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Himmelsleitern
Predigt zu 1 Mose 28, 10 - 19a
am 26. August 2007
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde, der Predigttext für heute steht im Alten Testament,im 1. Buch Mose, Kapitel 28, 10 – 19a:
Der Text ist überschrieben: „Jakob schaut die Himmelsleiter“
Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goß Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel; d. h. Haus Gottes.
Der Text lädt mich ein, über Himmelsleitern nachzudenken. Wann habe ich so etwas erlebt, der Himmel steht offen und ich kann bis zu Gott hinaufschauen?
Und es scheint eine ganz enge Verbindung zu geben, im Bild: eine Leiter auf der Engel hinauf und herabsteigen, eine Verbindung zu Gott wie wir sie nur ganz selten erleben. Unwillkürlich muss ich an meine Kindheit denken, die langen Sommerferien, jeden Tag spielten wir Fußball, der Staub der Straße war uns so vertraut, dass wir uns abends auf den warmen Asphalt legten und gemeinsam in den Himmel schauten, müde und glücklich die Welt war in Ordnung und Gott war einer von uns. Himmelsleitern – sie dienen nicht zum Erklimmen des Himmels, sondern, die Engel Gottes steigen daran auf und nieder. Gottesboten nehmen ihren Weg über sie und der HERR steht oben darauf.
Es gibt solche Momente im Leben, an denen man zu Füssen einer Himmelsleiter erwacht. Oft hat man den Ort nicht eigens ausgesucht, man war nur müde, abgekämpft, erschöpft, die Sonne war untergegangen es wurde Nacht. Und dann dieses Gefühl: Gott ist hier uns ganz nah. Manche dieser Orte erinnert man, hat sogar Fotos von ihnen: Jene Kapelle in den Bergen, die uns Unterschlupf bot bei einem schlimmen Unwetter. Die kühle Kathedrale in einer heißen Stadt, in der meine Gedanken zur Ordnung fanden, und im bunten Licht der Glasfenster sah ich ein Leuchten das nur mir galt. Nicht alle Himmelsleitern führen in eine Kirche, bei Jakob ist es so, dass er im nachherein den Ort, an dem die Leiter die Erde berührte, zur Himmelspforte erklärt: „…und nannte die Stätte Bethel; d. h. Haus Gottes.“ Gott sucht sich seine Heiligen Orte, der Mensch kann da nichts vorherbestimmen, nur staunend feststellen: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Sehr deutlich macht das Bild von der Himmelleiter, dass es den Himmel auf Erden nicht gibt, nur Orte wo die Füße der Leiter Gottes auf der Erde stehen. Deshalb besuchen Menschen Gotteshäuser, Kirchen, in der Hoffnung, in ihnen am Fuße einer Leiter zu stehen, deren Spitze an den Himmel rührt. Das Gebetsbuch, das dort in unserer Kirche ausliegt gibt davon Zeugnis:Menschen suchen Gottes Segen, sie bitten um seinen Schutz auf Reisen und in ihrem Alltag. Unser Kirchraum lädt dazu ein, vor dem Altar, in den Seitenkapellen, mit Blick auf die Glasfenster, Platz zu nehmen, innenzuhalten,zur Ruhe zu kommen und vielleicht im Gebet zu den ersten Sprossen einer Leiter geführt zu werden, die dann - oder auch in einem späteren Augenblick - mit der Spitze an den Himmel rührt, und die Engel Gottes steigen daran auf und nieder. Und der HERR steht oben darauf und spricht: Ich bin der HERR, ich will dich segnen und behüten… Himmelsleitern, unsere Kirche ist nach den Heiligen Cosmas und Damian benannt. Dort auf den beiden Glasfenstern sind sie dargestellt. Ihre Erkennungszeichensind medizinische Dinge, wie z.B. ein Kistchen mit Salben, Arznei und ein Fläschchen. Diese Glasbilder wurden von der Antonii-Brüderschaft gestiftet, bei ihrer Übergabe wurde deutlich, man verbindet mit diesem Geschenk auch den Dank ausgehend von dieser Kirche, in Taufe, Konfirmation und bei der Eheschließung im Leben sehr viel Segen und Gottes Schutz erfahren zu haben. Alte Stader haben in diesen Kirchenbänken die Erfahrung gemacht, es führt eine Leiter vom Himmel und hier in St. Cosmae et Damiani berührt sie die Erde und Gottes Boten kommen auf ihr zu uns hinab, bringen seinen Segen und seinen Beistand und steigen auf dieser Himmelleiter hinauf, beladen mit unseren Gebeten, mit unseren Träumen, aus Angst und Freude aus Not und Glück. Und unsere beiden Heiligen selber, wo ist ihr Bethel? Wo ist der Ort ihrer Himmelsleiter? Es scheint, dass sie die Begegnung mit Gott weniger an Steinmalen, weniger an einer heiligen Stätte erlebt haben.Es scheinen die Menschen für sie, Orte der Gottesbegegnung geworden zu sein.Die Legende berichtet: Die Zwillinge Cosmas und Damian wurden im dritten Jahrhundert in Arabien geboren und widmeten sich der Medizin. Sie behandelten Reiche und Arme gleichermaßen und verlangten keine Bezahlung für die Versorgung, die sie leisteten. So bekamen sie den Titel " Die Silberlosen". Bald wurden sie beschuldigt, Christen zu sein, festgenommen und nach der letzten vergeblichen Aufforderung, ihrem Glauben zu entsagen im Jahre 289 n.Chr. enthauptet. Die Silberlosen, Ärzte und Apotheker, die Arme behandeln ohne Bezahlung zu verlangen. Warum tun sie dies? Weil sie Christen sind, aus Nächstenliebe,Ganz sicher in der Nachfolge dessen, der sagte, „was ihr den Armen und Hilfsbedürftigen getan habt, das habt ihr mir getan. In ihnen, in den Menschen in Not begegnet Euch Gott.“ Wer Jesus sucht, der muss an den Rand der Gesellschaft gehen, in die Keller der Menschheit. Dorthin führt die Himmelsleiter Gottes am häufugsten. Ich denke mir, Die Armen selbst sind für Cosmas und Damian eine Himmelsleiter geworden, und genau wie in dem Traumbild des Erzvaters Jakob, führt diese Leiter nicht uns zu Gott, niemand verdient sich durch Nächstenliebe den Himmel, das ist die heimliche Hoffnung der Gutmenschen, sondern Gott kommt den beiden heiligen Ärzten auf ihr entgegen, schickt ihnen seine Boten. In den hilfsbedürftigen Menschen kommt Gott ihnen entgegen. Von so einer Himmelsleiter träumen wenige.
Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Jakob erlebt diesen Moment auf der Flucht,seinen Bruder hat er betrogen, Angst und schlechtes Gewissen treiben ihn fort.Sein Schlaf unruhig, ein unbewusstes Gebet: Gott helfe mir. Die Antwort blieb nicht aus. Gebete sind unsere Himmelsleiter, sagen fromme Ordensleute, Wie besonders ist diese christliche Erkenntnis, dass Gott in armen, ausgegliederten, an den Rand gedrängten, in kranken, exilierten und hoffnungslosen Menschen zu uns kommt. Heilige Stätten sind die Hütten der Armen, und die Sozialwohnungen und Wärmestuben und Asylantenheime. Für mich sind die Namenspatrone unserer Kirche Heilige, weil sie sie gesehen haben, sie erkannt haben, die Himmelsleiter Gottes, die in Jesus Christus mitten unter uns Menschen führt. Und hier, und überall dort, wo Not am Mann und an der Frau und an dem Kind ist, ein Haus Gottes errichtet, mit einer Pforte zum Himmel. Es ist darum, dass z. B. die v. Bodelschwinghschen Anstalten, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen, das christliche Gebot der Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. unter dem Namen Bethel weltweit bekannt wurden. „Bethel“ „Haus Gottes“, dort wo die Himmelsleiter die Erde berührt. Dort wo „mehr oder weniger gesunde, mehr oder weniger behinderte, mehr oder weniger leistungsfähige, jüngere und ältere Menschen, Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und religiöser Prägung mit gleichen Rechten und Chancen“[1] in der Gesellschaft leben dürfen, dort steht der Himmel offen. Dort wo der schuldig gewordene Jakob Gott begegnet und die Zusage erhält nicht verloren zu sein, sondern gesegnet und beschützt.
Ich wünsche und allen diese Erfahrung, eines offenen Himmels aus dem uns eine Leiter entgegenkommt, gerade in den Augenblicken, wenn wir uns von Gott weit weg glauben.
Amen.
[1] Aus der Internetpräsenz http://www.bethel.de/bethel_de/ueber_uns/index.php
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Reisen unter Gottes Himmelszelt
Reisesegengottesdienst am 1. Juli 2007
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
es gibt von Kees de Koort ein wunderschönes Bild von Abraham, wie er nachts vor seinem Zelt steht und in den Himmel schaut. Über und über mit Sternen ist dieser Himmel bedeckt und Abraham staunt, denn gerade hat Gott zu ihm gesagt: „Du sollst ein Segen sein, für viele Menschen nach dir Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!“ 1.Mose 15,5 Ich stelle mit vor, dass Abraham gestaunt hat und glücklich wurde. Er blickt zum Himmelzelt und fühlt sich geborgen, zu hause denn Gott beschützt ihn. Jeder Stern zwinkert ihm zu. „Du kannst dich freuen, denn Gott ist bei dir. „Reisen unterm Himmelzelt“ – so ist das Thema unseres heutigen Gottesdienstes, für Abraham war dies sein Leben. Er war Nomade, das heißt er zog immer umher auf der Suche nach Nahrung für seine Tiere, dass er abends in einem Zelt schlief in einem aus Decken und Stangen, oder oft auch nur unterm Himmelszelt, dass war für ihn das Natürlichste auf der Welt. Manche von uns erleben dies im Urlaub: Zelten. Raus aus dem festen Haus, raus aus allen strengen Gewohnheiten und Arbeitsabläufen, raus aus allem Festgefahrenen und ganz unbeschwert, leicht in die Welt ziehen. So ein Zelt ist leicht, wir haben hier eins aufgebaut. Bald wird es irgendwo anders stehen, an einem Strand oder in den Bergen, auf einer grünen Wiese oder auf hartem Lehmboden, heute ist es bei uns im Gottesdienst und erzählt einwenig vom Reisen, und den Gedanken, die einem da so kommen ... Ungewohnt ist es im Zelt aufzuwachen, man weiß gleich, was für ein Wetter ist und muss nicht erst aus dem Fenster schauen oder das Thermometer befragen. Kaum ist die Zeltwand hoch geklappt, sieht man schon die Nachbarn, viel dichter lebt man auf einem Zeltplatz mit Menschen zusammen, man hört sie durch die dünnen Zeltwände, man muss Menschen mögen, sonst wird das mit dem Zelten nichts. Leicht und dünn ist ein Zelt, und dennoch bietet es ein Zuhause. Wo immer wir es aufschlagen, drinnen sind wir in unseren vier Wänden, es sind immer die gleichen. Ein Zelt hat etwas von einem Segenswort. Es begleitet uns ohne viel Mühe, es schafft eine angenehme Atmosphäre, wenn es draußen regnet, ist es drinnen anheimelnd und gemütlich. Wir spüren den Wind, aber unser Zelt hält stand. Gottes Segen ist so, er begleitet uns durch Wind und Wetter auf allen Wegen, und wann immer wir uns seine Worte wiederholen, schaffen sie etwas von der Geborgenheit aus der heraus sie gesagt wurden. „Geh mit Gottes Segen. Er halte schützend seine Hand über dir...“ Abraham wusste um die Bedeutung des Segens Gottes, so wichtig wie seine Zelte und seine Tiere waren ihm die Worte der Zusage Gottes: „Ich will dich segnen... und ich will dich zu einem großen Volk machen.“ Die Nachkommenschaft Abrahams wurde zu einem großen Volk, das lange Zeit in Zelten wohnte und umherzog. Aus der Sklaverei, - nicht nur des Alltagstrotts - befreit, zogen die Israeliten umher, lange Jahre denn sie sollten lernen in Freiheit zu leben. Sie sollten erleben, was wirklich wichtig ist im Leben und was nur Ballast ist. So wurden viele falsche Götter besiegt nur der Eine bleib über, der vorweg zog, und nachts sein Zelt zu denen der Menschen stellt. Das Volk in Zelten. Für Israel ist diese Zeit zu einem wichtigen Symbol geworden, und jedes Jahr wird das Sukkot – Fest gefeiert. Das Fest der Zelte, das Laubhüttenfest, wie Martin Luther übersetzt. Zur Erinnerung daran, dass das Volk Israel Zeiten erlebte, in denen es als heimatlose Nomaden durch die Wüste zog. Leben in Zelten ein Symbol für die Geborgenheit bei Gott auch in Zeiten, in denen die Häuser aus Stein nur noch Ruinen sind. Oder unerreichbar – in Südamerika wurden die evangelischen Christen „die aus den Zelten“ genannt, weil sie oft keine Kirchen hatten und sich in großen Zelten zum Gottesdienst versammelten. Christsein ohne Kirche, ohne prachtvollen Sakralbau, für uns in Stade undenkbar. Und dennoch: die Bibel erzählt, dass Gott selbst sich lange Zeit geweigert hat, in ein festes Haus einzuziehen. Der König David möchte einen Tempel bauen doch Gott hält ihm entgegen: Solltest du mir ein haus bauen, das ich darin wohne? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte,bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung. 2.Sam 7,6 Immobilien machen immobil, es scheint als ob Gott seinen Freiheit behalten möchte und sich nicht einmauern lassen will. Und so ist noch jahrelang. das Zelt, die Stiftshütte, der Ort, an dem Gott im Volk wohnt. Ein Stück Freiheit und Heimatlosigkeit gehören auch zum Christsein dazu.Jesus warnt den eifrigen Schriftgelehrten, der ihm nachfolgen will: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Mt 8,20 Und noch viel deutlicher auf das ganze Leben bezogen, sagt es der Hebräerbrief: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.Hebr 13,14 Und die zukünftige Stadt ist die bei Gott. Jeder Segen, den wir empfangen gibt uns ein wenig Anteil an ihr. So bekommen wir mit dem Segen, einwenig Himmelszelt geschenkt, Schutz Sicherheit Erinnerung an unser Zuhause bei Gott. Reisen unterm Himmelszelt. Ich denke es sind gute Erfahrungen, die wir machen, wenn wir aus unserem Alltag ausziehen und uns auf eine Reise begeben. Wir erleben neu etwas von der Größe der Welt,Augen und Ohren für ihre Wunder werden uns geöffnet und wir erfahren von der Freiheit, die Gott uns geschenkt hat. Und wohin wir auch reisen, wir bleiben unter Gottes Himmelszelt. In jedem Moment, können wir uns seines Segens erinnern und er spannt sich auf und es ist als ob wir in ein Zelt einträten, leicht und luftig, aber ein zuhause, vertraut und freundlich und Gott schenkt uns Zeit, zu verweilen, wo es unserer Seele bekommt. Ich wünsche uns allen, eine so gesegnete Reisezeit unter Gottes Himmelszelt. Amen.
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Predigt zu Psalm 69
Gospelgottesdienst am 15. April 2007
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
Martin Luther King, Kopf der US-Bürgerrechtsbewegung, bezeichnete die Gospel-Songs einmal als „Die Seele der Bewegung“. Die Bedeutung der religiösen Lieder für die Afroamerikaner reicht weit zurück in die Vergangenheit der Schwarzen in den USA - reicht in die Seele des Volkes.
Help me Lord to do the best I can
teach me how to love and understand
Help me to live by your holy word
my life, Lord, I lay it in your hand.
Hier bittet jemand um seine Seele. die verloren ging verkauft wurde vielleicht,wie Faust sich dem Teufel verkaufte? oder der verlorene Sohn am Schweinetrog verzweifelt? Ich denke nein, es ist etwas anderes, das den Sänger dieser Zeilen verzweifeln lässt, nicht um die eigene Schuld geht es hier
when in shame I walked on life’s stone-cold streets
you read my thoughts and saw my need.
Die schwarzen Kirchen waren die ersten Institutionen, die von Afroamerikanern geschaffen und von ihnen selbst geleitet wurden. Sie waren über lange Zeit Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Afroamerikaner. Die Spirituals, die geistlichen Lieder der Schwarzen, enthielten zahlreiche getarnte Botschaften, Hoffnung, die offen nicht ausgesprochen werden durfte. So identifizierten sich die schwarzen Sklaven des 19. Jahrhundert mit dem Volk Israel. Der Auszug aus Ägypten bedeutete die Befreiung vom Joch der Sklaverei; das gelobte Land meinte im übertragenen Sinn eine Zukunft ohne Unterdrückung, und ganz konkret den Norden der USA, wo Schwarze so etwas wie Freiheit finden konnten. Darum geht es also um die Sehnsucht nach Befreiung, die in versteckten Botschaften geweckt wird und in Geheimsprache verhüllt ausgesprochen wird. Als in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Elemente des Blues und des Jazz in die geistliche Musik einflossen und damit der Gospel geboren wurde, kam der subversive Aspekt dieser Kirchenmusik wieder stärker zum Tragen. Die große Gospel-Sängerin Mahalia Jackson erklärte dies so: „Die Seele des Menschen versteht die Sprache der Musik oft besser als das gesprochene Wort. Welchen Kummer ein Mensch auch hat, Musik kann ihm helfen, damit fertig zu werden.“ Und so sprechen die Gospels von den verlorenen Seelen und von der Sehnsucht unterdrückter Menschen nach Befreiung. Sie sprechen die Sprache der Seele, eine Geheimsprache, weil es gefährlich sein kann, von Befreiung zu träumen. Gefährlich in den schwarzen Kirchen der Afroamerikaner, gefährlich überall dort wo mächtige Unrechtregime sich auf dem Rücken Ausgebeuteter festsetzen. Politisch, psychisch lebensgeschichtlich, religiös ... Wer um seine Seele bittet, der bittet um Freiheit, wer Seelen knechtet zerstört Menschen. Denn der Mensch hat nicht nur eine Seele, er ist Seele.
Never let me go back to my sinful ways.
My aim and my desire, oh Lord, is to serve you till I die.
Gospels sprechen in Geheimsprache. My sinful ways – meine mit Sünde beladenen Wege, wer versteht da nicht sofort: meine Sünde, ich bin schlecht,ich bin schuld. Erst wer sich in die Situation von Menschen, armer unterdrückter Völker hineindenkt, versteht richtig: Es geht um die Sünde die mich kaputt macht, um die Schlechtigkeit, die mir angetan wird. Es geht um die Schuld der Sklavenhalter, nicht nur im 19. Jahrhundert, sondern aller Art von Sklavenhalter,die Menschen ihr Leben wegnehmen, sie Ihrer Seele berauben. So ist ein aufrechtes Leben nicht möglich, die Seele verbiegt sich unter Schande, Unglück und Streit. Die Seele ruft nach Hilfe:
Help me Lord to do the best I can
teach me how to love and understand
Help me to live by your holy word
my life, Lord, I lay it in your hand.
Auch die Psalmen der Bibel kennen diese Hilferufe der Seele.
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Die mich ohne Grund hassen,
sind mehr, als ich Haare auf dem Haupte habe.
Die mir zu Unrecht feind sind
und mich verderben wollen,
sind mächtig.
Ich soll zurückgeben, was ich nicht geraubt habe.
Ich aber bete zu dir, HERR,
errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,
dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen.
Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,
erlöse mich um meiner Feinde willen.
Du kennst meine Schmach,
meine Schande und Scham;
meine Widersacher sind dir alle vor Augen. Ps 69 in Auszügen
Der Psalm 69 spricht noch deutlicher aus, was die Gospels oft nur verschlüsselt zu sagen wagen. Gott will Befreiung. Gott will das Ende der Unterdrückung. Das Ende von Unrecht und Gewalt. Er hasst die Sünde,die hierin das Sagen hat: in shame and misery and sinful ways. Gott befreit uns von allem, was unsere Seele bedrückt. Und unsere Seele das sind wir, unser Leben. der Mensch hat keine Seele, als besseres gegenüber zum Körper, so dachten die alten Griechen. Die Bibel sieht das anders: Der Mensch ist eine Seele, eine lebendige Seele, und allen Schaden, den er an seiner Seele nimmt, den nimmt er an seinem Leben und umgekehrt. Gott befreit und Geschichten einer Befreiung werden deshalb Gott sei dankviele erzählt: Damals der Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer in die Freiheit des Verheißenen Landes. Dann die Befreiung des gekreuzigten Leichnams Jesu aus dem Grab des Todes, zu Osten. Der Aufklärer Karl Philipp Moritz beschreibt die Befreiung seiner Romangestalt Anton Reiser aus dem Gefrömmel seines Elternhauses zu einem Leben in Illusionslosigkeit, Gewissheitsverzicht und Freiheit, Menschen beschreiben heute ihre späte Emanzipation von übermächtigen Eltern, Vätern oder Müttern, wir hören von Befreiungen aus Zwängen einer Biografie, aus der Enge und dem Stolz einer vergangenen bürgerlichen Existenz, wie in dem Film „Out of EDEKA“. Vielleicht mögen Sie Ihre eigenen gehörten oder selbsterlebten Befreiungsgeschichte in Gedanken hinzufügen. Und es wird deutlich: wo Menschen befreit werden, da sind sie als Leib und als Seele dabei Wie wird der Mensche eine Seele? Er wird es indem Gott ihn anspricht. Weil Gott zu einem jeden von uns in Verbindung steht, ist jede und jeder eine Seele. Mancher spürt das. Mancher ahnt das. Mancher mag es nicht wahr haben. Mancher kämpft darum:
Lord, I give to you all that you ask of me.
Everything I own, Lord, it belongs to you.
Und alle haben wir das Recht auf unser Leben als Leib und als Seele unser Leben mit Gott. Dazu wurden wir befreit. Oftmals sprechen wir davon nur im Verborgenen, im kleinen Kreis, als ahnten wir, dass Worte der Seele über Gottes Befreiung auch bei uns nicht immer gern gehört werden. Aber die Freude am Freisein, lässt sich nicht einschließen, der Gospelchor lädt uns ein mitzusingen: Hallelujah I am free!
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