Pluralistische Theologie der Religionen
Ein Vortrag von Dr. Ekkehard Heise, Stade 2002, Walsrode 2005
1. Vorwort
Der 11. September 2001 und die Theologie
Der 11. September 2001 hat die Theologie vor neue Aufgaben gestellt, jedenfalls die Theologie, die es sich zur Aufgabe macht, kritisch darĂŒber nachzudenken, was in den Gemeinden und ihrem Umfeld gedacht und geglaubt wird. Die Ereignisse des 11. Septembers, sowohl der doppelte Angriff auf die TĂŒrme des World Trade Center, wie auch der gezielte Flugzeugabsturz auf das Washingtoner Pentagon, haben weltweit einen Schock ausgelöst und dann eine durchaus unterschiedliche Interpretation der Geschehnisse. Weitgehende Einigkeit herrschte bei der Verurteilung der TerroranschlĂ€ge als grausiger Massenmord an unschuldigen Opfern. Vielerorts, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch bei uns in Stadt und Land, fĂŒllten sich die Kirchen zu Gedenk- und Gebetsgottesdiensten oftmals in ökumenischer Form.
Neben der Empörung ĂŒber die Gewalttaten, der SolidaritĂ€t mit den Opfern und ihren Familiendem Ringen um VerstĂ€ndnis fĂŒr die TĂ€ter und ihre Motive und der Furcht vor blinden VergeltungsschlĂ€gen von Seiten der USA, kam in vielen Gottesdiensten sehr bald ein weiteres Motiv zum Tragen: die Sorge um eine pauschale Verurteilung und Schuldigsprechung aller Muslime. Vor dem Hintergrund der schon bestehenden Fremdenfeindlichkeit hat dies in Deutschland zu erfreulich hoher Anzahl von gemeinsamen Veranstaltungen von Christen und Muslimen gefĂŒhrt. In Schulen, Stadteilen und Kirchengemeinden wurde der gemeinsame Wille zu Frieden und VerstĂ€ndigung ausgedrĂŒckt, diskutiert und als Gebetswunsch vorgetragen.
Am 3. Oktober 2001 wurde der âTag der offenen Moscheeâ mit einem nie zuvor da gewesenen Interesse wahrgenommen. Das BedĂŒrfnis zum vertieften gegenseitigen Wahrnehmen und Kennenlernen von Muslimen und Christen scheint nach jahrzehntelangem Fremdsein durch jene fĂŒrchterlichen Ereignisse des 11. Septembers 2001 plötzlich geweckt worden zu sein.
Man wird dies fĂŒr eine durchaus positive Entwicklung halten dĂŒrfen. FĂŒr die Theologie stellt sich nun die Aufgabe, Chancen, Möglichkeiten, Perspektiven, Grenzen und Erwartungen dieser Begegnungen dort, wo sie zu einem GesprĂ€ch der Religionen[1] fĂŒhren, auszuloten und zu begleiten. Als AnsĂ€tze dienen mir folgende Beobachtungen:
Der Ausgangspunkt fĂŒr den aktuellen interreligiösen Dialog â also das GesprĂ€ch zwischen Vertretern verschiedener Religionen, neben Christen und Muslimen beteiligen sich auch andere Religionen an ihm â ist die Erfahrung von Gewalt und unschuldigem Leiden, dem gegenĂŒber der allgemeine Wunsch nach Frieden und VerstĂ€ndigung formuliert wird.
- Es lĂ€sst sich, zumindest in unseren christlichen Gemeinden, eine gewisse Euphorie beobachten, angesichts der Möglichkeit zu einer gemeinsamen Aussage ĂŒber unser aller gottgewollten Bestimmung zum Frieden und zum Zusammenleben zu kommen.
- Es gibt Gruppen, denen das Beharren auf vermeintlich ĂŒberholten AusdrĂŒcken traditioneller Kirchlichkeit kontraproduktiv erscheint. Das Bekenntnis zu einem Gott des Friedens, Vater aller Menschen, wird als Ausdruck eines religionsĂŒbergreifenden Glaubens artikuliert. Gemeindezugehörigkeit wird oftmals als einengend empfunden.
- In vielen Familien ist der Kontakt zu Muslimen ein StĂŒck des Alltags (Arbeitstelle, Schule, Nachbarschaft). Das Zusammenleben ist nach dem 11. September bewusster, oft auch bemĂŒhter geworden. Die Bereitschaft, den anderen in seiner ReligionsausĂŒbung anzunehmen ist groĂ. Zweifel bestehen dort, wo die eigene Religion ins Spiel kommt. Was kann man, was darf man, was muss man sagen? FĂŒr ein ReligionsgesprĂ€ch fĂŒhlen sich viele nicht in der Lage. Das Thema wird an den Rand gedrĂ€ngt.
- Der sogenannte Exklusivismus, d. h. die Ansicht, dass das Christentum allen anderen Religionen ĂŒberlegen ist und mit ihnen grundsĂ€tzlich unvereinbar, wird von einigen christlichen Fundamentalisten, sowie von bestimmten konservativen aber theologisch ungebildeten Personen vertreten. Pastoren, Religionslehrer, Gemeindeleiter stehen vor der theologischen Aufgabe, ihre Gemeinden fĂŒr das GesprĂ€ch mit Menschen anderer Religionen vorzubereiten. Nicht zuletzt durch die oben erwĂ€hnten Ereignisse ist es mehr als eine Begegnung.
Informationen, wie sie unter anderem von der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland = Zusammenschluss aller evangelischen Kirchen in Deutschland hinsichtlich bestimmter Aufgaben) und der VELKD (Vereinigte Evangelisch â Lutherische Kirche Deutschlands) bereitgestellt werden, reichen heutzutage nicht mehr aus. Es sei hier dennoch darauf hingewiesen:
- die zunĂ€chst als Faltblattserien und dann in Buchform erschienene Informationsreihe âWas jeder vom Islam wissen mussâ, GTB-Sachbuch GĂŒtersloh 1990 (ISBN 3-579-00786-6).
- In derselben Reihe erschienen: âWas jeder vom Judentum wissen mussâ, GĂŒtersloh 1983 (ISBN 3-579-00788-2).
Das gegenseitige Kennenlernen, so wichtig es ist, kann nur der erste Schritt sein. Gemeinsame Stellungnahmen, gemeinsame Aktionen bis hin zu gemeinsamen Gottesdiensten, als Antwort auf Probleme der einen Welt, setzen ein profundes GesprÀch und ein nicht zu unterschÀtzendes Maà an Gemeinsamkeiten voraus.
Und dies nicht nur auf der Ebene von Kirchenleitungen, sondern die religiöse Basis, die Gemeinden mĂŒssen diese Entwicklung mit tragen (können).
Dabei geht es sehr bald um die Frage nach der eigenen Religion. Wie steht der Christ im interreligiösen Dialog da?
Hier handelt es sich nicht nur darum, der viel beklagten Unkenntnis der eigenen Religion entgegenzuarbeiten, etwa in Glaubensseminaren, im Religions- oder Konfirmandenunterricht, sondern es geht auch um ein vertieftes VerstÀndnis des Christentums, in dem Sinne, dass ich die Existenz und Anfragen der anderen Religionen in meinem Glauben mit bedenken muss.
Wir sind eingeladen, die Chancen und den Reichtum zu sehen, den Gott, der Schöpfer und Vater Jesu Christi, den Menschen dieser Welt durch die Vielfalt der Religionen mitgibt. Das bedeutet Bereitschaft zu einem offenen Dialog ohne vorher festgelegte WahrheitsansprĂŒche.
Das Ziel soll nicht sein, dass die Konturen aller teilnehmenden Religionen unkenntlich werden und verwischen, sondern unter Wahrung gröĂtmöglicher SchĂ€rfe und Genauigkeit jeder Eigenheit soll in diesem GesprĂ€ch darauf verwiesen werden, dass es einen Urgrund â Gott selbst â gibt, der alle Religionen gestiftet hat.
Ich möchte versuchen in den folgenden VortrĂ€gen auf christlicher Seite an diesen Vorbedingungen fĂŒr einen interreligiösen Dialog zu arbeiten. D. h., ich möchte fĂŒr uns Christen, hinsichtlich unseres Glaubens die Frage stellen: Wie können wir uns in ein solches GesprĂ€ch einbringen? Was bringt unsere Religion mit? Was können wir den anderen Religionen sagen? Wie stehen wir ihnen gegenĂŒber? âOder stehen wir nicht viel eher mit ihnen gemeinsam, nebeneinander anderen Herausforderungen, - wie z. B. Gewalt, Armut, Fundamentalismus, - gegenĂŒber?
Meine These ist es, dass der interreligiöse Dialog nicht nur etwas ist, das wir nun auf Grund der globalisierten Weltlage angehen mĂŒssen, sondern ich werde zeigen, dass unser ureigenster christlicher Glaube auf dieses GesprĂ€ch mit und auf die Bereicherung durch die anderen Religionen angewiesen ist.
2. Zum bisherigen christlichen Umgang mit anderen Religionen
Ein solcher Ansatz, wie ich ihn eben formuliert habe, schlieĂt von vornherein bestimmte traditionelle Formen des christlichen Umgangs mit Andersglaubenden in der Theologie aus. Weder die Haltung des Exklusivismus noch die des Inklusivismus ist geeignet, das Bewusstsein der Vielfalt von Religionen bei theologischer Anerkennung dieser Vielfalt aufrechtzuerhalten und somit einen vorurteilsfreien Dialog zu ermöglichen. Lassen Sie uns mal sehen, wie man in der christlichen Theologie ĂŒber andere Religionen bisher gedacht hat.
(Unter Religion verstehe ich das ganze System einer bestimmten Glaubensrichtung. Wie werden Gott und Welt gesehen, die religiösen Praktiken, Gottesdienste, heilige Schriften etc. Die gröĂten Weltreligionen sind nach ihrem Alter: der Hinduismus, der Buddhismus, Das Judentum, das Christentum, der Islam.Unter Theologie verstehe ich die wissenschaftliche Theorie, die sich eine Religion ĂŒber ihren Glauben macht.)
2. 1. Exklusivismus
Das exklusive Modell beharrt auf der Alleingeltung des Christentums, die alle anderen Heilswege ausschlieĂt, sei es in Form der heilsnotwendigen Zugehörigkeit zur Kirche (katholische Version: extra ecclesiam nulla salus = ausserhalb der Kirche kein Heil) sei es in Form eines christozentrischen Absolutheitsanspruchs, (protestantische Version: nur durch Christus).
2. 2. Ăberlegenheitsthese
Im Hintergrund dieser Ăberlegenheitsthese steht die Theologie des Schweizer Theologen Karl Barth. Barth unterscheidet zwischen Glauben und Religion.
Religion ist, fĂŒr Barth, jeder menschliche Versuch, sich Gott zu nĂ€hern und ist als solcher von vornherein zum Scheitern verurteilt. Religion ist Unglaube. Der Mensch kann sich nicht Gott nĂ€hern. Gott hat sich in Jesus Christus einmalig dem Menschen genĂ€hert, und nur im Glauben an ihn steht der Mensch wirklich Gott gegenĂŒber.
Insofern also steht das Christentums, als Glaube â nicht als Religion - ĂŒber allen andern Religionen.
Dennoch erkennt diese These den nichtchristlichen Religionen einen gewissen Wert zu, allerdings liegt dieser deutlich unter dem des Christentums.
WĂ€hrend das Christentum von Gott geschaffene Offenbarungswahrheit ist, sind die Religionen Menschenwerk. Sie sind menschliche Versuche sich der Gottheit zu nĂ€hern. Dies kann zu durchaus beachtlichen Leistungen fĂŒhren, ethisch moralisch hohen AnsprĂŒchen genĂŒgen oder ein Leben der Askese oder Meditation hervorbringen, das, menschlich gesehen, Respekt abverlangt.
Einige der alten KirchenvĂ€ter haben diese Ăberzeugung vertreten. Vor allen Dingen die Philosophie sei wenn auch nicht christlich, so doch von Gott gegeben, den Menschen als Fundament und Vorbereitungen, die zum richtigen Glauben fĂŒhren.
Trotzdem: keine Philosophie, keine Religion reicht an den Glauben an Christus heran. In neuerer Zeit wurde dieses Urteil auch dem Christentum gegenĂŒber ausgesprochen, nĂ€mlich dort, wo es sich wie eine Religion verhĂ€lt, wo es also vergisst, dass es einzig auf Gottes Offenbarung angewiesen ist und zu einer menschlichen Veranstaltung wird.
Die Theologie Karl Barths, die sogenannte dialektische Theologie, ist aus dem Protest gegen den Versuch der nationalsozialistischen Diktatur, die christlichen Kirchen in ihr System einzugliedern, hervorgegangen. Daher versteht sich der scharfe Protest gegen alle menschlichen Machenschaften, die angeblich zu Gott fĂŒhren sollen. Daher die Ablehnung aller Religionen.
Wenngleich wir heute den Begriff âReligionâ wieder durchaus positiver sehen, etwa als Versuch einer menschlichen Antwort auf Gottes Offenbarung oder im Sinne von Schritten auf ein heiliges Gebiet zu, das Gott uns durch seine Offenbarung eröffnet hat, so bleibt doch fĂŒr das GesprĂ€ch mit anderen Religionen die Betonung des Glaubens als die existentielle Betroffenheit des Einzelnen von der Gegenwart Gottes festzuhalten.
Vielleicht liegt in der Begegnung der Glaubenden etwas von der Zukunft des interreligiösen GesprĂ€ch. Darauf werden wir spĂ€ter zurĂŒckkommen.
2. 3. Inklusivismus
Das inklusive Modell wird z. B. vom 2. Vatikanischen Konzil vertreten (1962 â 1965 wichtiger Modernisierungs- und Ăffnungsversuch der katholischen Kirche). Im Kapitel VI der ErklĂ€rung DOMINUS IESUS (Sie erinnern sich â man hatte den Eindruck alle ökumenischen Anstrengungen sollten zunichte gemacht werden...) wird darauf Bezug genommen, wenn erklĂ€rt wird, dass die Religionen der katholischen Kirche deutlich untergeordnet seien. Die heilbringende Gnade Gottes könne zwar auch den einzelnen Nichtchristen erreichen, sie stehe aber immer in âgeheimnisvoller Beziehung zur Kircheâ. Diese Haltung geht in die allerersten AnfĂ€nge der Kirche zurĂŒck. Justinus, der MĂ€rtyrer (+ 165), schrieb in seinen Apologien (Verteidigungsschriften) des Christentums:âAlle, die gemÀà des LOGOS gelebt haben, sind Christen, auch wenn sie fĂŒr Atheisten gehalten wurden, wie Sokrates, Heraklit und andere...â[2] Karl Rahner spricht in diesem Sinne, hinsichtlich der Philosophen und aller Menschen guten Willens, von anonymen Christen.
2. 4. Zusammenfassung
Es ist deutlich, dass weder der Exklusivismus, noch der Inklusivismus, aber auch nicht die Ansicht, nur das Christentum wĂ€re der wahre Glaube, der sich von irrenden Religionen (inklusive der christlichen) abhebt, zu einem offenen, gleichberechtigten GesprĂ€ch des Christentums mit den anderen Religionen fĂŒhren kann. Als Lösungsmodell zur Ermöglichung eines offenen GesprĂ€ches und einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Glaubensrichtungen bietet sich nun eine pluralistische Theologie der Religionen an.
Wenn ich oben gesagt habe, dass die Theologie sozusagen der wissenschaftliche Zweig einer Religion ist, wobei nicht alle Religionen gleichen Wert auf eine ausgefeilte Theologie legen, dann ist eine pluralistische Theologie der Religionen nun der Versuch, eine Wissenschaft zu entwickeln, die sich nicht nur um eine Religion kĂŒmmert und die Welt nur aus dem Blickwinkel dieser einen Religion aus versteht, sondern pluralistische Theologie heiĂt, es soll wissenschaftlich von Gott geredet werden unter BerĂŒcksichtigung aller Religionen als gleichberechtigt.
3. Pluralismus
In meinen anfĂ€nglichen Ăberlegungen zur Situation der Welt habe ich dem 11. September eine groĂe Bedeutung zugemessen. Dieses Datum ist aber nur ein â und zugegebenermaĂen schreckliches - Symbol fĂŒr das Zusammenwachsen der Welt, der Globalisierung, des Bewusstseins dafĂŒr, dass es nur eine Welt gibt, die alle Menschen unter sich gerecht und friedlich teilen mĂŒssen. Den Religionen kommt bei dieser Aufgabe eine zentrale Bedeutung zu.
Nun ist es gar nicht so einfach zu sagen, was eine Religion ist. Wir haben von der, durch seine Zeit und UmstĂ€nde bedingten, Religionskritik Karl Barths gehört. FĂŒr Barth ist Religion jeder menschliche Versuch, sich Gott zu nĂ€hern und deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Es gibt heute wieder eine positive Aufnahme des Religionsbegriffes, aber doch sehr verschiedene Definitionen dessen, was eine Religion denn sei.
Perry Schmidt-Leukel vom Institut fĂŒr Fundamentaltheologie und Ăkumenische Theologie der UniversitĂ€t MĂŒnchen nennt zumindest ein Merkmal aller Religionen:
"In Religionen werden bewusst oder unbewusst Ăberzeugungen gepflegt. Diese Ăberzeugungen beinhalten (1) Annahmen ĂŒber die Beschaffenheit der Wirklichkeit, (2) Werturteile und (3) Handlungsanweisungen."[3]
Daniel Jeyaraj, vom Gurukul Lutheran Theological College in Madras (SĂŒdindien) betont die Möglichkeit jeder Religion, sich in der Geschichte zu verĂ€ndern. In seiner indischen Heimat hat er den gegenseitigen Einfluss der verschiedenen Religionen beobachten können. Er definiert: Religionen
"...beschĂ€ftigen sich meistens mit der Frage nach der letzten transzendenten und immanenten Wirklichkeit, die man Gott nennen könnte, mit der mannigfachen Beziehung der Menschen zu dieser Wirklichkeit und den Folgen dieser Beziehung fĂŒr die Menschen in der Welt. Diese dreifache Fragestellung konkretisiert sich in einem Kult mit entsprechenden Riten und Ausdrucksformen, die sich allmĂ€hlich an die jeweiligen kulturellen Gegebenheiten anpassen."[4]
Ich habe Ihnen die beiden Definitionen auf dem Materialblatt aufgeschrieben, damit Sie sie noch einmal in Ruhe betrachten können. Wichtig ist mir die Beobachtung des Inders Jeyaraj, dass alle Religionen sich im Laufe der Zeit verĂ€ndern und sich den Herausforderungen der jeweilige Zeit stellen mĂŒssen.
So schwer die Aufgabe auch wirkt, was den einzelnen Religionen heutzutage zugemutet werden muss, ist, in ihre eigene religiöse Praxis, ihr Denken, Handeln und Argumentieren die Existenz der anderen Religionen mit einzuschlieĂen. DafĂŒr gibt es verschiedene GrĂŒnde und Motivationen. Ich möchte diesen aus christlicher Sicht nachgehen.
3. 1. Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ
Reinhold Bernhardt, Theologe am Ăkumenischem Institut der UniversitĂ€t Heidelberg, findet 8 GrĂŒnde fĂŒr die Revision des theologischen Urteils ĂŒber die nicht-christlichen Religionen[5].
Dabei ist nicht das Bewusstsein der Vielfalt von Religionen das Neue. Wir wissen ja schon lange, dass es andere, auch groĂe, sogenannte Weltreligionen â auch unter uns - gibt. Das neue der pluralistischen Religionstheologie ist die theologische Anerkennung dieser Vielfalt der Religionen.
Es ist also nicht schlimm oder bedauerlich oder ein Stein des AnstoĂes, den es â etwa durch eifrige Mission â zu beseitigen gilt, dass es verschiedene Religionen gibt, sondern mit dieser Tatsache sollen und können und dĂŒrfen wir leben. Dieses Bewusstsein ist uns Christen erst nach und nach zugewachsen. Die acht Schritte auf diesem Weg der christlichen Bewusstseinserweiterung sind:
1. Das Ende des politischen, kulturellen und religiösen Eurozentrismus.
2. Die Erkenntnis der Schuld, die die europĂ€ischen KolonialmĂ€chte und die in ihrem Gefolge missionierenden Kirchen auf sich geladen haben, fĂŒr deutsche Christen auch besonders die Schulderkenntnis bezĂŒglich der Vernichtung der Juden in der Shoa. Die Entdeckung eines Antijudaismus, der bis ins Neue Testament zurĂŒckfĂŒhrt.
3. Die Globalisierung der Welt durch Telekommunikation, Reisemöglichkeiten und Migrationsbewegungen fĂŒhrte zu der existentiellen Erfahrung einer tiefen SpiritualitĂ€t und religiösen Weisheit und der Möglichkeit von sinnerfĂŒlltem, ganzheitlich gelingendem, heilem Leben auch in anderen Religionen.
4. Eine RĂŒckbesinnung auf die regionalen, ethnischen, kulturellen und religiösen IdentitĂ€ten der Völker (Islam).
5. Das Zerrbrechen des westlich â abendlĂ€ndischen Vertrauens in (natur-) wissenschaftlich begrĂŒndeten Wachstumsglauben. Die spirituellen Angebote der östlichen Religionen und das NaturverhĂ€ltnis der Stammesreligionen öffneten sich als Quelle neuer Impulse.
6. Damit einher ging ein PlausibilitÀts- und Relevanzverlust der westlichen, christlichen Kirchen. Die Renaissance der Religionen, die nach dem SÀkularisierungsschub der 70-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfolgte, wendete sich östlichen oder neuen religiösen Strömungen zu.
7. Die Historisierung, Kontextualisierung und Pluralisierung der gesamten Geisteskultur etwa seit den 80-iger Jahre - wir sprechen von der Postmodern - fĂŒhrte zur Anerkennung einer FĂŒlle gleichzeitiger WirklichkeitsentwĂŒrfe. Was fĂŒr mich wahr ist, muss nicht auch fĂŒr dich wahr sein.
8. Ein letztes Motiv â ganz anderer Art â das zur Ausbildung einer pluralistischen Theologie der Religionen fĂŒhrt ist die Tatsache, dass das Christentum an die Grenzen seines quantitativen Wachstums angelangt ist.
âNoch auf der Weltmissionskonferenz in Edinburgh 1910 war man der festen Ăberzeugung, dass innerhalb einer Generation die Welt christlich sein wĂŒrde. Heute wissen wir: Vor 10 Jahren waren ein Drittel der Weltbevölkerung Christen (1,64 Mrd.). In 10 Jahren werden es höchstens noch ein Viertel, vielleicht nur noch ein FĂŒnftel sein. ... Dieses Bewusstsein aber ist in der Christentumsgeschichte noch nie dagewesen. Es ist eine theologische Provokation aller erster Ordnung.â[6]
Mit den Prozessen und Entwicklungen, die in diesen acht Punkten angedeutet werden, verloren und verlieren die alten theologischen Muster zur Beurteilung der nicht-christlichen Religionen an PlausibilitÀt.
Weder das Modell des Exklusivismus noch das des Inklusivismus â also AusschlieĂung oder EinschlieĂung, Abwehr oder Assimilation der anderen Religionen durch das Christentum â sind ehrliche, offene Möglichkeiten, den Gottesglauben anderer Menschen ernst zu nehmen.
Die anderen Religionen mĂŒssen sich auf je ihre Weise der gleichen Kritik unterziehen. Sie mĂŒssen sich auch fragen, was bedeuten uns die anderen Religionen. Aber das kann nicht unsere, also der Christen, Aufgabe sein.
Im christlichen Bereich ist aus dem UngenĂŒgen an der traditionellen Behauptung der Alleingeltung oder der Ăberlegenheit der christlichen ĂŒber die anderer Religionen â vor dem Hintergrund der oben skizzierten Herausforderungen â das Modell des religionstheologischen Pluralismus entwickelt worden, ein Modell von dem Armin Kreiner â katholischer Fundamentaltheologe an der UniversitĂ€t Mainz â sagt, es sei, âeines der interessantesten, konsequentesten und provokantesten theologischen Unternehmen der Gegenwartâ.â[7]
Es geht darum, anzuerkennen, dass auch alle anderen âgroĂen, traditionsreichen Religionen der Welt auf authentische und heilseröffnende ErschlieĂungen Gottes grĂŒnden ...â[8]
Diese Einsicht schlieĂt allerdings ein, dass sich auch in allen Religionen â einschlieĂlich des Christentums â Unheilvolles, Irrgeleitetes findet.
Die pluralistische Theologie der Religionen geht davon aus, dass es in den zentralen Anliegen der Religionen strukturelle Analogien (âFamilienĂ€hnlichkeitenâ) gibt. Dies sind zum Beispiel:
- âdie Durchbrechung der individuellen und kollektiven SelbstbezĂŒglichkeit (Egozentrik), des in-sich-gekrĂŒmmten-Herzen, wie Luther sagte,
- die Ăffnung fĂŒr Schichten der Wirklichkeit, die hinter ihrer empirischen OberflĂ€che liegen,
- die Achtung vor dem Leben,
- die Verpflichtung auf elementare Lebensregeln, die menschliche Gemeinschaften vor ethischer Korruption bewahren usw.â[9]
Pluralistische Religionstheologie aber ist nicht allein eine Reaktion auf die beschriebenen acht Entwicklungen in einer zunehmend globalisierten Welt.
Die pluralistische Theologie ist kein unkritisches Kind des postmodernen Zeitgeistes. Es geht also nicht darum, zu sagen: Jeder soll auf seine Weise selig werden â wir kĂŒmmern uns nicht mehr um eine gemeinsame Wahrheit, sondern erkennen alles als denk- und mach- bar an.
Die pluralistische Theologie der Religionen geht vielmehr davon aus, dass es eine göttliche Wahrheit gibt, an der alle groĂen historischen, kulturell verankerten Religionen Anteil haben. Es gibt Bereiche, in denen sie sich nicht widersprechen und Aussagen und Handlungen, die sie gemeinsam nicht tolerieren können. Es gibt deshalb ein zweites â theologisches MotivbĂŒndel - das zeigt, âdass hinter den EntwĂŒrfen einer pluralistischen Religionstheologie eminent theologische Anliegen stehen.â[10]
Wir werden auf die Motive innerhalb der christlichen Theologie fĂŒr das Konzept einer pluralistischen Theologie der Religionen spĂ€ter noch ausfĂŒhrlich zu sprechen kommen (cf. 5.)
Es seien hier nur kurz einige der theologischen Motive, die in den Konzepten der pluralistischen Religionstheologie wirksam sind, angedeutet. Es ist dies z. B. die Ăberzeugung
- von der UniversalitĂ€t des heilsschaffenden Wirken Gottes, also Gott möchte das Heil fĂŒr alle seine Geschöpfe,
- von der radikalen Transzendenz Gottes, der allen religiösen Vorstellungen uneinholbar vorausliegt, und
- von der Gerechtigkeit und GĂŒte als dem Grundzug seines Wesens.
Zusammenfassend lÀsst sich also sagen:
Nicht nur aufgrund der Situation der Welt â Stichwort Globalisierung â sondern auch aufgrund bestimmter theologischer FamilienĂ€hnlichkeiten mĂŒssen wir lernen alle Religionen als mögliche Weisen, Gott zu erleben und zu verehren, anzuerkennen.
Ich möchte nun zunĂ€chst darauf eingehen, wie die verschiedenen Religionen mit der Tatsache umgehen können, dass es zwischen ihnen offensichtliche, (oder eben doch scheinbare) WidersprĂŒche gibt.
3. 2. Ăberwindung von WidersprĂŒchen im Pluralismus der Religionen
Es gibt offensichtliche WidersprĂŒche in den Aussagen der Religionen. Wie können diese WidersprĂŒche in einer pluralistische Theologie ĂŒberwunden werden?
Nach Perry Schmid-Leukel sind es 4 Themenbereiche, in die sich die anscheinend widersprĂŒchlichen theologischen Aussagen bĂŒndeln lassen:
1. Das Problem der Transzendenz;
2. Das Problem der Selbstoffenbarung Gottes;
3. Das Problem der menschlichen Erfahrung mit Gott;
4. Das Problem des Heils.
Ich werde nun diese darstellen, wie man mit diesen vier Gruppen von WidersprĂŒchen umgehen kann. Dazu werde ich zunĂ€chst in einem Satz andeuten, wo die Lösung zu suchen ist. AnschlieĂend werde ich diesen Satz ausfĂŒhrlicher erklĂ€ren:
3. 2. 1. Das Problem der Transzendenz
Die Lösung findet sich in einer theologischen Hermeneutik der Apophatik.
Ăber die Transzendenz Gottes und die ihn umgebende transzendente Wirklichkeit machen die verschiedenen Religionen durchaus unterschiedliche Aussagen.
WĂ€hrend im Buddhismus der Begriff des NirvĂąna (Sanskrit: das Verwehen) die Erlösung, das vollstĂ€ndige Aufhören des Lebenstriebes bedeutet, wird in der christlichen Theologie das Sein Gottes eher als die FĂŒlle, die Konzentration allen Lebens bezeichnet.
So gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen der transzendenten Wirklichkeit. Wichtig ist nun aber jene andere Beobachtung:
Alle Religionen kennen den hermeneutischen, d. h. erkenntnistheoretischen Grundsatz, dass man die Wirklichkeit Gottes letztlich nur auf apophatischem, d. h. verneinendem Wege, richtig bestimmen kann.
Thomas von Aquin, als Christ, schreibt, es sei:
âdas ĂuĂerste der menschlichen Gotteserkenntnis, zu wissen, dass wir Gott nicht wissen.â[11]
In der 42. Sure, Vers 11 des Koran heiĂt es:
âEs gibt nichts, was IHM gleicht.â
Und nach Al-GhazĂąlĂź (islamischer Philosoph und Mystiker aus Persien +1110) kennt kein anderer das Wesen Gottes auĂer Gott selbst.
Das buddhistische NirvĂąna wird nicht nur als das
âUngeborene, Ungewordene, Ungeschaffene, Ungestalteteâ
bezeichnet, sondern auch als etwas, âfĂŒr das es nirgends Gleichnis gibt.â[12]
Wenn die Religionen diese ihnen eigene Scheu vor dem letzten Geheimnis Gottes beibehalten, werden sie die verschiedenen Aussagen ĂŒber die transzendente Wirklichkeit Gottes nicht als Widerspruch, sondern als ErgĂ€nzung annehmen können. Schmidt-Leukel fasst zusammen:
âInsofern nun in den verschiedenen Religionen auf je eigene Weise bekrĂ€ftigt wird, dass es eine letzte transzendente Wirklichkeit gibt, die aufgrund ihrer Eigenart alles menschliche Begreifen ĂŒbersteigt, haben wir das erste Fundament der pluralistischen These erreicht: Die unterschiedlichen WahrheitsansprĂŒche im Hinblick auf die transzendente Wirklichkeit mĂŒssen sich dann nicht wirklich widersprechen, wenn und insofern sie in diesen apophatischen Standpunkt mĂŒnden.â[13]
Also noch einmal zusammengefasst:
ZunĂ€chst mag es scheinen, als hĂ€tten die verschiedenen Religionen ganz unterschiedliche Vorstellungen von Gott. Bei nĂ€herem Hinsehen erkennt man aber, dass alle Religionen an den Punkt gelangen, an dem sie staunend bekennen: In Wirklichkeit ist Gott viel gröĂer als unsere Vorstellungen. Wir mĂŒssen gestehen, dass wir vieles von ihm nicht wissen.
Das war gemeint mit dem ersten Satz:
Die Lösung des Problem der widersprĂŒchlichen Aussagen ĂŒber die Transzendenz findet sich in einer theologischen Hermeneutik der Apophatik.
Nun zum zweiten Problemkreis:
3. 2. 2.Das Problem der Selbstoffenbarung Gottes
Die Lösung findet sich in einer theologischen Hermeneutik der Symbolik. Theologische Hermeneutik â wissen wir jetzt schon â heiĂt, wie man theologisch etwas erkennen kann.
Symbolik: Gott offenbart sich uns, redet zu uns in Symbolen.
Wir sind es gewohnt, in diesem Zusammenhang von Offenbarung zu sprechen. Andere Religionen kennen den Begriff der Manifestation des Göttlichen unter den Menschen. Es geht in beiden FÀllen um eine Beziehung zwischen jener transzendenten göttlichen Wirklichkeit und unserer begrenzten menschlichen LebenssphÀre.
Weil wir keine andere Sprache als die konkrete menschliche Sprache verstehen, kann sich das Göttliche uns nur in Bildern dieser Sprache zu verstehen geben, in Bildern, die ĂŒber sich selbst hinausweisen: den Symbolen.
Die pluralistische Theologie der Religionen verlangt uns nun lediglich ab, dass wir anerkennen, dass es grundsÀtzlich verschiedene Symbole als Sprachformen der Transzendenz in der Weltlichkeit geben kann. Ja sinnvollerweise geben muss, wenn wir bedenken, wie unterschiedlich die verschiedenen Völker durch Kultur, Umwelt und Geschichte geprÀgt sind.
Wir werden spĂ€ter noch einmal auf die Frage zurĂŒckkommen, wie wir es verarbeiten können, dass Jesus Christus ein Symbol Gottes unter anderen ist. An dieser Stelle möchte ich mit den pluralistischen Theologen der Religionen festhalten:
âEs gibt keine prinzipielle Schwierigkeit, dass durch zahlreiche unterschiedliche, ja mitunter sogar kontrĂ€re Symbole gleichermaĂen gut die Relation zwischen der endlichen Wirklichkeit des Menschen und der unendlichen transzendenten Wirklichkeit vermittelt bzw. artikuliert werden kann.â[14]
3. 2. 3. Das Problem der menschlichen Erfahrung mit Gott
Die Lösung findet sich in einer theologischen Hermeneutik der PerspektivitÀt.
Die unterschiedlichen Religionen berichten von unterschiedlichen Erfahrungen mit Gott. Wie kann dies anders sein. Wenn Gott sich dem Menschen offenbart, dann gehört zur Offenbarung nicht nur der Inhalt, den Gott mitteilen will, sondern auch die Form, in der Menschen diese göttliche Botschaft verstehen können. Dies gilt im besonderen, wenn es sich um eine göttliche Selbstmitteilung handelt. Göttliche Offenbarung muss mit menschlicher Erfahrung als ihr Ausdrucksmittel arbeiten.
Wir sagten eben schon, wie unterschiedlich die verschiedenen Völker durch Kultur, Umwelt und Geschichte geprÀgt sind, ihr Erfahrungsschatz ist unterschiedlich. BeschÀftige ich mich innerhalb eines Kulturkreises mit den Heiligen Schriften seiner Religion, fÀllt mir ihre sozio-kulturelle PrÀgung vielleicht wenig auf. Im GesprÀch der unterschiedlichen Religionen wird uns aber bewusst, wie sehr die Erkenntnis des Heiligen durch die Perspektive der jeweiligen Kultur geprÀgt ist.
Es geht der pluralistischen Theologie der Religionen nicht darum, zu sagen, alle Wahrheit ist relativ, sondern es geht um die eine göttliche Wahrheit, die aus verschiedenen Perspektiven wahrgenommen wird.
âNicht Relativismus, sondern perspektivenrelativer Realismus wird hiermit behauptet.â
Wenn man sagt, es ist alles relativ, dann wertet man etwas ab. Dann verliert es an Bedeutung. In der pluralistischen Theologie geht es aber darum - so sagen alle Wahrnehmungen der Religionen - sind gleich wichtig, weil gleich nah an der göttlichen Wirklichkeit, nur eben aus verschiedenen Blickwinkeln.
âEs ist die eine Wirklichkeit, die von verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Kontexten perspektivisch â und in diesem Sinne unterschiedlich â wahrgenommen wird. Ăbertragen auf die Offenbarung bzw. Erfahrung der transzendenten Wirklichkeit heiĂt dies, dass wir in der Religionsgeschichte unterschiedlichen Erfahrungen derselben transzendenten Wirklichkeit begegnen.â[15]
Also Erfahrungen mit Gott sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern je mehr zusammenkommen, aus je unterschiedlichen Kulturkreisen, desto mehr können wir staunend bekennen, Gott ist groĂ.
3. 2. 4. Das Problem des Heils
Die Lösung findet sich in einer theologischen Hermeneutik der FunktionalitÀt.
Pluralistische Religionstheologie stellt fest, dass alle Religionen eine allgemeinerfahrbare Dimension von Heil voraussetzen, die sowohl eine innerweltlich erfahrbare Dimension, als auch eine postmortale, bzw. eine eschatologische Dimension hat.
Das will heiĂen, alle Religionen gehen davon aus, dass die Welt zum Guten bestimmt ist und dass man davon etwas mitbekommen kann, sowohl hier und heute in unserem Leben, als aber auch in der Zukunft, das meint âeschatologische Dimensionâ, dass der Mensch auch nach seinem Tode nicht aus dieser, seiner positiven Bestimmung herausfĂ€llt.
Die Offenbarung bzw. Manifestation Gottes eröffnet dieses Heil und erwartet eine positive â durchaus auch aktive â Antwort des Menschen.
Diese religiösen Antworten können nun unterschiedlich sein. Die verschiedenen Religionen sollen ja nicht gleichgemacht werden.
Es ist lediglich von Bedeutung, festzuhalten, dass die soteriologisch relevanten Aussagen, also die Aussagen ĂŒber die Gotteserkenntnis, die zum Heil fĂŒhrt, dass diese Aussagen darin ĂŒbereinstimmen, dass die Rettung des Menschen das letzte Ziel des göttlichen Handelns ist.
Lassen wir dies noch einmal einen Theologen sagen, dann klingt das so:
âBerĂŒcksichtig man die Verschiedenheit der Menschen und ihrer Kontexte, dann können unterschiedliche religiöse Aussagen â selbst wenn sie scheinbar gegensĂ€tzlicher Natur sind â in ihrem jeweiligen Zusammenhang dennoch einer einheitlichen soteriologischen Zielsetzung gleichermaĂen gut dienen. So könnte man beispielsweise der Meinung sein, dass es fĂŒr die Frage der heilshaften Gotteserkenntnis in einem engeren Sinne relevant ist, ob damit eine Hoffnung ĂŒber den Tod hinaus verknĂŒpft ist, dass es dafĂŒr aber nicht von der gleichen Bedeutung ist, ob man im Besitz der richtigen Theorie darĂŒber ist, wie sich eine postmortale Weiterexistenz genau vollzieht.â[16]
Lassen Sie mich diesen schwierigen Text erlÀutern:
Also man kann sich einen Himmel vorstellen oder ein Paradies oder vielleicht sogar Vorstellungen von Reinkarnation, entscheidend ist das Vertrauen auf die Herrschaft Gottes auch ĂŒber den Tod hinaus und damit den Fortbestand der Person ĂŒber die engen Grenzen des sinnlich Erfahrbaren.
3. 2. 5. Zusammenfassung
Es ist deutlich geworden, dass die pluralistische Theologie der Religionen nicht die Unterschiede der Religionen verwischen will.
Nach wie vor und verstÀndlicherweise wird es vielen Menschen unmöglich erscheinen, sich mit einer anderen als der eigenen Religion anfreunden zu können.
Die Religionen sind nicht gleich, aber trotz ihrer WidersprĂŒche - und darum ging es hier - trotz ihrer WidersprĂŒche schlieĂen die Religionen sich nicht gegenseitig aus.
Daraus folgt die Aufgabe, sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen, sich gelten zu lassen und daraus folgt, so denke ich, doch auch das Interesse, sich auf den anderen und seinen so ganz anderen Weg zum gleichen Ziel einzulassen.
3. 3. Pluralismus als Dialog
Paul F. Knitter, Professor fĂŒr systematische Theologie und Religionswissenschaften an der Xavier University in Cincinnati / Ohio (USA) besteht darauf,
âdass eine pluralistische Theologie der Religionen nicht zuerst und hauptsĂ€chlich Pluralismus und Gleichheit vertritt. Das erste Anliegen der Pluralisten ist vielmehr GesprĂ€ch und Zusammenarbeit . Dialog ist, so könnte man sagen, dass âhöchste Gutâ, der ânormative Wertâ in der pluralistischen Religionstheologie.â[17]
Dies erinnert durchaus an Gedanken des deutschen Philosophen und Soziologen JĂŒrgen Habermas. FĂŒr ihn ist Wahrheit kein von vornherein feststehender Begriff, den der eine hat oder kennt und der andere nicht. Die Wahrheit entsteht vielmehr im offenen GesprĂ€ch an dem jeder gleichberechtigt Anteil hat. Wahrheitsfindung ist ein kommunikativer Prozess.
So, in diesem Sinne, möchte Paul Knitter, als pluralistischer Theologe, den authentischen und produktiven Austausch zwischen den Religionen fördern, durchaus in der Hoffnung, dass sich die Glaubenden auf diese Weise verÀndern, ja verbessern.
Anstelle von âpluralistischâ, also vielfĂ€ltig, verschiedenartig, wĂ€re es nach Knitter besser, den tillichschen Begriff von âkorrelationalâ zu verwenden.
Paul Tillich, deutscher Theologe, der nach 1933 in die USA emigrierte, hat gelehrt[18], dass die Antworten des Evangeliums âkorrelationalâ zu den Fragen der Menschheit verlaufen.
Weil Gott Gott ist, kann der Mensch nur bedingt nach ihm fragen. Gott ist ja viel gröĂer als alles menschliche Fragen. Unsere Fragen sind immer begrenzt, zeit- und umweltbedingt.
Die Methode der Korrelation bedeutet nun, dass aus der Analyse der menschlichen Situation die je entscheidenden Fragen entwickelt werden und dann in Korrelation mit den Symbolen der christlichen Botschaft gebracht werden.
Zur Zeit Luthers fragte der Mensch nach der Möglichkeit vor Gott im Gericht zu bestehen (Antwort Rechtfertigung allein aus Glauben). Heute fragen wir eher danach, welchen Sinn hat unser Leben (Antwort Werke der NÀchstenliebe).
In diesem Sinne können die verschiedenen Religionen sich verstehen als das je eigene Formulieren der existentiellen Fragen und das je eigene Hören auf die Antwort aus dem Absoluten. Je mehr nun der heutige Mensch seinen Horizont erweitert, je mehr bedarf er auch der anderen Religionen, um seine Fragen auszudrĂŒcken und entsprechende Antworten zu erfahren.
Paul Knitter schreibt:
âDie Theologie, die ich zu beschreiben versuche, will zunĂ€chst eine echte Beziehung zwischen den Religionen fördern â und dadurch eine Ko-rrelation, ein beiderseitiges Geben und Nehmen, Reden und Hören, Lehren und Lernen, Herausfordern und Herausgefordert werden. Von einer solchen Korrelation sollen die verschiedenen religiösen Gemeinschaften und die ganze menschliche Gemeinschaft profitieren. Ăber die Beziehung, in der Tillich die âFragenâ der menschlichen Erfahrung und die âAntwortenâ des Evangeliums sah, geht diese Korrelation zweier dialogisierender Religionen noch hinaus: beide Seiten haben Fragen und beide Seiten haben Antworten.â
Im gemeinsamen GesprĂ€ch verĂ€ndern sich die Religionen. Vielleicht kann man sagen, sie erweitern sich, ja sie ergĂ€nzen sich. Zu dem jeweils Einzigartigen, das eine Religion zu sagen hat â etwa weil sie es als Offenbarung empfangen hat, bekommt sie andere Aspekte, die die Einzigartigkeit anderer Religionen ausmachen, hinzu. Knitter erlĂ€utert:
âWenn auch möglicherweise jede Religion etwas Einzigartiges zu sagen hat â d.h. etwas, das die anderen Religionen nicht haben â so ist doch keine einzige Religion aus sich selbst einzigartig. Wir sollten vielmehr mit einer âKomplementaritĂ€t der Einzigartigkeitenâ rechnen.â[19]
Jede Religion hat etwas grundlegend wichtiges zu sagen und keine sollte von sich aus in das gemeinsame GesprĂ€ch gehen mit der Ansicht, sie habe schon die endgĂŒltige Antwort auf alle Fragen. Es kann sich in diesem GesprĂ€ch herausstellen, dass eine Religion auf eine besondere Frage eine bessere Antwort geben kann als alle anderen.
âAber das kann man nur erfahren, wenn man nicht denkt, man wĂŒsste es schon am Anfang!â[20]
3. 4. Zwei Warnungen vor der korrelationalen Theologie der Religionen
3. 4. 1. Relativismus = Vorwurf der Kirchen
Ein solcher Relativismus lauert, so der Kardinal Ratzinger, in den Behauptungen oder zumindest in den Implikationen der neuen pluralistischen Theologien, im Besonderen durch die Ablehnung jeglicher absoluten oder endgĂŒltigen Wahrheitskriterien. âFĂŒr Ratzinger öffnet dies dem Chaos die Schleusen...â[21]
Dem ist entgegenzuhalten, dass es ja gar nicht um die Ablehnung einer absoluten Wahrheit geht, sondern um die Ablehnung der Behauptung, jemand hĂ€tte den absoluten Weg zu dieser Wahrheit. Es geht darum, demĂŒtig anzuerkennen, dass kein Mensch die absolute Wahrheit als Besitz fĂŒr sich hat. Auch die katholische Kirche nicht. Und so scheint es, dass Kardinal Ratzinger mehr um die AutoritĂ€t seiner Kirche, als um die absolute Wahrheit fĂŒrchtet.
3. 4. 2. Imperialismus = Vorwurf der UniversitÀten (Postmoderne)
Von verschiedenen Wissenschaftlern, die sich der postmodernen Offenheit fĂŒr alle Vielfalt verpflichtet wissen, wird der Theologie der Religionen vorgeworfen:
âPluralisten ersticken die Unterschiede durch ihr Engagement fĂŒr die Einheit. ... Die Vielfalt ist dominant, und jeder Versuch, die durch Koordination oder Dialog in einer Art höhere Einheit zu transformieren, wird nur durch Gewalt gegen die Vielfalt oder durch ihre Ausbeutung gelingen.â[22]
Die Besorgnis, die dahinter steckt, muss unbedingt ernst genommen werden. Es ist die Frage, ob es denn ĂŒberhaupt einen gleichberechtigten Dialog der Religionen geben kann, in dem wirklich jede Religion die gleichen Chancen und Möglichkeiten hat. Oder ob sich nicht vielmehr die Religionen der reichen, machtvollen LĂ€nder durchsetzen werden. Diese Besorgnis oder der Imperialismusverdacht, wenn Sie so wollen, wird etwa so formuliert:
âWenn Kirchenleute und Gelehrte an dieser neuen Weltordnung teilnehmen wollen, indem sie nach einem neuen pluralistischen Dialog der Religionen rufen, dann können sie allzu leicht diesem imperialistischen Manöver in die HĂ€nde spielen. ... Die Religion aber, deren Normen normativ sind, wird diejenige sein, die ĂŒber die ökonomische Macht verfĂŒgt â und fĂŒr die Reise- und Hotelkosten aller Dialogpartner aufkommt.â[23]
4. Vom Dialog zur Dia-praxis
Die Aufgabe besteht also darin, einen Weg fĂŒr die Begegnung der Religionen zu finden, der die beiden erwĂ€hnten Gefahren, die des Relativismus und die des Imperialismus vermeidet.
Relativismus heiĂt, dass alle Unterschiede zwischen den einzelnen Religionen verwischt werden.
Imperialismus bedeutet in unserem Zusammenhang, dass sich die Religion der wirtschaftlich stĂ€rkeren LĂ€nder durchsetzt und maĂgeblich wird fĂŒr das Leben der Religionen anderer wirtschaftlich weniger potenter LĂ€nder.
Es gibt da einen interessanten Vorschlag, nĂ€mlich den, vom Dialog zur Diaâpraxis zu gelangen. Also vom gemeinsamen miteinander Reden zum gemeinsamen miteinander Handeln. Dazu schreibt Paul Knitter:
âDieser mittlere Weg â oder dieser gemeinsame Grund, Ausgangspunkt oder Kontext â fĂŒr einen authentischen interreligiösen Dialog, der zwischen den Klippen des Relativismus und des Imperialismus hindurchfĂŒhren kann, muss in der unbezweifelbaren, schrecklichen, universalen Wirklichkeit des Leidens von Menschen und Umwelt gefunden werden, das auf unserem Planeten und unter seinen Lebewesen grassiert. SolidaritĂ€t mit den Leiden auf der Erde und mit der leidenden Erde kann einen mittleren Weg eröffnen.â[24]
In dieser klassischen, praktischen Form wird eine pluralistische Theologie der Religionen schon im Lessings Nathan vertreten.
4. 1. Die Ringparabel
Das 1783 in Berlin uraufgefĂŒhrte Drama Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing (+ 1781) kĂ€mpft gegen religiöse Intoleranz der orthodoxen Theologie seiner Zeit im Namen eines toleranten Humanismus, der das Verbindende in allen Religionen sucht.
In der sogenannten Ringparabel verdichtet sich die Aussage des ganzen Dramas. Vom muslimischen Sultan befragt, welche Religion die wahre sei, das Christentum, der Islam oder das Judentum, antwortet Nathan, ein jĂŒdischer HĂ€ndler, mit der ErzĂ€hlung von den drei Ringen, die einander so gleichen, dass sie in ihrem Wert nicht mehr zu unterscheiden sind. So soll man auch keiner der drei Religionen den Vorzug geben. Vor Gott sind sie alle gleich, und diejenige ist die beste, die am meisten mit den anderen in der von âVorurteilen freien Liebeâ wetteifert.
Es eifre jeder seiner unbestochnen,
von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
die Kraft des Steines in seinem Ring an Tag zu legen!
Also nach Lessing sollen die Religionen die nutzlosen Streitereien um rechte Lehrmeinungen lassen (orthodoxe lutherischen Problemfigur der Hamburger Hauptpastor Goeze) und sich vielmehr um die praktische Verbesserung der Lebenssituation der Menschen kĂŒmmern. Dann zeigt sich schon, welche die âbrauchbarsteâ Religion ist.
Dieser aufklĂ€rerische Aufruf zum Wettstreit der Religionen in der Praxis wird wohl sinnvoller weise in ein Konzept von Zusammenarbeit einmĂŒnden mĂŒssen.
Wobei der neue Begriff âDiaâpraxisâ dann eben noch mehr meint. JosĂ© Ignacio GonzĂĄlez Faus, Jesuit und Professor fĂŒr Systematische Theologie an der Facultat de teologĂa de Catalunya in Barcelona erklĂ€rt:
âVon Dia-praxis zu reden bedeutet mehr als nur Zusammenarbeit. Es handelt sich um eine gemeinsame Aktion die die beiden Beteiligten durchdringt und sie so miteinander in Kontakt bringt. Dies ist sehr typisch - obwohl vielleicht nicht ausschlieĂlich - fĂŒr die Arbeit zum Wohl des Armen.â[25]
Diapraxis heiĂt also nicht nur, dass zwei Helfer gemeinsam eine Aufgabe angehen, sondern es bedeutet auch, dass die Hilfe in Zusammenarbeit mit dem HilfsbedĂŒrftigen geschieht. Auf diesen Aspekt legt die Theologie der Befreiung besonderen Wert.
4. 2. Der befreiungstheologische Ansatz
Paul F. Knitter[26] geht in seiner pluralistischen Theologie von einem befreiungstheologischen Ansatz aus. Er schreibt:
âWenn die Kirchen Verantwortung dafĂŒr ĂŒbernehmen, die Leiden der Erde zu lindern und diese Verantwortung mit ihrer Sorge um die christliche IdentitĂ€t ins Gleichgewicht bringen, und wenn postmoderne Wissenschaftler ihre Sorge um die Erhaltung der Vielfalt ins Gleichgewicht bringen mit ihrer Verantwortung dafĂŒr, das Leiden zu beseitigen, dann werden sie alle einen fruchtbareren Dialog mit korrelational â pluralistischen Theologen und Christen fĂŒhren können.â[27]
4. 2. 1. Was heiĂt nun befreiungstheologischer Ansatz?
Keine Theologie entsteht im luftleeren Raum. Jede theologische Ăberlegung ist bedingt durch den geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext, in dem sie Gestalt annimmt. Wenn ein Theologe meint, ĂŒberzeitlich oder gar ĂŒberweltlich reden zu können, gibt er sich groĂen Illusionen hin und hört auf, ein christlicher Theologe zu sein. Denn christliche Theologie bezieht sich immer auf Jesus Christus und seine Geschichte, d.h. auf die Menschwerdung Gottes.
Nachdem sich Gott so mit dem Menschen verbunden hat, rĂŒckt der Mensch und sein Schicksal, seine Situation in den Mittelpunkt des theologischen Interesses.
Die Befreiungstheologie ist in Gegenden dieser Welt entstanden, in der die WĂŒrde des Menschen in erbĂ€rmlichster Weise mit den FĂŒssen getreten werden. Ich persönlich kenne die Situation in Lateinamerika:
- ein unermessliches AusmaĂ von Elend
- permanenter Hunger
- Leiden an Infektions- und Mangelkrankheiten
- verbreiteter Analphabetismus
- dauernde Arbeitslosigkeit
- kulturelle Entfremdung
- Armut der Landbevölkerung ohne Land
- villa miserias in den GroĂstĂ€dten
- politische UnterdrĂŒckung durch ein korruptes System einiger reicher Familien
- eine in verschwenderischem Luxus lebende Oberschicht, die ihren unermesslichen Reichtum als gottgewollt behauptet.
Eine Theologie, in deren Zentrum der Mensch als Geschöpf, Bruder, ja Sakrament Gottes steht, kann nicht anders, als sich auf den umfassenden Prozess der Befreiung dieses Menschen einzulassen. Der von Jesus Christus bezeugte Gott will die Freiheit und das GlĂŒck aller Menschen.
So entstand die Befreiungstheologie etwa ab Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Lateinamerika, aber auch in Asien und Afrika.
Der befreiungstheologische Ansatz in der pluralistischen Theologie der Religionen geht nun davon aus, dass nicht nur das Christentum, sondern jede Religion die Freiheit und das GlĂŒck der Menschen als ureigenste Aufgabe im Blick hat. Paul Knitter schreibt:
âWenn jede Religion mit ihrem eigenen, besonderen Teleskop in das unermessliche Universum der Wahrheit schaut, dann gibt es dort eine AnhĂ€ufung von Erfahrungen, die so intensiv sind, dass alle Religionen trotz ihrer verschiedenen Teleskope dieselbe Sache sehen: die RealitĂ€t des Leidens der Schöpfung und des Menschen.â[28]
Angesichts dieser RealitÀt, also das, was tÀglich in der Zeitung steht, sind die Religionen nicht nur zu einem Dialog, also einem im theoretischen bleibenden GesprÀch aufgerufen, es muss vielmehr zu einer gemeinsamen Praxis der Befreiung kommen. Vom Dialog geht der Weg weiter zur Dia-praxis, zum gemeinsamen Handeln.
Hören wir, wie Paul Knitter seinen befreiungstheologischen Ansatz entwickelt:
âDas Leiden, von dem ich spreche, ist nicht eine Art ânatĂŒrlichesâ oder âunvermeidlichesâ Leiden â ein Leiden, das aus ânatĂŒrlichen Ursachenâ resultiert oder zum Erwachsenwerden, zum Fehlermachen, zum Lernen gehört. Ich beziehe mich vielmehr auf etwas, das ich âökologisch-humanes Leidenâ nennen möchte: das Leiden, das die Menschen, andere Lebewesen und das Ăkosystem selbst quĂ€lt und
1. von Menschen,
2. unnötig verursacht wird.
Ich meine das Leiden
- eines verhungernden Kindes in Ruanda,
- eines Obdachlosen in Washington D.C.,
- verschmutzter FlĂŒsse in Osteuropa,
- abgeschlachteter, ihrer StoĂzĂ€hne beraubter Elefanten in Afrika,
- der verletzten Ozonschicht ĂŒber uns.â[29]
4. 2. 2. Der moralische Imperativ
Wir haben schon einmal danach gefragt, was ist nun eigentlich eine
Religion. FĂŒr Paul Knitter ist der Einsatz gegen das Leiden die entscheidende, moralische Aufgabe einer Religion. Er erklĂ€rt:
âAlle Religionen mĂŒssen und sie können sich von diesem Leiden âbeanspruchtâ oder âherausgefordertâ oder âgerufenâ fĂŒhlen, und sie können sich daher zur SolidaritĂ€t mit den Leidenden entscheiden. Menschen aus allen religiösen Traditionen mĂŒssen, weil sie es können, etwas gegen dieses Leiden tun.â[30]
Was Knitter hier so kategorisch formuliert, erinnert zunĂ€chst einmal durchaus an den Kantâschen Imperativ[31]. Genauer noch an die Ăberzeugung, dass allen Menschen ein moralisches Gesetz schöpfungsmĂ€Ăig zugehört:
âAn zwei Dinge glaube ich, an den allmĂ€chtigen Schöpfer ĂŒber mir und das moralische Gesetz in mir.â
Und ganz im Sinne Kants kann man auch bei Knitter sagen âMoral also fĂŒhrt unumgĂ€nglich zur Religionâ[32], wenn Knitter feststellt:
âEine religiöse Gemeinschaft, die nicht in irgendeiner Form auf das Leiden der Schöpfung und des Menschen reagiert und nichts fĂŒr dessen Linderung tut, ist
- keine authentische Religion
- und sie ist ihren eigenen Lehren, ihrer eigenen Tradition untreu.[33]
Paul Knitter verweist auf Untersuchungen der Weltreligionen, wie auch der sogenannten indigenen Religionen, die alle zeigen, dass alle Religionen, die groĂen wie die kleinen
âauf verschiedene Weise und aus verschiedenen GrĂŒnden Menschen dabei helfen wollen, in dieser Welt zu leben und ihre Lebensbedingungen diesseits des Todes zu verbessern.â[34]
4. 2. 3. Das identity â involvement - dilemma
FĂŒr manchen stellt sich nun die Frage, ob bei so viel âGemeinsamâkeit angesichts des Kampfes gegen das menschliche Leiden die IdentitĂ€t der eigenen Religion nicht verlorengeht.
Es ist dies eine Frage, die innerhalb des Christentums vom TĂŒbinger Theologen JĂŒrgen Moltmann als âidentity involvement dilemmaâ bezeichnet wurde.
Je mehr sich eine Kirche um die praktischen Belange der Menschen bemĂŒht (sich in die Nöte der Menschen involviert), um so weniger kann sie ihr dogmatisches LehrgebĂ€ude (ihre IdentitĂ€t) pflegen.
Dagegen ist allerdings zu sagen, dass eine christliche Kirche ihre IdentitÀt einzig und allein durch den Mensch gewordenen Gott, Jesus Christus gewinnt, und also dort besonders identisch ist, wo sie besonders stark in die Probleme der Menschen involviert.
Anders ausgedrĂŒckt in den Worten von Paul Knitter:
âDie âOrthopraxieâ der NĂ€chstenliebe hat PrioritĂ€t vor der Orthodoxie der Aussage ĂŒber die christliche Einzigartigkeit und IdentitĂ€t. In der Orthopraxie der Verantwortung und SolidaritĂ€t mĂŒssen wir zum VerstĂ€ndnis der Orthodoxie christlicher IdentitĂ€t gelangen.â[35]
Also ein Christentum, das sich nicht um den notleidenden NĂ€chsten kĂŒmmert und darin gerade seine ureigenste Aufgabe sieht, ist nichts wert â ist gar kein Christentum, ist irgendein, in NebensĂ€chlichkeiten oder der Vergangenheit verhafteter Aberglaube.
Dieser Ansatz wirkt vielleicht in der gegenwĂ€rtigen Weltsituation sehr ĂŒberzeugend, weil er die Lösung der konkreten Weltprobleme als eigentliche Aufgabe aller Religionen ansieht.
Die Problematik, die in dem Aufeinandertreffen verschiedener religiöser UniversalansprĂŒche besteht, wird theoretisch ausgeklammert, braucht nicht gelöst zu werden, weil die notleidende Menschheit die Religionen zu ihrer eigentlichen Aufgabe ruft.
4. 3. UniversalitĂ€t Christi â UniversalitĂ€t des Armen
Die pluralistische Theologie der Religionen, wie wir gehört haben, verlangt uns ab, anzuerkennen, dass es grundsÀtzlich verschiedene Symbole als Sprachformen der Transzendenz in der Weltlichkeit geben kann. Ja sinnvoller weise geben muss, wenn wir bedenken, wie unterschiedlich die verschiedenen Völker durch Kultur, Umwelt und Geschichte geprÀgt sind.
Es stellt sich uns nun aber die Frage, wie wir es verarbeiten können, dass Jesus Christus dann nur ein Symbol Gottes, unter anderen ist.
Reinhold Bernhardt formuliert diese Schwierigkeit so:
âDas zentrale Problem, das sich einer christlichen âTheologie der Religionenâ stellt, liegt in der Verarbeitung der Spannung zwischen: (1) der UniversalitĂ€t des Heilswillen Gottes und (2) der christozentrischen PartikularitĂ€t des Heilsweges. Aussage 1 lautet: Gottes Heilswille betrifft alle Menschen, Aussage 2: Gottes Heil ist gebunden an Tod und Auferstehung Christi, des menschgewordenen Gottessohnes.â[36]
In Katalonien ist man diesem Problem nachgegangen. Die Antwort, die man fand, liegt als Buch vor. Es ist eine Sammlung verschiedener AufsĂ€tze unter dem Titel âUniversalidad de Cristo â Universalidad del Pobreâ (UniversalitĂ€t Christi â UniversalitĂ€t des Armen)[37]. Der Gedankengang dieses Buches lĂ€sst sich folgendermaĂen skizzieren:
Das beschriebene Problem findet sich im 1. Timotheusbrief beispielhaft ausgedrĂŒckt, da heiĂt es:
Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nĂ€mlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat zur Erlösung fĂŒr alle. 1Tim 2,4f
Die Verbindung der beiden SĂ€tze durch die Kausalpartikel âgar â dennâ ist zunĂ€chst einmal schwer verstĂ€ndlich.
Wenn alle Menschen Gottes Wahrheit erkennen sollen, wie können sie dies, wenn Gott nur ineiner geschichtlich, geographisch, soziokulturell sehr begrenzten Person erscheint?
Je konkreter man die historische Person Jesu als alleinige Manifestation Gottes fĂŒr die Menschen behauptet, desto mehr Völker schlieĂt man von der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes de facto aus.
Noch mehr wird die Wahrheit Gottes verdunkelt, wenn man etwa auf die Geschichte der Kirche schaut und ihren Anspruch, das legitime Erbe dieses Mannes von Nazaret zu vertreten.
Sollte Gott nicht vielleicht die anderen Religionen geschaffen haben, um die groĂen SĂŒnden des Christentums auszugleichen?
Also gewollte Vielfalt der Religionen aufgrund der UnfÀhigkeit einer einzelnen, die göttliche Wahrheit rein zu bewahren?
Nicht endgĂŒltig zufrieden mit dieser Antwort kehren die christlichen Theologen in Barcelona zu einem weiteren, allerdings oftmals ĂŒbersehenen, biblischen Aspekt zurĂŒck.
In MatthÀus 11,5 wird so von Jesu Auftrag gesprochen:
âArmen wird das Evangelium gepredigtâ.
Damit ist das Stichwort gegeben, das gleichsam zur theoretischen Untermauerung des erwÀhnten befreiungstheologischen Ansatzes wird.
Die Armen sind die wichtigsten Adressaten der Offenbarung der göttlichen Wahrheit. Sie sind also in den Augen Gottes Eckstein und letztes Kriterium jeder geschichtlichen Entwicklung.
In Jesus Christus hat Gott sich als der âgroĂe Armeâ (F. Ozanam) oder als der âabsolute Proletarierâ (A. Torres Queiruga) offenbart.
Und dieser göttlichen Wahrheit gilt es nun zu entsprechen. Sie ist auch nicht an die Person Jesu gebunden. Andere Religionen können diese Vorliebe Gottes fĂŒr die Armen, die Notleidenden, die um ihre Lebenschancen betrogenen, an den Rand gedrĂ€ngten auf andere Weise erfahren.
Die Theologen in Barcelona stellen in ihrem Buch âUniversalidad de Cristo â Universalidad del Pobreâ fest:
Das Christentum muss niemanden zu Jesus Christus bekehren, aber es wird sich selbst und allen anderen Religionen gegenĂŒber auf dieser göttlichen Wahrheit bestehen: Der lebendige Gott ist an der Seite und in den Armen dieser Welt zu finden.
4. 4. Pluralismus als postmoderne Beliebigkeit
Die BewÀhrung der Religionen in der Praxis, dieser moderne, aufklÀrerische, befreiungstheologische Vorschlag verbindet sich nun allerdings heutzutage mit der postmodernen Freiheit zur beliebigen Zusammenstellung eigener Glaubensvarianten, in die das jeweils hilfreich, gut und praktikabel Scheinende jeder Religion Eingang findet.
Hans-Martin Barth hat auf diese neue pragmatische Verwendungsform von Religion im Alltag hingewiesen:
âEine neue SĂ€kularitĂ€t hat Einzug gehalten, in welcher die Religion nicht abgelehnt, sondern fĂŒr den Hausgebrauch therapeutisch oder zur Erhöhung des Lebensgenusses genutzt wird â âPost-SĂ€kularitĂ€tâ.â[38]
GegenĂŒber solcher praxisorientierten Bedarfsreligionen sind allerdings ernsthafte Bedenken anzumelden. Die Nivellierung der unterschiedlichen religiösen Traditionen zu einer oder mehreren handlungsorientierten GlaubensĂŒberzeugungen verkĂŒrzt die Tiefe und umfassende Bedeutung der, der jeweiligen Religion anvertrauten, göttlichen Offenbarungswahrheit.
Eine Religion ist eben mehr als nur die Zusammenstellung einiger RatschlĂ€ge zum glĂŒcklichen Leben.
5. Theologische Traditionen
Ich sagte vorhin, die Problematik, die in dem Aufeinandertreffen der verschiedenen UniversalansprĂŒche besteht, wird in solchen Modellen ausgeklammert, die sich an der Praxis orientierten. Die theologisch-theoretischen Probleme brauchen nicht gelöst zu werden, weil die notleidende Menschheit die Religionen zu ihrer eigentlichen Aufgabe ruft.
Nun wird man aber vom menschlichen Leiden als (aktueller) interreligiöser Herausforderung ausgehen können, die Praxis als BewÀhrungsprobe aller Religionen akzeptieren können und doch nicht darauf verzichten wollen,
- ĂŒber die eigene Motivation nachzudenken
- und durch je konkreter Frömmigkeitsform einer bestimmten Religion zu einer kraftspendende SpiritualitÀt zu finden.
Also ohne eine theoretische Diskussion und ohne Austausch ĂŒber religiöse Praktiken kommt die Begegnung der Religionen â zu mindestens aus christlicher Sicht - nicht aus. Ich möchte mich im Folgenden diesen beiden Aspekten zuwenden.
ZunÀchst der theoretischen Diskussion, d. h. der Theologie des interreligiösen GesprÀches auf christlicher Seite.
5. 1. Trinitarische Theologie
Wenn wir also eine pluralistische Theologie der Religionen vom Standpunkt des Christentums aus betreiben wollen, geht es dabei sicherlich um die Doppelfrage:
Wie versteht das Christentum die anderen Religionen?
Und wie versteht es sich selbst angesichts der anderen Religionen?
Perry Schmid â Leukel stellt fest:
âGanz allgemein gesprochen könnte man sagen: Die Aufgabe einer âTheologie der Religionenâ besteht vor allem darin, eine theoretische Deutung der religiösen Vielfalt zu geben.â[39]
Der christlichen Theologie stehen fĂŒr diese Aufgabe die Werkzeuge des trinitarischen Denkens zur VerfĂŒgung.
Wir sind es als Christen gewohnt, Gott in drei Formen, die wir Hypostasen nennen, zu denken:
Gott, der Vater,
Gott, der Sohn,
Gott, der Heilige Geist.
325 n. Chr. auf der Synode von NizÀa wird festgehalten, dass diedrei Personen der Gottheit ein gemeinsames göttliches Wesen sind.
451 n. Chr. wurde auf einem Konzil in Chalkedon die Lehre zum Dogma erhoben: âChristus ist wahrer Gott und wahrer Menschâ. Er lebt in zwei Naturen, die zwar unvermischt und unverwandelt, aber auch ungetrennt und ungesondert zu einer Person zusammengehen.
Diese differenzierte Art, göttliche Geheimnisse zu beschreiben, ermöglicht es uns Christen, einerseits Aussagen zu formulieren, die im Absoluten grĂŒnden und den Charakter des Unbedingten haben, andererseits, da wir vom Absoluten in Hypostasen zu denken gelernt haben, eröffnen sich uns neue Perspektiven und Möglichkeiten der Erkenntnis, die ungetrennt und unvermischt mit anderen absoluten Aussagen koexistieren können.
Das ist die StĂ€rke trinitarischen Denkens. So betont es auch Xavier Alegre, katalanischer Professor fĂŒr Neues Testament. Er schreibt:
âAuf alle FĂ€lle erscheint es auf dem Hintergrund trinitarischer Erfahrung viel klarer, dass eine âEinheitâ die das Anderssein in sich ertrĂ€gt, viel reicher ist als jede andere Form von Einheit.â[40]
Weder in NizĂ€a (325) noch in Konstantinopel (381), den groĂen ökumenischen Synoden, auf denen ĂŒber die TrinitĂ€t verhandelt wurde, auf keiner dieser Synoden wurde der Versuch unternommen, das Geheimnis Gottes endgĂŒltig zu ergrĂŒnden, noch sein Wesen abschlieĂend zu definieren.
Deshalb spreche ich von einer ursprĂŒnglichen Offenheit des Christentums, die christliche Theologie in besonderer Weise bereit macht fĂŒr den interreligiösen Dialog.
Man wird einerseits im Binnenraum jeder Religion eine orthodoxe Dogmatik erarbeiten können (nicht mĂŒssen, da nicht jede Religion den gleichen Wert auf dogmatische Fixierung legt), andererseits dies aber im Bewusstsein tun können, dass mit einem solchen theologischen Besitzstand die Tiefe des göttlichen Geheimnisses, einschlieĂlich seiner Beziehungen zu den Menschen, niemals ausgeschöpft ist.
Mit Recht wird in der Diskussion um eine Theologie der Religionen auf den apophatischen Anteil jeder Aussage ĂŒber Gott hingewiesen.[41]
5. 2. Die Offenheit des Christentums
Aus dem oben AusgefĂŒhrten folgt, dass - fĂŒr uns Christen zumindest - der Dialog zwischen den Religionen nicht nur durch Globalisierung und universale GefĂ€hrdung des Lebens geboten, sondern auch theologische Notwendigkeit ist.
So sehr der einzelne Glaubende auf die Kenntnis seiner Religion und deren AusĂŒbung in einer Lebenspraxis verwiesen bleibt, so sehr gilt, was der Religionstheologe Klaus Otte ĂŒber die befreiende Kraft des Absoluten gesagt hat:
âDie je-meinige Herkunft ist unverzichtbar, damit das Absolute grĂŒndlich, d.h. gegrĂŒndet erfahren werden kann. Die mir zufallenden fremdkulturellen Erfahrungen vertiefen die eigenen Wurzeln, indem sie die korrelative Dynamik des Absoluten interpersonal und interreligiös zur Geltung bringen.â[42]
Also ich brauche meine eigene Religion als Weg dem Absoluten zu
begegnen und erlebe die anderen Religionen als Korrektur und Bereicherung dieses meines Weges.
Diese religionstheologischen Ăberlegungen sind nun fĂŒr den christlichen Glauben zu entfalten. Man stöĂt dabei auf vielfĂ€ltige theologischeMotive, die das gleichberechtigte GesprĂ€ch mit anderen Religionen einfordern.
Christliche Theologie ist voller Hinweise auf ein âmehrâ an Gestaltwerdung Gottes, âwas der einen Gestaltwerdung in Christus nichts, aber auch gar nichts von seiner Einzigartigkeit nimmt.â[43]
Ich möchte diese pluralistische Offenheit des Christentum nun an 5 Punkten zeigen:
5. 2. 1. Die UniversalitÀt des heilsschaffenden Wirken Gottes
Wir Christen glauben an Gott, den Schöpfer. Daraus folgt die Wahrnehmung der Gemeinschaft aller Menschen, mithin auch der AnhĂ€nger aller Religionen, weil sie â aus der Sicht des christlichen Glaubens â Geschöpfe Gottes sind, der sie ins Leben gerufen und darin erhalten hat.
Uns verbinden die gemeinsamen Strukturen
- der Suche nach Heil,
- der Gestaltung von Erwartungen
- und der Ehrfurcht vor dem letztlich unzugÀnglichen Heiligen.
5. 2. 2. Die radikale Transzendenz Gottes, die allen religiösen Vorstellungen uneinholbar vorausgeht
Wir haben dies schon an anderer Stelle gehört, und ich möchte es fĂŒr das Christentum noch einmal unterstreichen:
Sprechen von Gott muss immer eine apophatische (verneinende) Theologie sein.
Es ist wie Hans-Gerd Schwandt, Dozent an der Katholischen Akademie in Hamburg schreibt:
âEine Theologie der Affirmation, die alles weiĂ, alles in sich einschlieĂt, die sozusagen beim Heilshandeln Gottes immer schon âdabei warâ, ist saturiert (gesĂ€ttigt) im Bewusstsein ihres Besitzstandes.â [44]
Also, wenn ein Theologe schon alles weiĂ, Gottes Willen bis auf die letzten Einzelheiten erklĂ€ren kann, Gott sozusagen gar keinen Spielraum, keine Freiheit fĂŒr neue, ĂŒberraschende Entscheidungen lĂ€sst, ein solcher Theologe ĂŒberhebt sich.
Gegen eine solche Theologie, die sich Gottes bemÀchtigt, hat sich gerade Jesus in seinen Gleichnissen gewandt. Die Religionsvertreter seiner Zeit schockiert Jesus, indem er die Freiheit des ihnen unbekannten Gottes betont.
âDie Frohbotschaft gilt den Armen und AusgestoĂenen.â
âEs gilt zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, weil Gottes Reich von ihm gebracht wird.â
Das sind nur einige der Behauptungen Jesu, mit denen er fĂŒr Gottes Freiheit und gegen eine IHN festlegende Theologie eintrat.
Der gröĂte Teil der österlichen Auferstehungsberichte spiegelt den Absolutheitsanspruch Gottes, der noch gar nicht erkannt ist. Gott sind Dinge möglich, von denen die Theologen und der normale Glaube nicht einmal trĂ€umen.
Wer also Gott im Gefolge Jesu, auf seine Art und Weise glauben will, der muss offen bleiben und auf Ăberraschungen gefasst sein. Im Gefolge und im Namen Jesu darf man anderen Religionen nicht ihren Anteil an der göttlichen Wahrheit absprechen.
5. 2. 3. Die Gerechtigkeit und GĂŒte als dem Grundzug Gottes Wesens, wie er ihn in Jesus Christus offenbart hat
Der Glaube an Jesus Christus trennt tatsÀchlich, insofern ihn ja nicht alle Menschen teilen. Aber es ist ein Glaube, der sich auch auf alle Menschen bezieht, sie einbezogen weià in den heilvollen Gotteswillen.
Christlicher Glaube kann nicht darauf verzichten, die anderen Religionen im Glauben mit in das in Jesus Christus zugÀngliche Heil Gottes einzubeziehen, es sei denn, er gÀbe seine universale Ausrichtung auf.
Gerade weil durch Jesus uns Christen deutlich geworden ist, dass Gott will, âdass allen Menschen geholfen werde, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommenâ (1.Tim 2,4), gerade deshalb und im Bewusstsein der UnverfĂŒgbarkeit Gottes, mĂŒssen wir damit rechnen, dass Gott unterschiedliche Hilfen zum Finden der Wahrheit bereitstellt, die sich je nach Religionen unterscheiden. Uns Christen gab er Jesus, anderen Religionen erschlieĂen sich andere Quellen.
Die Gerechtigkeit und GĂŒte als dem Grundzug des Wesens Gottes, wie er ihn uns in Jesus Christus offenbart hat, diese Gerechtigkeit und GĂŒte muss uns doch eher zu dem Schluss kommen lassen, dass Gott jedem Volk auf seine Weise ein StĂŒck seiner Herrlichkeit offenbart hat.
Es wĂŒrde doch gerade Gottes GĂŒte und seiner Gerechtigkeit widersprechen, wenn er allen Völkern abverlangen wĂŒrde, in die Kultur und in die Geisteswelt eines einzigen Volkes schlĂŒpfen zu mĂŒssen, um an seiner Wahrheit teilzuhaben.
5. 2. 3. 1. Die ErwÀhlung durch Gott
Hier muss nun wohl nach der Bedeutung der ErwÀhlung des Volkes Israels durch Gott gesprochen werden.
Was bedeutet es denn, erwÀhltes Volk Gottes zu sein?
Auch wir Christen beziehen diese ErwÀhlung - gleichsam im Nachschlagsverfahren - auf uns.
HeiĂt es doch bei Paulus:
In Christus hat Gott uns erwÀhlt vor der Schöpfung der Welt. (Eph 1,4)
Aber die ErwĂ€hlung Gottes geschieht einzig und allein aus seinem freien Willen. Das macht Paulus im Römerbrief Kap. 9f am Beispiel des Volkes Israel klar. Weder Christen noch Juden dĂŒrfen sich etwas auf ihre ErwĂ€hlung einbilden.
Im Gegenteil, Gott erwĂ€hlt geradezu schwache und fragwĂŒrdige Menschen, um daran zu zeigen, dass man sich seine Liebe nicht verdienen, sondern nur schenken lassen kann.
José Ignacio Gonzålez Faus schreibt:
âBiblisch gesprochen weist die ErwĂ€hlung lediglich auf die Unmanipulierbarkeit Gottes hin und auf die absolute Unmöglichkeit sich seiner zu bemĂ€chtigen, weil er sich immer zu dem hĂ€lt, was die menschlichen Systeme verachten.â[45]
Eine christliche Religion, die sich anderen Religionen ĂŒberlegen fĂŒhlen wĂŒrde, wĂ€re gleichsam ein Widerspruch in sich. Sollen wir doch gerade die Botschaft Gottes darin bezeugen, dass wir zeigen, wie frei und wie liebevoll Gott in seinem ErwĂ€hlen ist.
5. 2. 3. 2.Die Wahrheit Gottes ist seine Liebe
Und noch einmal: Welches ist denn die Wahrheit Gottes, die uns in Jesus Christus offenbar wird?
Die Wahrheit Gottes ist seine Liebe.
Das ist das Evangelium: 1.Joh 4,8
âWer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.â
José Ignacio Gonzålez Faus betont, dass die Wahrheit Gottes kennen biblisch gesehen bedeutet, seine Liebe zu kennen.
âDas annulliert das westliche VerstĂ€ndnis von Vernunft. Die Frage darĂŒber, wer nĂ€her an der Wahrheit ist, wer mehr Recht hat, nĂŒtzt im Zusammentreffen der Religionen ĂŒberhaupt nichts. Im Christentum gibt es keine Herrlichkeit der Wahrheit, sondern eine Herrlichkeit der Liebe.â[46]
Dies ist sozusagen noch einmal, von christlicher Seite, die theologische BegrĂŒndung fĂŒr eine Diaâpraxis anstelle eines Dialoges. Anstelle eines dogmatischen Streits um die abstrakte göttliche Wahrheit, tritt das Wetteifern um die von allen Vorurteilen freie Liebe.
5. 2. 3. 3. Die Einzigartigkeit Jesu Christi
Wir haben schon gehört, dass die pluralistische Theologie
der Religionen zwar an der EinzigartigkeitJesu Christi nicht zweifelt, aber davon ausgeht, dass er nicht die einzige ReprÀsentanz Gottes ist.
Wir sprachen davon, dass es verschiedene Symbole als Sprachformen der Transzendenz in unserer Wirklichkeit gibt.
Wir hörte von dem Versuch der katalanischen Theologen die universale Bedeutung Jesu als die allgemeine Bedeutung der Armen fĂŒr alle Religionen zu erklĂ€ren.
Ich möchte jetzt innerhalb der christlichen Theologie noch einmal nach dieser Einzigartigkeit Christi fragen.
Dabei wird es zunĂ€chst wichtig sein, dass wir unterscheiden zwischen dem, was schon sehr frĂŒh die Dogmatik ĂŒber Jesus gesagt hat â im BemĂŒhen, seine besondere Bedeutung fĂŒr die Christen zu formulieren â und der Tiefe des Absoluten, dem Göttlichen selber, aus dem auch Jesus existiert und das er verkĂŒndet hat, ja an dem er selbst Anteil hat.
Jesus hat Gottes Liebe verkĂŒndigt und er hat sich selbst als Weg dahin angeboten, aber eben als Weg, der zur göttlichen Liebe fĂŒhrt, um die es letztlich geht.
Es wÀre doch absurd, wolle man zur Liebe Gottes nur einen Weg zulassen und den Glaube an diesen Weg festschreiben, ohne zur Liebe selbst zu gelangen.
So sehr der Weg Anteil am Absoluten als seinem Ziel hat â und fĂŒr uns Menschen wohl auch die einzige Form von Anteil am Absoluten darstellt: wir sind auf dem Weg, - so sehr gilt doch aber auch, dass der Weg, der durch Raum und Zeit fĂŒhrt und fĂŒr Menschen begehbar sein muss, niemals das ganze Absolute einschlieĂen kann.
Wer den Weg anstelle des Ziels predigt, hat das Wichtigste aus den Augen verloren. Klaus Otte stellt dazu fest:
âWirkt aber das Absolute bedingend in Raum und Zeit und auf Raum und Zeit ein, bewirkt es möglicherweise sogar auch die Aufhebung aller gewohnten Ordnung und bleibt (doch) wegen seiner raum-zeitlichen Einlassung immer nur partiell, als pars pro toto. Es hat demgemĂ€ss Bedingungs- oder Verweischarakter. Diese Denkdimensionen gehen dem Absolutistischen ab, weil der Absolutist immer nur das will, was Raum und Zeit sicherstellt.â[47]
Wir können es auch anders sagen. Es gibt bestimmte Frömmigkeitsrichtungen, wir können sie mal âfundamentalistischâ nennen, die bestehen sehr stark auf den Ă€uĂeren Formen, weil diese fĂŒr sie den Inhalt garantieren.
Etwa beim Abendmahl. Es muss Wein sein, weil auch Jesus Wein getrunken hat. Heute wĂ€re Traubensaft in Hinblick auf etwa alkoholkranke Menschen vielmehr im Sinne Jesu. Aber fundamentalistisch denkende Menschen bestehen auf der Festschreibung der einmaligen Geschichte - der Zeit und Raum bedingten ĂuĂerlichkeiten sozusagen.
Fundamentalistisches Denken sieht nicht den Hintergrund, das göttliche Ziel. FĂŒr sie ist Jesus der Weg und zwar der einzige.
Ich denke, dies ist nicht im Sinne Jesu. Ihm ging es um Gott, um seine Liebe um seine Frohbotschaft fĂŒr die Armen. Und da sind wir heutigen mit unseren je neuen Erfahrungen gefragt.
Es geht nicht darum, Jesus nachzumachen, sondern darum in seinem Sinne zu leben â in seinem Geist. Ich denke im Geist Gottes können sich die Religionen viel freier begegnen, als wenn jeder ihren je eigenen historischen Werdegang als heilsnotwendig festschreibt.
5. 2. 3. 4. Der Geist Gottes verbindet die Religionen
In einem Bild beschreibt der indischen Theologen Francis
DâSa, dass jede Religion zentripetale und zentrifugale KrĂ€fte hat.
Die zentripetalen KrÀfte sind auf das Absolute auf Gott gerichtet. Es sind Wege der Vergewisserung, der Meditation und Frömmigkeit.
Die zentrifugalen KrĂ€fte der Religion drĂ€ngen nach auĂen, sie treffen dort auf die zentrifugalen KrĂ€fte anderer Religionen, die sie relativieren und so die Absolutheit des unaussprechlichen Geheimnissees Gottes aufrechterhalten.
Ungebremste ZentrifugalkrĂ€fte einer Religion fĂŒhren zum fanatischen Fundamentalismus, der jede Religion pervertiert. Am Beispiel der VerhĂ€ltnisses von Christentum zum Hinduismus erklĂ€rt DâSa:
âWenn Christologie und Krishnalogie in ihrem jeweils absoluten Charakter sich dieses zentrifugalen Aspektes bewusst sind, dann könnte die Begegnung von zwei absoluten AnsprĂŒchen zu einer gegenseitigen Relativierung fĂŒhren, in der die Absolutheit des unaussprechlichen Geheimnisses aufrechterhalten bleibt.â[48]
Christliche Theologie spricht vom unaussprechlichen Geheimnis des Absoluten in der Vorstellung vom Geist Gottes, der den Menschen anrĂŒhrt, belehrt, antreibt und tröstet, der aber nicht festschreibbar oder dingfest zu machen ist.
Erfahrung von GottesnĂ€he ist in keiner Religion ohne die Ambivalenz von Versicherung und Verunsicherung zu haben. Man wird im GegenĂŒber zum Absoluten seiner selbst sicherer und zugleich radikal in Frage gestellt. Der Geist tröstet; aber er blĂ€st auch, wie der Wind, wo er will (Joh 3,8).
5. 2. 4. Die Freiheit des Gemeinschaft stiftenden Geistes
Das Wissen um die gemeinsame Geschöpflichkeit der Menschen und um den auf alle gemeinsam sich beziehenden Gotteswillen verdankt sich â nach christlicher Auffassung â dem Wirken des Heiligen Geistes, das Christen und Christinnen fĂŒr sich und fĂŒr alle Menschen erflehen, und dem sie mit ihrem Zeugnis dienen wollen.
GonzĂĄles Faus vermutet, dass die schwach ausgebildete Lehre vom Heiligen Geist in der westlichen Theologie sich auf fatale Weise im Dialog des Christentums mit den Religionen bemerkbar machen wird.[49]
Gemeint ist, dass eine Fixierung auf Gott in Jesus Christus dem Dialog schadet. Sprechen wir von Gott im Heiligen Geist, treffen wir auf mehr VerstÀndnis bei anderen Religionen.
FĂŒr die christliche Theologie legt sich dies sogar nah. Jesus Christus als Auferstandener herrscht kraft des Heiligen Geistes (Röm 1,4). Rudolf Bultmann hat betont, dass wir den historischen Jesus kaum kennen, und dies auch nicht nötig sei. Entscheidend sei der Christus des Glaubens, eben der, der im Heiligen Geist ĂŒber die ganze Welt herrscht und die NĂ€he Gottes sicherstellt.
Ein Beispiel kann das Gemeinte verdeutlichen.
Aus seiner Begegnung mit Christus schloss Paulus Gal 3, 28:
âHier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.â
Mahadma Gandhi, der kein Christ war, schloss aus seiner LektĂŒre der Bibel, dass es in Christus keine Kasten unter den Menschen gibt.
Paulus und Gandhi deuten Christus im Geist und daher offen fĂŒr ihre jeweilige Zeit.
Die Institution Kirche, in ihrem BemĂŒhen, den wahren Glauben fĂŒr alle Zeit festzulegen, konnte lediglich formulieren, dass in Jesus eine Person in zwei Naturen erschienen ist. Was damit fĂŒr alle Zeiten von einem christlichen Konzil festgeschrieben wurde, macht es fast unmöglich mit anderen Religionen ins GesprĂ€ch zu kommen. Die Formulierung des Paulus dagegen ist offen z. B. fĂŒr den Inder Gandhi.
Wenn wir also in der christlichen Theologie den Aspekt des Heiligen Geistes stÀrker betonen, gelangen wir zu wichtigen Feststellungen:
Jesus hat die Menschen nicht zu seinen AnhÀngern machen wollen, sondern zu Menschen, die Erfahrungen mit Gottes Geist machen.
So lesen wir z. B: in Joh 7,38-39, wie Jesus erklÀrt:
âWer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers flieĂen.
Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.â
Mit der Verherrlichung Jesu beginnt das Zeitalter des Geistes, der die christliche Religion zusammenfĂŒhrt mit anderen Religionen die vom selben Geist geschaffen sind.
AbschlieĂend zu diesem Thema möchte ich nun einige Bibelworte aufnehmen, die Ihnen vielleicht durch den Kopf gehen und die gewöhnlich sehr christozentrisch interpretiert werden. Wir werden uns da von einer Tradition befreien mĂŒssen, einer Tradition, die im Fundamentalismus hĂ€ngen bleibt und nicht im Sinne Jesu sein kann.
5. 2. 5. Der rechte Umgang mit heiligen Texten
Klaus Otte plĂ€diert fĂŒr eine religionstheologisch - ontologische Auslegungsmethode, die die Eigenlogik heiliger Texte gegenĂŒber kulturell und historisch bedingten Auslegungsmethoden bewahren hilft.
Wenn wir unsere biblischen Texte als heilige Texte, gemÀà dieser ihnen eigenen Logik lesen, dann, so Otte:
âDann zeigt sich in Jesus Christus eine pluralistische Offenheit im Vertrauen auf das Absolute, die von einer heutigen Theologie der Religionen kaum ĂŒbertroffen werden kann. Dann zeigt sich auch, dass der von der Kirche dogmatisch definierte Christus den Jesus Christus des Ur-Sprungs beim Verstehen meist ĂŒberlagert hat.â[50]
Alle heiligen Schriften und heiligen Rituale grĂŒnden in der Tiefe des Seins, sind irgendwie hervorgerufen durch das Absolute, durch Gott und weisen deshalb stets ĂŒber sich selbst hinaus.
Das heiĂt, eine Interpretation dieser Texte, die sich nur darum bemĂŒht, den geschichtlichen Hintergrund der Entstehung dieser Texte, dessen soziokulturelle Situation und die augenfĂ€lligen Handlungen zu erklĂ€ren, erfasst nicht die eigentliche Aussage dieser Texte.
In der abendlĂ€ndisch christlichen Theologie hat die historisch-kritische Methode bei der LektĂŒre der Bibel im vergangenen Jahrhundert Furore gemacht. ZunĂ€chst in der wissenschaftlichen Theologie, dann zog sie schlieĂlich in jeden Bibelkreis ein.
Die ErklĂ€rung der Umwelt des Neuen und Alten Testaments ermöglichte das Neue dieser Texte zunĂ€chst in ihrem ursprĂŒnglichen Umfeld und dann eben in der Ăbertragung in die heutige Zeit zu erkennen. Die Geschichte vom Ăhrenraufen am Sabbat versteht z. B. nur, wer sich in den jĂŒdischen GebrĂ€uchen und religiösen Gesetzen auskennt[51].
Die pluralistische Theologie der Religionen sagt nun, dass diese ErklĂ€rungsweisen fĂŒr heilige Texte nicht ausreichen.
Erstens fassen sie zu kurz, weil sie die Texte wie ein beliebiges historisches Dokument behandeln,
und zweitens sind solche Exegesen Produkte der jeweiligen Kultur, aus der diese Texte stammen und können so nicht ĂŒber das Begrenzende der jeweiligen Kultur hinausfĂŒhren.
Es wird so etwas absolut gesetzt, das gar nicht absolut, sondern eine konkrete Form und Darstellung des viel gröĂeren Gesamtzusammenhangs ist.
Klaus Otte fordert deshalb fĂŒr eine pluralistische Theologie einen weiteren Blick, als nur den der jeweils kulturell bedingten Lesarten der einzelnen Religionen. Er schreibt ĂŒber das VerstĂ€ndnis heiliger Texte:
âDazu bedarf es allerdings nicht nur der historisch-kritischen Exegese mit ihren prĂ€disponierenden und prĂ€judizierenden einseitig europĂ€isch historischen Normen, sondern vor allem auch einer religions-ontologischen Auslegungsmethode, welche der Eigenlogik solcher heiliger Texte entscheidendes Mitspracherecht im Verstehensprozess einrĂ€umt.[52] (Ontologie = die Lehre vom Sein und seinen Prinzipien)
Konkret heiĂt das nun fĂŒr unsere christliche Bibelinterpretation, dass wir uns freimachen sollen von der jahrtausendalten Dogmenbildung, die, so Otte:
âdie Erfahrung des Absoluten zum definierenden Absolutismus pervertiert hatâ[53] ,
und uns jenseits von âdirigistischem BibelauslegungsgeschĂ€ft der Kircheâ mit neuer Offenheit den Texten zuwenden,
- auf der Suche nach dem freiwirkenden Absoluten,
- auf der Suche nach der Frage wie Jesus, Paulus und Johannes denn nun wirklich ĂŒber andere Religionen gedacht haben.
Die Beobachtung, die pluralistische Theologen machen, ist die, dass, wenn man biblische Texte so von der Last der traditionellen Interpretation befreit, zu Tage tritt, was ich schon eingangs zitiert habe:
âDann zeigt sich in Jesus Christus eine pluralistische Offenheit im Vertrauen auf das Absolute, die von einer heutigen Theologie der Religionen kaum ĂŒbertroffen werden kann. Dann zeigt sich auch, dass der von der Kirche dogmatisch definierte Christus den Jesus Christus des Ur-Sprungs beim Verstehen meist ĂŒberlagert hat.â[54]
Lassen Sie uns einige Beispiele untersuchen:
Die Bergpredigt ist das beste Beispiel fĂŒr so eine Botschaft aus dem Absoluten:
Denkt neu!
Das Reich der Himmel hat sich genaht!
Das ist die Botschaft: Kein Absolutheitsanspruch fĂŒr den Boten, sondern der Verweis auf das Absolute: Gott ist nah!
âLiebet Eure Feinde ... damit ihr Kinder eures Vaters seid, der die Sonne aufgehen lĂ€sst ĂŒber Juden und Moslems und der den Regen sendet ĂŒber Christen und Buddhisten.â[55]
In Anlehnung an Mt 6, 33 könnte man auch formulieren:
Suchet vor allem gemeinsam mit anderen Religionen das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.
Es gibt eine Menge Textstellen â vornehmlich im Johannesevangelium, in denen wir gewohnt sind, einen AusschlieĂlichkeitsanspruch Jesu durch die Behauptung seiner Einmaligkeit herauszulesen.
Jesus ist das Wasser des Lebens, der gute Hirte, der Nahrung vermittelnde Weinstock, der Weg, die Wahrheit und das Leben Gottes in dieser Welt.
Das Absolute geschieht in der Welt an Jesus und mit ihm. Und nach ihm kommt der Geist der Tröstung, der Heilige Geist.
Ganz ohne Frage, wer Jesus erlebt, erfÀhrt Gott, das Absolute. Das ist biblisches Zeugnis.
Es ist aber SĂŒnde, den Anteil am Absoluten absolutistisch zu pervertieren, so als gĂ€be es nur eine TĂŒr (Joh 10,9) oder nur einen Weg.
Es gilt vielmehr, was Jesus im Johannesevangelium sagt (Joh 14,2):
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wÀre, hÀtte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die StÀtte zu bereiten?
Also Jesus kĂŒmmert sich um die Seinen â aber es gibt auch andere, fĂŒr die sind die anderen Wohnungen.
Jesus diskutiert mit seine AnhÀngern wenn er sagt : Joh 14, 3 -5
3 Und wenn ich hingehe, euch die StÀtte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.
4 Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.
5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?
6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand von euch kommt zum Vater denn durch mich.
Das âvon euchâ habe ich ergĂ€nzt, um deutlich zu machen, um was es geht. Jesus ist der Weg zum Absoluten, aber nicht der absolute Weg.
Jesus ist die Wahrheit Gottes, aber nicht die einzige Wahrheit.
Den Christen schenkt Jesus wahres, tiefes Leben.
Und um die geht es, um die Christen und ihren Zugang zum Gott, den sie Vater nennen. An die Christen richtet sich auch
Mt 11,27;
Alles ist mir ĂŒbergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Das richtet sich ausschlieĂlich an Christen und fĂŒr sie gilt es auch.
Ganz deutlich wird das auch in jenem Paulustext:
Röm 5,1-2;
Da wir nun durch den Glauben gerecht geworden sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir im Glauben auch den Zugang zu seiner Gnade, in der wir stehen, und rĂŒhmen uns der Hoffnung der zukĂŒnftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.
Auch im folgenden Text aus dem HebrĂ€erbrief spricht sich die Freude der Christen ĂŒber ihren Zugang zum Heiligtum aus, ohne dass damit gesagt wĂ€re, dass andere Menschen nicht andere ZugĂ€nge von Gott eröffnet bekommen hĂ€tten.
Hebr 10,20
Weil wir denn nun, liebe BrĂŒder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes,
Zu seinen Freunden sagt Jesus: Joh 14, 7:
âWenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.â
Zu einigen Griechen spricht Jesus anders.
Joh 12, 20 ff[56] berichtet von diesem interreligiösen GesprÀch Jesu mit den AnhÀngern des Dehmetherkultes. Er zwingt sie nicht seine, Jesu, alleinige AutoritÀt anzuerkennen, sondern er spricht ihnen im vertrauten Bild des sterbenden und wiederauferstehenden Samenkornes und verweist auf die lebensspendende Kraft des Göttlichen, die die Griechen als Göttin des Erdsegens und der Fruchtbarkeit, Dehmether, verehren.
Es geht in allem nicht um Jesus, sondern um Gott: (Joh 14, 10)
âGlaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke.â
Entscheidend ist also nicht die Form der ReligionsausĂŒbung, sondern der Glaube, der dahinter steht.
Was Paulus ĂŒber die jĂŒdische Religion sagt, wĂŒrde er heute auch ĂŒber das Christentum sagen:
âOder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden. Denn es ist der eine Gott, der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben.â (Röm 3, 29f)
Nicht der Glaube an Christus, sondern das totale Vertrauen in Gott, der Glaube an IHN ist entscheidend, an dieser Stelle. Wie auch im Philipperbrief ĂŒber das nominelle Christusbekenntnis hinausgewiesen wird, wenn es da heiĂt (Phil 2,5):
âEin jeglicher sei gesinnt, wie es Jesus Christus auch war...â
Dazu stellt Reinhold Bernhard fest:
âDiese Gesinnung, der SelbstentĂ€uĂerung, der bedingungslosen Hingabe, der Ăffnung fĂŒr Gott und die Menschen â die Jesus ans Kreuz gebracht hat â kann sich auch fernab vom expliziten Christusbekenntnis finden.â[57]
Wer ist denn nun Jesus Christus? Auf diese Frage lÀuft unser kurzes Bibelstudium hinaus.
Es entspricht der Theologie des Inklusivismus, wenn man sagt: Christus ist das allumfassende Heils- und Versöhnungsprinzip Gottes. Es gibt keinen anderen Weg zu Gott. Allerdings sind auch alle Menschen z. B. in ihren existentiellen Fragen auf Christus hin ausgerichtet. Sie sind Christen, auch wenn sie es nicht wissen. Auch die wirklichen AnhĂ€nger anderer Religionen sind âanonyme Christenâ wie Karl Rahner sagt.
Die pluralistische Theologie der Religionen geht einen anderen Weg. Sie streicht nichts von der Bedeutung Christi, aber sie akzeptiert es, dass es neben dem historischen Jesus von Nazareth andere historische ErschlieĂungen Gottes gibt.
Also nicht Christus ist der GröĂte, alles Umfassende, sondern Gott ist der GröĂte, alles Umfassende. Er ist so groĂ, dass verschiedene Manifestationen nicht ausreichen, in gĂ€nzlich zu offenbaren. Die verschiedenen GottesreprĂ€sentationen sind nicht gleich oder gleichartig, aber sie sind gleichwertig.
Schubert Ogden bringt es auf den Punkt wenn er schreibt:
âDas Christusereignis ist fĂŒr Gottes Heilshandeln nicht konstitutiv, sondern reprĂ€sentativ.â[58]
Reinhold Bernhard fĂŒhrt aus:
âGottes Wort und Gottes Geist haben sich in Jesus Christus einzigartig in geschichtlicher Konkretion reprĂ€sentiert, ohne dass diese eine die einzigeReprĂ€sentanz sein mĂŒsste. Das ewige Wort Gottes, sein universal wirkender Geist, erschöpfen sich in keiner seiner Gestaltwerdungen â auch nicht in der Christusoffenbarung.â [59]
Bei dieser Art von Christologie kommt es dann vielmehr darauf an, den Geist Christi zu erfassen, die Gesinnung, die in Jesus Christus war (Phil 2,5), als darauf, seine Göttlichkeit materiell belegen zu wollen.
FĂŒr die Theologie bedeutete dies einen RĂŒckgriff auf Vorstellungen der ersten Christenheit, noch bevor im Geistesklima der hellenistischen Metaphysik die Inkarnationschristologie mit ihren exklusiven ZĂŒgen ausgebildet wurde.
Es geht also um eine Inspirationschristologie, die eine lange Tradition im Ă€ltesten Judenchristentum hat. Jesus ĂŒbernimmt die Funktion des Sohnes Gottes, das schloss
- erstens nicht aus, dass es auch noch andere Söhne Gottes gibt und
- zweitens erspart man sich alle Spekulationen zum Thema von wundersamer Zeugung und Jungfrauengeburt des leiblichen Gottessohnes.
Im Markusevangelium wird dieser Weg beschritten (Einsetzung Jesu als Gottessohn in der Taufe, Mk 1, 9-13). Erst bei MatthÀus und dann bei Lukas finden wir die wundersamen Geburtsgeschichten Jesu.
Wichtig ist fĂŒr die Idee der Inspirationschristologie, dass Jesus in seinem Handeln sich ganz auf Gott verlĂ€sst und bedingungslos jene SolidaritĂ€t lebt, die dem Wesen Gottes entspricht, wie es im 1. Johannesbrief heiĂt: 1 Joh 4, 7f,16: Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Dies kann so als Kriterium fĂŒr alle Religionen gelten.
Wer ist Jesus Christus?
Es wÀre weiterhin festzustellen, dass diese Frage nicht so wichtig ist. Es geht zunÀchst um die Botschaft Jesu, das, was er von Gott zu sagen hat.
Dann wird man natĂŒrlich auch nach dem Boten fragen, der ja seine Botschaft durch sein Leben und Sterben beglaubigt hat. Wer ist dieser Bote, der von Gottes Liebe sprach und sich in seinem Leben und Sterben bedingungslos darauf verlassen hat?
Und die Antwort, denke ich, wird sich bewusst sein mĂŒssen, dass sie eine Antwort des Glaubens ist. In Lk 9, 18 â 20 geht es darum, wer Jesus ist, und die einzig richtige Antwort ist keine Definition, sondern das Bekenntnis des Petrus: âDu bist der Christus Gottes.â
Das heiĂt, die richtigen Antworten sind Antworten des Glaubens, die aber falsch werden, wenn man sie anderen Menschen, anderer Religionen als einzig richtig abverlangt. Was die Bibel ĂŒber Jesus schreibt, sind ebenfalls Aussagen des Glaubens, Bekenntnisse. Deshalb ist zu bedenken:
Die exklusivistischen Zitate ĂŒber Jesus sind nicht inspiriertes Gotteswort, sondern Aussage seiner AnhĂ€nger.
Die Situation, in der diese Bekenntnisse entstanden, war die der Verfolgung, es herrschte status confesionis.
Es geht nicht um rationale Sachwahrheit, sondern existentielle Beziehungswahrheit.
Keine Richtigkeits- sondern Wichtigkeitsurteile.
Hier könnte man an die Beziehung des kleinen Prinzen zu seiner Rose denken.
Reinholdt Bernhard fasst zusammen:
Alle diese Ăberlegungen fĂŒhren zur Forderung, die Exklusivaussagen ĂŒber Christus in die grundlegende Botschaft von und ĂŒber Jesus einzuordnen. Und das ist die Botschaft von der allumfassenden Menschenliebe Gottes. Christus ist der VerkĂŒnder dieser Botschaft. Er ist das Sakrament und die Ikone Gottes. Von Gottes Liebe war er so vollkommen erfĂŒllt, dass man sagen konnte: Diese Liebe hat in ihm Gestalt angenommen. Die âPluralistenâ trauen Gott die GröĂe und die SouverĂ€nitĂ€t zu, sich auch in anderen Gestaltwerdungen zu bekunden, was der einen Gestaltwerdung in Christus nichts, aber auch gar nichts von ihrer Einzigartigkeit nimmt.
Damit ist einem hermeneutischen Gebot Rechnung getragen, das generell fĂŒr den Umgang mit der Bibel gilt:
- Man kann christologische Aussagen nicht als unmittelbare Ableitung aus isolierten Bibelstellen gewinnen.
- Man kann nicht EinzelsĂ€tze aus dem Kontext reiĂen und systematisieren, d.h. zu allgemein- und immer-gĂŒltigen Wahrheiten erheben.
Genau dadurch werden sie nur allzu oft zu IrrtĂŒmern.
Zu IrrtĂŒmern, allerdings, die viel Blut fordern können, wie die Wirkungsgeschichte der judenfeindlichen Stellen 1 Thess 2,15[60] oder Joh 8,44[61] u.a. beweist.
So wie man aus diesen Versen die Feindschaft zwischen Juden und Christen jahrhundertelang theologisch begrĂŒndet hat, so hat man, wo es um die nichtchristlichen Religionen im allgemeinen ging, mit Vorliebe die beiden Verse Apg 4,12[62] und Joh 14,6[63] herangezogen. Und dabei dienten diese Stellen nicht selten der BestĂ€tigung von abwehrenden Einstellungen, die schon vorher feststanden.â[64]
6. UniversalitÀtsanspruch und glaubende Erfahrung
Der Ausgangspunkt fĂŒr unsere Ăberlegungen war der aktuelle interreligiöse Dialog vor dem Hintergrund der Erfahrung von Gewalt und unschuldigem Leiden, dem gegenĂŒber der allgemeine Wunsch nach Frieden und VerstĂ€ndigung formuliert wird.
Christliche Pastoren, Religionslehrer, Gemeindeleiter können dazu Mut machen. Es sollte deutlich werden, dass die Verwurzelung im christlichen Glauben und in kirchlicher Tradition dem GesprĂ€ch mit anderen Religionen nicht im Wege steht, sondern es vielmehr fordert als Vertiefung und Bereicherung der eigenen ReligionsausĂŒbung.
Klaus Otte stellt fest:
âUnter der Perspektive einer globalen Theologie der Befreiungspraxis reden die vielen Religionen miteinander, wie ihre jeweilige Welt des Absoluten zur Beseitigung des Bösen beitragen könne ... Ein solcher Dialog kann indessen nicht allein ein Theologisieren ĂŒber das Absolute sein, sondern muss ein Reden aus dem Absoluten werden, das einen jeden Partner auf seine Weise unbedingt angeht.â[65]
Neben Orthodoxie und Orthopraxie ist fĂŒr das GesprĂ€ch der Religionen offensichtlich noch nach einem weiteren Wahrheitskriterium zu ermitteln. Es ist dies die Frage nach einer SpiritualitĂ€t, die zum einen auf den unbedingten Anspruch des Absoluten auf mein Leben antwortet und zum anderen die absolute Freiheit Gottes im Umgang mit allen anderen Menschen gelten lĂ€sst.
Im letzten Kapitel meiner AusfĂŒhrungen wird es um diese spirituellen Erfahrungen des Glaubens gehen.
Francis DâSa sieht die SpiritualitĂ€t als den Raum an, in dem sich die Religionen begegnen können. Er schreibt:
âWir alle sind in der Gefahr, alles und jeden zu verdinglichen. Was uns Not tut, ist eine Mystagogie (oder eine SpiritualitĂ€t, ein Yoga, wie immer man das nennen möge), die uns fĂŒr die Symbol â Dimension der Wirklichkeit sensibilisieren. Eine solche Mystagogie könnte der Treffpunkt der verschiedenen Religionen und Ort eines ... Dialogs zwischen ihnen sein.â[66]
Es gilt also zu unterscheiden zwischen dem, was eine Religion nach innen, zu ihren AnhÀngern sagt, und dem, was dann aus dieser Religion erwachsenden Glaubenserfahrung wird. Dazu stellt Johannes Brosseder von der Erziehungswissenschaftlichen FakultÀt der UniversitÀt Köln fest:
âWie das Christentum, so hat jede seriöse Religion in ihrem Binnenraum und in der Binnensprache ihres Glaubens das Heil universal und nicht regional zu artikulieren. Da in den anderen Religionen das Heil selbstverstĂ€ndlich und natĂŒrlich nicht als christologisch vermittelt ausgegeben wird und werden kann, lesen Christen, sofern in anderen Religionen vom Heil gesprochen wird, dies fĂŒr sich selbst als christologisch vermitteltes Heil. Das erfordert die innere universale Ausrichtung der Binnensprache des christlichen Glaubens.â[67]
Also Religionen mischen sich nicht, sondern sind in sich selbstÀndige Systeme. Der einzelne Glaubende macht aber Erfahrungen spiritueller Art, die er oder sie mit anderen Menschen, unabhÀngig von deren religiösen Bindungen und Traditionen austauschen möchte. Hier wird man zu einer sehr direkten Glaubenssprache finden, der es um so elementare Erfahrungen wie Gebet, Segen, Tröstung, etc. geht. Johannes Brosseder dazu:
âGlaubenssprache ist die Sprache des Gebetes; Gott danken und Gott loben zeichnen sie aus. In Lob und Dank vollzieht sich die Zwiesprache mit Gott. Zwiesprache mit Gott ist aber nach Martin Buber nur durch das Reden mit den Menschen möglich...â.[68]
Also das GesprĂ€ch zwischen den Religionen ist darauf angewiesen, dass Menschen mit ihren ursprĂŒnglichen, auch tĂ€glichen Glaubenserfahrungen ins GesprĂ€ch kommen. Dass sie âzur Sacheâ ins GesprĂ€ch kommen und sich nicht gegenseitig von ihren je traditionellen, religiös â kulturell geprĂ€gten Glaubenswahrheiten ĂŒberzeugen wollen.
Angehörige je einer Religion haben ihre ihnen eigene Binnensprache, die sie keinem anderen abverlangen können. Noch einmal Johannes Brosseder dazu:
âDiese Binnensprache des christlichen Glaubens hat aber strikt Binnensprache des Glaubens zu bleiben. Sie schlĂ€gt, ânach drauĂenâ gesprochen, nicht um in eine Wissenssprache; als Binnensprache des Glaubens, auch in ihrer reflektierten Gestalt eignet sie sich nicht als Exportsprache von christlichem Wissen um den Stellenwert anderer Religionen...â.[69]
Das Problem des GesprĂ€ches ĂŒber den eigenen Glauben trifft sicher nicht nur bei Christen auf die Schwierigkeit der fehlenden Ăbung. Die schon erwĂ€hnten AnsĂ€tze in der Folge der Ereignisse des 11. September haben dies deutlich werden lassen.
Es gilt Unkenntnis und Vorurteile gegenĂŒber der je anderen Religion genauso wie Sprachbarriere zu ĂŒberwinden.
Letztere nicht nur, was das Erlernen von Fremdsprachen angeht, sondern es geht auch um eine direkte Sprache des Glaubens, die uns abhanden gekommen ist und deren Neuentdeckung zu einer VerstĂ€ndigung ĂŒber die Grenzen der Religionen hinweg fĂŒhren könnte.
Hier könnte die pluralistische Theologie der Religionen die Form einer narrativen Theologie annehmen.
Glaubensgeschichten haben direkten Zugang zum Leben von Menschen, sie werden verstanden in dem MaĂe, in dem sie fĂŒr unser Leben relevant sind. Hans-Gerd Schwandt stellt fest:
âIm Streit um die pluralistische Theologie der Religionen geht es um diese Geschichten des Glaubens und um ihren Anspruch auf Wahrheit. Es geht um die Sprache, in der sie erzĂ€hlt werden und um ihre Verstehbarkeit; es geht um die Bilder, die sie vom Leben entwerfen und wie diese Bilder in den Köpfen der Menschen ankommen...â[70]
Also sharing of stories statt eines clash of faiths.
AlltagsgesprÀche, die um die Dimension des Glaubens wissen, tun not. Keine ausgefeilten theologischen Theorien, sondern ErzÀhlungen:
âDie Geschichten, die fĂŒr Menschen zentral und von entscheidender Bedeutung sind, die SĂ€tze, auf die sie ihr Leben bauen, sind in zerbrechlichen Worten formuliert; sie haben BrĂŒche, Löcher des noch nicht Begriffenen, des Unerkannten. Damit wird nicht die RelativitĂ€t der Wahrheit, wohl aber ihre PerspektivitĂ€t und RelationalitĂ€t behauptet: Die wahren Geschichten leben aus der Sprache, in den Bildern raum-zeitlich gebundener, endlicher Menschen. â[71]
âDialog mit Andersglaubenden bedeutet dann: Den anderen die eigene Glaubenssprache zu erklĂ€ren, die ihre zu erlernen und sich die eigenen, glaubend gedeuteten Erfahrungen gegenseitig zu erzĂ€hlen â in der Hoffnung, dabei auch diese eigenen Geschichten besser zu verstehen, Neues, Unerwartetes, noch nicht Begriffenes in ihnen zu entdecken und auf diesem Weg der Wahrheit gemeinsam ein StĂŒck nĂ€her zukommen.â[72]
Narrative Theologie ist nach ihrer BlĂŒtezeit vor ca. 30 Jahren bei uns in Deutschland wieder ein wenig in den Schatten getreten. Vielleicht ist es an der Zeit, vor einem gewandelten Hintergrund sich wieder um sie zu bemĂŒhen.
Mit PerspektivitĂ€t und RelationalitĂ€t der Wahrheit hat sie uns umgehen gelehrt und auch damit, dass Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft sich ĂŒber ihren Glauben verstĂ€ndigen können, wenn sie sich ihre Erfahrungen erzĂ€hlen, deuten und hoffend in die Zukunft blicken.
Zu einem dialogo de biografĂas lĂ€dt GonzĂĄlez Faus ein.[73]So könnte ein gemeinsamer Weg beginnen, auf dem Neues, Unerwartetes, noch nicht Begriffenes entdeckt und der Wahrheit und dem Frieden gemeinsam ein StĂŒck nĂ€her gekommen wird.
[1] Hinzuweisen ist auf die Beobachtung von JosĂ© Ignacio GonzĂĄlez Faus , dass genaugenommen nicht Religionen ins GesprĂ€ch kommen sondern Kulturen: â...religiöse Kulturen, also Theologien. Es existiert keine Religion losgelöst von der Kultur, die ihr einen Körper gibt und sie gleichzeitig auch verbirgt.â GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio in: Religiones de la tierra y sacralidad del pobre, AportaciĂłn al diĂĄlogo interreligioso, Santander 1997, S.12.
[2] 1 Apol 46, zitiert bei Vives, Josep, Los padres de la Iglesia antes las religiones no cristianas, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; Gonzåles Faus, José Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S.45 - 81, hier S.551f.
[3] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.40.
[4] Jeyaraj, Daniel, Glaubenspluralismus und Weltverantwortung in SĂŒdindien, Eine christliche Perspektive, in HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 191 â 213, hier S. 191.
[5] Ich beziehe mich auf Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 21ff.
[6] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 24.
[7] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 25f.
[8] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 26.
[9] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 26.
[10] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 28.
[11] Aquin, Thomas, De potentia 7,5 ad 14, zitiert bei [11] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.48.
[12] Die Begriffe aus UdĂąna VIII,3 und Sutta NipĂąta 1149 werden bei Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.48 zitiert.
[13] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.49.
[14] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.50.
[15] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.52f.
[16] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.55f.
[17] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.75f.
[18] Tillich, Paul, Systematische Theologie Band 1, 1964
[19] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.77.
[20] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.77.
[21] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.79.
[22] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.81.
[23] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.82.
[24] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.83.
[25] GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio, Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 103 â 159, hier S. 129. (Hablar de dia- praxis implica mĂĄs que colaboraciĂłn: se trata de una acciĂłn conjunta que âatraviesaâ a los dos agentes y los pone asĂ en contacto. Esto es muy tĂpico, aunque quizĂĄ no exclusivo, del trabajo por la causa del pobre.)
[26] Knitter, Paul F., One Earth, Many Religions. Global Responsibility and Multi-Faith Dialogue, Maryknoll 1995.
[27] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.86.
[28] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.88.
[29] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.84.
[30] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.84f.
[31] âHandle so, als ob die Maxime (Richtlinie) deiner Handlung zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.â
[32] Kant, Immanuel, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloĂen Vernunft, Reclam S. 7 (Vorrede zur ersten Auflage.
[33] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.85.
[34] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.85.
[35] Knitter, Paul F., Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S.90.
[36] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 31.
[37] Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; Gonzåles Faus, José Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995.
[38] Barth, Hans-Martin, Christlicher Glaube im Kontext nichtchristlicher Religionen, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.75 - 95, hier S. 99f.
[39] Schmidt-Leukel, Perry, Das Problem divergierender WahrheitsansprĂŒche im Rahmen einer pluralistischen Religionstheologie â Voraussetzungen zu einer Lösung, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 39 â 58, hier S.39.
[40] Alegre, Xavier, El Nuevo testamento antes las religiones no cristianas, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; ambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 13 â 43, hier S. 26(En todo caso, desde la experiencia trinitaria resulta, obviamente, mĂĄs claro que una âunidadâ que âsoporteâ la alteridad es mucho mĂĄs rica que cualquier otra forma de unidad).
[41] Vgl. etwa Schwandt, Hans-Gerd, âIm Besitz der Wahrheit â Ansatz und Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionenâ, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.13.
[42] Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.185.
[43] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S. 37.
[44] Schwandt, Hans-Gerd, âIm Besitz der Wahrheit â Ansatz und Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionenâ, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 9 â 18, hier S.13.
[45] GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio, Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 103 â 159, hier S. 127 (âBĂblicamente hablando, la elecciĂłn sĂłlo designa la inmanipulabilidad de Dios y la absoluta imposibilidad de apropiarse de Ăl, porque se sitĂșa siempre en lo que los sistemas humanos desprecianâ).
[46] GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio, Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 103 â 159, hier S. 127(âEsto anula el planteamiento de la razĂłn occidental: la pregunta sobre quiĂ©n tiene mĂĄs verdad no sirve para nada en el encuentro de las religiones. En el cristianismo no hay un esplendor de la verdad, sino un esplendor del amorâ).
[47] Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.175 - 190, hier S.183.
[48] DâSa SJ, Francis X., âChristus â Buddha â Krishna - ...â ,in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.153 - 174, hier S 167.
[49]GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio, Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 103 â 159, hier S. 124 (â... suscita la sospecha de que el dĂ©ficit pneumatolĂłgico de la teologĂa occidental se dejarĂĄ sentir fatalmente en el diĂĄlogo del cristianismo con las religiones.â).
[50] Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.186.
[51] Mt 12,1-8
Das Ăhrenraufen am Sabbat (Mk 2,23-28; Lk 6,1-5)
Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld am Sabbat; und seine JĂŒnger waren hungrig und fingen an, Ăhren auszuraufen und zu essen (5. Mose 23,26). Als das die PharisĂ€er sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine JĂŒnger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist ( 2. Mose 20,10). Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? Wie er in das Gotteshaus ging und aĂ die Schaubrote, die doch weder er noch die bei ihm waren essen durften, sondern allein die Priester? Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld? Ich sage euch aber: Hier ist GröĂeres als der Tempel. Wenn ihr aber wĂŒsstet, was das heiĂt (Hosea 6,6): ] »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer«, dann hĂ€ttet ihr die Unschuldigen nicht verdammt. Der Menschensohn ist ein Herr ĂŒber den Sabbat.
[52] Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.185.
[53] ibidem
[54] Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.186.
[55]So formuliert GonzĂĄles Faus in Anlehnung an Mt 5, 44f; GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio, Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, in Alegre, Xavier; Vives, Josep; Rambla, M.Josep; GonzĂĄles Faus, JosĂ© Ignacio; Vitoria, Javier; Pieris, Aloysius (Herausgeber) Universalidad de Cristo. Universalidad del pobre, Santander 1995, S. 103 â 159, hier S. 133.
[56] Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.
Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus GalilÀa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, daĂ der Menschensohn verherrlicht werde.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fĂ€llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haĂt, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehre
[57]Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 34.
[58] Ogden, Schubert, âGibt es nur eine wahre Religion oder mehrereâ, in ZThK 88, 1991, 81 â 100, zitiert in Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 34.
[59] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S. 33.
[60] 1.Thess 2,15 Die (Juden) haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind.
[61] Joh 8,44
44 Ihr [Juden] habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters GelĂŒste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er LĂŒgen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein LĂŒgner und der Vater der LĂŒge.
[62] Apg 4,12: Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.
[63] Joh 14,6: Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
[64] Bernhardt, Reinhold, Die Herausforderung â Motive fĂŒr die Ausbildung der âpluralistischen Religionstheologieâ in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 19 â 38, hier S.37.
[65]Otte, Klaus, Das Absolute und die Absolutisten, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.175 - 190, hier S. 180f.
[66] DâSa SJ, Francis X., âChristus â Buddha â Krishna - ...â ,in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.153 - 174, hier S 164.
[67]Brosseder, Johannes, Konstruktive Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionen, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.117 - 133, hier S. 126.
[68] Brosseder, Johannes, Konstruktive Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionen, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.117 - 133, hier S.127.
[69] Brosseder, Johannes, Konstruktive Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionen, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S.117 - 133, hier S.127.
[70] Schwandt, Hans-Gerd, âIm Besitz der Wahrheit â Ansatz und Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionenâ, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen, op. cit., S.11.
[71] Schwandt, Hans-Gerd, âIm Besitz der Wahrheit â Ansatz und Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionenâ, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 9 â 18, hier S.12.
[72] Schwandt, Hans-Gerd, âIm Besitz der Wahrheit â Ansatz und Kritik einer pluralistischen Theologie der Religionenâ, in Schwand, HansâGerd (Hg.) , Pluralistischen Theologie der Religionen â Eine kritische Sichtung, Frankfurt am Main 1998, S. 9 â 18, hier S.13.
[73] âDie narrativen Theologien werden mit Sicherheit besser miteinander in einen Dialog eintreten können, als die systematischen Theologien.â GonzĂĄlez Faus, JosĂ© Ignacio a.a.O. S.13.
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