anderen Orten. Die GPI finden so eine Verbreitung, die weit ĂĽber das messbare Aufsuchen der Internetseiten hinausgeht.

   Das biblische Paradigma der Diaspora beschreibt eine gewisse Isolation und  - auch gewollte – Autonomie von Lesern und Autoren der GPI. Diese weltweite Zerstreuung ist verheiĂźungsvoll im Sinne einer, in diesem Fall, positiv zu interpretierenden Globalisierung der Guten Nachricht des Evangeliums.

   Auf die Diasporasituation und ihre VerheiĂźungen bezieht sich auch das Gleichnis vom Salz der Erde und dem Licht der Welt (Mt 5,13)[26]. Beide werden ermahnt, ihre Identität zu wahren, nicht die Kraft in der Assimilation an die Umwelt zu verlieren. Beiden ist trotz geringer Menge groĂźe Wirkung verheiĂźen.

   Die GPI können mit der Weiterentwicklung einer Homiletik der Diaspora die Möglichkeiten des Mediums Internet fĂĽr die weltweite VerkĂĽndigung des Evangeliums ausbauen und dabei von den VerheiĂźungen der Diaspora leben, dass das Wort Gottes eine eigene Dynamik entwickelt, die es bis ans Ende der Welt bringt und so eines Tages die Zerstreuung des Heiligen Volkes ein Ende haben wird (vgl Dan 12,7; Apk 21,4).



[1] Die Augsburgische Konfession – Cofessio oder Bekenntnis des Glaubens etlicher Fürsten und Städte überantwort kaiserlicher Majestät zu Augsburg, Anno 1530.

 

[2]Ryökäs, Esko, „Predigtgemeinschaft im Internet – eine Kirchengemeinde?“ in Informationes Theologiae Europae 8, 1999 S. ...

 

[3]Michel Maffesoli, (Soziologe an der Sorbonne, Paris)  Le temps des tribus  - Le dĂ©clin de l'individualisme dans les sociĂ©tĂ©s postmodernes
 1996

 

[4]McQuail's (englischer Kommunikationsforscher) Mass Communication Theory remains the most integrated and comprehensive introduction to the field.

 

[5] WA 9, 440

[6] Josuttis, Manfred, Gesetz und Evangelium in der Predigtarbeit, Homiletische Studien 2, GĂĽtersloh 1995, besonders S 42 ff.

[7] Nembach, Ulrich, „Göttinger Predigten im Internet. Ein Bericht“ in Informationes Theologiae Europae 8, 1999 S. 321 – 337

 

[8] Fleischmann-Bisten, Walter, „Evangelisch glauben und leben in der Diaspora des 21. Jahrhunderts“, in: Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAWs, 70. Jahrgang, Leipzig 2001, S. 11 – 34, hier S. 13.

[9] So die Vierte EKD-Erhebung ĂĽber Kirchenmitgliedschaft, Hannover 2003.

[10] Fleischmann-Bisten, Walter, „Evangelisch glauben und leben in der Diaspora des 21. Jahrhunderts“, in: Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAWs, 70. Jahrgang, Leipzig 2001, S. 11 – 34, hier S. 13.

[11] Ebenda S. 14.

[12] Krüger, René, „Das biblische Paradigma der Diaspora“ in Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAW 63. Jahrgang, Leipzig 1994, S. 87 – 109, das Zitat auf S. 106.

[13] Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

2 Und ich will dich zum groĂźen Volk machen und will dich segnen und dir einen groĂźen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Gen 12, 1-3

 

[14] KrĂĽger, RenĂ©, „Das biblische Paradigma der Diaspora“ in Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAW 63. Jahrgang, Leipzig 1994, S. 87 – 109, das Zitat auf  S. 99.

[15] Ibidem

[16]Aland, Kurt, Black, Matthew, Martini, Carlo M., Metzger, Bruce M., and Wikgren, Allen, The Greek New Testament, (Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart) 1983. j Iavkwbo" qeou` kai; kurivou  jIhsou` Cristou` dou`lo" tai`" dwvdeka fulai`" tai`" ejn th`/ diaspora`/ caivrein.

[17] Pevtro" ajpovstolo"  jIhsou` Cristou` ejklektoi`" parepidhvmoi" diaspora`" Povntou, Galativa", Kappadokiva",  jAsiva" kai; Biquniva",

[18] Vgl auch Heb 13,14; Phil 3,20; Gal 6, 26.

[19] A.a. O. S.105.

[20] A. a. O. S. 107

[21] A. a. O. S. 108.

[22] Nembach, Ulrich, „Göttinger Predigten im Internet. Ein Bericht“ in Informationes Theologiae Europae 8, 1999 S. 321 – 337.

[23] Ebenda

[24] Die Zitate stammen aus Stolpe, Manfred, Chancen und Möglichkeiten evangelischer Diasporachristen in der Gesellschaft, in Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAW Leipzig 1994, S. 9 – 13.

[25] Erika Braun ( www.Browny-NTH@t-online.de )schrieb am 6.8.2003 16:53

 

[26] Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als daß man es wegschüttet und läßt es von den Leuten zertreten.

a) Mk 9,50; Lk 14,34-35

 

 

 

Consequences of the Use of the Internet in Religious Communication.

Experiences made by a Christian Protestant sermon service.

By Ekkehard Heise

 

   Preface 

   In the Christian, particularly in the protestant understanding, religious community is particularly provoked by the word of God. This reaches human beings by the sermon. The classical situation of preaching leads to a local community, a group, which is constituted by hearing the sermon and by the effect, it has on its life. 

   Sermons, which are placed in the Internet, find a worldwide post-modern tribe of readers. It comes out a new religious community form. This can be described as a network, which, on the background of the world-wide situation of minority, in which - perhaps not only the Christian - religion finds itself, makes possible religious communication, stabilization of the faith and the experience of solidarity. 

   1. The Word of God spread all over the World by the Use of the Internet as a Medium for the Preaching

   Where religions strictly adhere to the Word of God as sole authority in matters of faith and practice, like for example the Christian Protestantism, a message of salvation has to be brought to the entire world.    The word of God came into the world in a process of incarnation. This process goes on when human beings preach the word of God. And it is most purely preached where it is expressed not by a Holy Doctrine but in the language and in the experience of all the people mainly the poor and weak.  

  Nowadays the Internet seems to be the best medium to spread the Word of God all over the world, challenging all types of boundaries, geographical, political, economical, cultural and religious.  

  „Sermons from Goettingen in the Internet”– shortened: GPI, which means Göttinger Predigten im Internet are undertaking this experiment and I would like to draw some lines, which we are following in our investigation.  

   I will ask for the user of this web side and for the way they are linked by the Internet.

   To be linked by the Internet means fundamentally, that there are no boundaries in a principle. The word of God incarnated in human sermons can spread all over the world, to the black and the white; to the poor and the rich, to the powerful and the weak, to nearly everyone. So what will happen? 

-        To find the theological answer of the question, we are looking for the faith  and discipleship as an answer of God’s word, spread all over the world. 

-        The sociological answer of the question makes us look for the kind of communities, which develop out of the impact, the GPI have all over the world.

-        And there is the homiletical question for the type of sermons, which best communicates the Good News to a world-wide-web-user-congregation.   

 

    2. Sociological Aspects of more or less Challenging Boundaries Communities

   What happens when God’s Word reaches to “the end of the world” by the use of the Internet? I see three sociological aspects referring me to the GPI:

 2.     1.  Maintenance

   TheGPI help to maintain institutional Churches united. We have to consider, that among the visitors of the GPI there is a large number of ministers, pastors and preachers. They use our site to get inspiration for their own sermons or in some cases a more o less large part of a GPI sermon may be quoted in local Sunday’s Services all over the world.    Also we reach members, who live behind boundaries, which restrain the free preaching of the Christian message.    

2.    2.  Mission

   The „Sermons from Goettingen in the Internet” reach people all over the world, who never have had contact with a church and its message or who had lost this contact. Those who rarely or never visit a Service on Sunday’s morning often use the medium Internet: the young and professionally actives. On the GPI sites they find the way to share in.   

2.    3. A new form of congregation

   The use of the Internet not only amplifies the impact of preaching in a quantitative meaning of a mission directed to church growth, but the question is about the coming out of a new form of church, founded by the Word of God, spread all over the world, without frontiers, by an unique medium like the Internet. 

  Faith, in the Christian meaning, is a gift of God.  It works through the Holy Spirit. To raise the faith God uses the Ministry of Teaching the Gospel.[1]  Who ever listens to a sermon, or read one in the Internet, exposes himself not only to the characteristic situation of the Sunday’s Services, but also to the promise that faith will be given to him.   

 

   3. GPI -  Visitors: A Post-modern Tribe of Believers   

   The group of the GPI users is not a group in the classical social psychological sense of the word, but one can speak of a post-modern “tribe” in the sense of Michel Maffesoli[2]

    The postmodernism term of the “tribe” means a community of certain defined members, as for instance regular customers of certain bars or daily travellers of the same local train every morning and evening.    Maffesoli insists that in the midst of fashion fads new forms of social collectivity are taking root, which challenge our established modes of politics and tradition and - that is my opinion: also of religious congregations. It is the word

–      and not the celebration of the sacraments in community,

–      not the place of worship –

–      not the personal meetings

that ties together this new post-modern Internet church.

It is a virtual congregation. Virtual does not mean fictitious[3]

   Using the new medium of the Internet the word of the sermon bridges in some cases the enormous, not only geographical, distances between the individual congregation members.  The use of the Internet leads to a superposition of local and global spheres. 

   The community, in which I feel at home, is not only the group of my neighbours, which live in the same street with me, but also I have virtual contacts in the whole world, including the visitors of the Internet congregation. 

   And if it concerns faith or religious questions, then somebody may find more often interlocutors in the scatter of the Internet, than in his everyday life circle, which may be completely unbelieving and pagan.

 

   The experience of long distances between single congregations or even between single members of the church we know from the communities in the Diaspora.  This term means the minority situation, which religious communities had lived in history or are still living in an crescent number of countries all over the world.

   It is meaningful to me, that in the present theological discussion the paradigm of the Diaspora not only helps to investigate the use of the Internet by preachers and homilists, but also is proposed to be the “ecclesiological  metaphor", the "paradigm for the religious situation of tomorrow" in a global sense.[4]   

 

1.    Sermons out of the Promises of the Diaspora 

   The post-modern tribe of the GPI users in a special way passes through and meets with the needs and the promises of the Diaspora. 

      4. 1.  The needs

   Where faith convictions don’t unite anymore the people of a society in a large scale and as obligatory for all, every type of religion finds itself in a Diaspora situation.     An extension of the term of the Diaspora is suggested: It leads from the minority situation of a religious group in the midst of a neighborhood of an other religion to the Diaspora in the resignation and the lost of sense, where people look for any good word, which provides them with support, when future becomes hopeless and desperate.     Life in the postmodernism actually already means for everybody to live in some sort of Diaspora. 

 

4.    2. Promises

  Diaspora does not only define itself from its needs, from the lack of homeland, of solidarity or from a missing reference to a religious center. 

   From history we know that there is also the voluntary taken Diaspora or at least the Diaspora, which can be understood as a chance and a task full with its promises. The GPI participate in those promises:   

1.    The medium Internet goes over all type of boundaries. 

2.    The "Babylonian" scatter of the preachers makes possible the entrance to different languages and to different cultural environments.  

3.    Testimonies of God’s becoming human can be communicated to the entire world. That means an interplaying of local and global topics. 

The global promise of God can be shown and seen locally. 

The local experiences win global meaning.     

4.    The sermons exposed in the Internet are accessible to everyone, especially to those individuals, who are searching something without being connected to a congregation. That may be in the geographical, in the confessional or in the near-by isolation of desperation and senselessness.  

5.    The relative anonymity of the Internet makes the access to the GPI also possible to those,

who either want to be for their own, when hearing a sermon or to those, who don’t want to profess a certain religion nor to integrate a group of a certain creed or to those, who feel disturbed by the person of the preacher or other persons of the congregation.  Local churches and ministers do not only invite, but also repulse people by the simple way they are. 

6.    The GPI offer to people in the different types of situation of Diaspora a possibility to share their lives, in form of that tribal community of post-modern times, we described.   

  Moreover the situation of Diaspora means a chance and a promise to the GPI, which lay in their being religious communication in an informal and powerless way, as a voice of a minority, independent from any institutional political and church authority and control.    

   It is interesting to think in this context about homiletics of the Diaspora.  To my knowledge the term is new.  We are asking for the make-up, this religious communication has to take, in order to be a place of the presence of God in this world.    

 

5.    Homiletics of the Diaspora  

  When the word is the only link between the members of this virtual congregation, than the word of the sermons in the Internet has to have a special, I dare say, a sacramental quality. That means the presence of God has to be testified in these words.  

2.    1. Who are my listeners? 

   We described the mediated congregation of listener as a postmodern tribe, in which the autonomy of the individual has a special value.  The preacher will not be able – and is not supposed - to bridge completely the existing distance.  On the contrary it is part of the experience of the Diaspora, which we are assuming as basic for the GPI. 

    5. 2. Which are however the common experiences, which connect us?   First of all we can mention the remaining traditions: for example the celebrations of Holy Days.   Than there are human basic experiences, which the authors and readers of the GPI are sharing.   Further elements of the global horizon of common experiences are those news, which spread all over the world.

 

    5. 3. How to preach?  -  Narratively, informatively, giving testimony.   

   In this regard I would like to take up positively the keyword "experiences" and to plead for a narrative preaching style, at least however for narrative elements, in the religious contributions, which are published in the Internet.   

5. 3. 1.  Telling human basic experiences, which show the presence of God, creates a global human connection. Experiences such as giving or receiving comfort or solidarity, orientation, releasing from emergencies, giving or receiving liberation, connect peoples with each other. Participating pain but also, enjoyments, to communicate birth or death, all this leads to an deeply felt transcending of boundaries of the geographical, confessional and the Diaspora in the own country. With these narrations human beings move together, they develop confessions in common. 

5. 3. 2.   A further chance of the narrative sermon style in the Internet consists in the fact that local color can be given to the global information. Events, which are known by the entire world from the news, can be described from the proximity of the own embarrassment including religious interpretation.  Thereby aspects can get profiled, which in the official news – intentionally or not -  were not shown.  Solidarity with the victims becomes an experience; the learning from the weak wins a concrete dimension. 

5. 3. 3. Narrative preaching gets to its culmination, when it succeeds to join the "self - centred" experiences of the preacher and its congregation with other religious narrations in such a way, that connections and interpretations become possible.  Preaching in this sense means harvest work not sowing. To harvests what is already there. Long before all scatter of human beings God is in the entire world and can be found there.  The Incarnation of God worldwide can be told from the point of view of the people emphasising the weak and poor. 

 

3.    Summary  

    We pointed out consequences of the use of Internet in religious communication using the experience we are making with the GPI. These sermons find a worldwide post-modern tribe of readers, which constitutes a new religious community form.

   This virtual congregation can be described as a network, which makes possible religious communication, stabilization of the faith and the experience of solidarity, on the background of the world-wide situation of minority, in which - perhaps not only the Christian - religion finds itself.

   The GPI can with an improvement of the Homiletics of the Diaspora develop the possibilities of the medium Internet for the worldwide religious communication in the meaning of a sharing those narratives, which testify the presence of God in the world.

  Thereby the GPI live on the promises of the Diaspora, that the word of God develops its own dynamics, which bring it to the end to the world and by this way, one day the disunion of humanity will come to an end.

 



[1]Confession, the principal statement of Lutheran faith and practice, which was submitted to His Imperial Majesty Charles V at the Diet of Augsburg in the year 1530 determines this in its article V and VII.

[2] Ryökäs, Esko, „Predigtgemeinschaft im Internet – eine Kirchengemeinde?“ in Informationes Theologiae Europae 8, 1999 S. ...Michel Maffesoli, (Sociologist at the  Sorbonne, Paris)  Le temps des tribus  - Le dĂ©clin de l'individualisme dans les sociĂ©tĂ©s postmodernes  1996.

[3] Nembach, Ulrich, „Göttinger Predigten im Internet. Ein Bericht“ in Informationes Theologiae Europae 8, 1999, p. 321 – 337. "The GPI represent a community, which lives a ' NO-face-to-face-relationship '." 

   The change from a face-to-face sermon to a mediated speech took already place with the first Christian writers of epistles. 

 

[4] KrĂĽger, RenĂ©, „Das biblische Paradigma der Diaspora“ in Die evangelische Diaspora, Jahrbuch des GAW 63 pages  87 – 109.

 

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