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Predigt zu 1 Könige 19, 1- 8
am 24. Februar 2008
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde
der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im 1. Buch der Könige im 19. Kapitel.
Es ist die Rede vom Profeten Elia,der für den Gott Israels gegen die falschen Profeten des damals modernen Baalkultes kämpfte.Das brachte ihm den Hass der machtbesessenen Königin Isebel ein.Diese hatte im Palast zu Samaria die Hosen an,war eine zielstrebige und skrupellose First Lady.
So heißt es dann in unserem Predigttext:
Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele;ich bin nicht besser als meine Väter.Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß!Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.Und er stand auf und aßund trankund ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. .Kön 19,1-8
Liebe Gemeinde, ich hatte Gelegenheitmit Elias zu sprechen.Ein fiktives Gespräch – versteht sich –und er wollte auch nicht beim Namen genannt werden.Es seien, so sagte er bescheiden, Erfahrungen,wie sie jeder machen könne,und es würde die Aktualität dieser Erfahrungen unterstreichen,wenn ich ihn einfach als Herrn E. zitieren würde.
“Herr E. “sagte ich,“es ist ein eindrucksvoller Bericht,den wir von Ihrer Flucht in die Wüste gehört haben.
Aber,wenn Sie doch sterben wollten,warum der weite Weg.Sie fliehen vor der Morddrohung der Königin,
aber mit dem Wunsch,in der Wüste zu sterben? “
“Ja“, sagt Herr E.“so sieht es aus.Aber so habe ich es nicht erlebt.Ich hatte Angst vor den königlichen Agenten
mit Lizenz zum Töten,einfach Angst.Aber davor,dass Gott meine Seele zu sich nähme,davor hatte ich keine Angst.
Ich wollte dass Er entscheiden sollte,was aus mir würde.Und Gott wollte, dass ich weiter lebte.“
Das im nachherein Eindrucksvollste sei gewesen,sagte Herr E.,dass der Engel zweimal gekommen sei:
zum ersten Mal ging es um das schiere Überleben.Sein Wunsch zu sterben wäre in Erfüllung gegangen,
hätte da nicht auf einmal dieses Brot und der Krug mit dem frischen Wasser gestanden.
Geröstetes Brot,der Duft,der von ihm ausging,lies die Sinne wieder lebendig werden:„Knuspriges, frisches Brot,
mit ihm kehrte meine Seele in den Körper zurück, “erzählt Herr E.:
„Frisches Wasser in der Wüste,man hängt doch am Leben,so einfach ist es gar nicht,es abzulehnen.
Und auch der Schlaf ist ein schönes Stück Leben.
Wie oft wollte der Schlaf sich nicht einstellenin den konfliktreichen Wochen vorher.Bis ich die Missstände zur Anzeige gebracht habe,gab es auch viele innere Kämpfe.Es ist nicht leicht,den Herrschenden entgegen zu treten. Noch heute fürchte ich ihre Rache.Bei wem soll ich Personenschutz beantragen?“
Herr E. hält inne. Ich erlaube mir die Bemerkung
„Aber den Personenschutz haben Sie dann doch bekommen“
„Aber ganz anders als erwartet,nickt Herr E. und fährt fort:
„Aber lassen Sie mich das mit dem Engel noch mal sagen,das Eindrucksvollste war,dass er zweimal kam.
Nachdem er michmit Brot und Wasserwieder zum Leben erweckt hatte,lies er mich schlafen,einen langen, tiefen Schlaf. Sein wunderbares Erscheinen,das ich in diesem Moment überhaupt nicht hinterfragt habe,hat mir Sicherheit gegebenund das Gefühl einer solchen Geborgenheit,dass ich schlafen konnte,tief und sicher,wie ein Kind. Viel später weckte mich der Engel dann zum zweiten Mal.Wieder gab es köstliches Essen,im Grunde genommen ganz einfache Dinge,Brot und Wasser,ein paar Kekseetwas Schokolade,aber damals in der Wüsteunter dem Wachholder,da erschien es mir ein Festschmaus, ...
...und nun erst,nach dem ich zum zweiten Mal gegessen hatte,blickte der Engel mit mir nach vorne.
Steh auf und iß! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
Es war sozusagenein schrittweises Wiederbeleben ein Zu-Kräfte-Kommen auf Raten.Wissen Sie,mir ist oft vorgeworfen worden,ich hätte da was von einem Wunder erzählt,Gott hätte mich auf einen Schlag mit neuer Energie gefüllt,ein Boxenstopp,auf meiner Flucht zum Gottesberg.Aber so war es nicht. Meine Seele fand nach und nach ihren Weg zurück in den Körper. Obwohl ich auf der Flucht war, und Sie wissen, was es bedeutete des Königs Lieblingsfrau gegen sich aufgebracht zu haben. Sämtliche prominente Millionäre der Hauptstadt zählen zu ihren Freunden.Ich möchte nicht in der Haut jenes Informanten mit den 1000 Datensätzen aus Liechtensteiner Banken stecken. – obwohl ich also auf der Flucht um mein Leben fürchtete,nahm Gott sich Zeit für sein Wunder.Ich bekam meine Seele zurück,die ich Gott übergeben wollte: „Es ist genug, so nimm nun, HERR,meine Seele, …“ so oder so ähnlich habe ich es wohl ausgedrückt.
Und ich bekam nicht nur meine Seele wieder,Speise und Trank,Ruhe und Zeit zum Schlafen,ich bekam auch,- wie sagten Sie vorhin, -ich bekam auch eine besondere Form von Personenschutz,einen Schutzengel,wenn Sie das etwas alte Wort nicht stört. Meine Geschichte ist die Geschichte eines nach schweren Kämpfen ausgebrannten Mannes,zerrissen, flüchtig,ängstlich,traumatisiert,ich sehnte mich nach einer Ruhe,die eigentlich nur der Tod bietet, alles vergessen,alles loslassen,nichts mehr hören, sehen und fühlen. Und dann schenkte mir Gott mein Leben neu.Nicht völlig neu,sondern nursoweit neu,um weiter gehen zu können, weiter auf den Heiligen Berg zu,mein Lebensziel,wenn Sie so wollen,meine Bestimmung. Sagen Sie, dass ich ein Beispiel bin,für einen Menschen,der erfahren hat,was es heißt unter Gottes besonderem Personenschutz zu leben. Etwas,das für alle Menschen gilt,dieser Personenschutz,meine ich.Auch wenn nicht jederihn so drastisch in Anspruch zu nehmen braucht,wie ich damals in der Wüste. Herr E. blickt nachdenklich vor sich hin und fügt dann dem Gesagten hinzu: „Na ja aber in Wüsten geraten wir alle wohl mal im Leben, und mancher landet unter einem Wachholder, wie ich damals und stöhnt:
Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele,“
Sie sollen ja noch mehr gesagt haben,Herr E.,ergreife ich das Wort: Was meinten Sie mit dem letzten Teil Ihrer Aussage?
Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.
“Ja, wissen Sie, Herr E. zögert zunächst ein wenig: Mit meinem Lebensmut, starb auch meine Eitelkeit.Natürlich hat mir mein kämpferisches Auftreten auf den Straßen Samariens auch etwas gegeben. Ich war doch wer, mit Politikern und Geheimdiensten wurde ich auf eine Stufe gestellt und in Verbindung gebracht. Ich hatte den Skandal mit den Baalsprofeten losgetreten, durch mich kam die Affäre und die ihr folgenden Affärchen ans Tageslicht. So dachte ich jedenfalls. Ich fühlte mich damals sehr bedeutend. Wenn ich schon meine ganze Kraft verbrannte, dann genoss ich es, dass zumindest auch auf mich Licht fiel. Als ich dann, sozusagen burnt out, ausgebrannt in der Wüste unter dem Wachholder lag, da wurde mir klar, dass ich es an der nötigen Demut hatte fehlen lassen, was für ein selbstbezogener Wichtigtuer ich doch auch gewesen war. Meine großen Momente sind doch auch ein Geschenk gewesen, wie später, das geröstete Brot und der Krug Wasser.Und ich wüsste jetzt nicht zu sagen, was wichtiger gewesen ist. Gott hat sich meiner bedient um zu sagen, was gesagt werden musste, um zu tun, was getan werden musste. Das ist nicht mein Verdienst, das musste ich tun auch wenn es nicht einfach war und ich oft dachte jetzt es ist es zu Ende mit dir.“ Herr E. macht eine nachdenkliche Pause. Ich frage: „Haben Sie es niemals als ungerecht empfunden, dass ausgerechnet Sie, ein Profet sein mussten und in so schwerer Zeit dazu. Andere schoben eine ruhige Kugel, Sie riskierten ihr Leben.
„Ach wissen Sie“,
Herr E. sieht mich mit seinen großen Augen an;
„wir haben unser Leben um es zu verbrauchen.Ich verstehe die Menschen nicht,die sich soviel Sorgen um ihr Wohlergehen machen: keinen Stress,keine Aufregung, genügend Zeit für mich selbst, Selbstverwirklichung, Selbstfindung,Selbstbewahrung, wozu soviel „Selbst“ wie traurig ist es, wenn man alt wird und hat sein Leben nicht verbraucht, sondern immer nur für sich selbst bewahrt und den anderen vorenthalten. Wie gesagt: ich bin ein Beispiel, für einen Menschen, der erfahren hat, was es heißt unter Gottes besonderem Personenschutz zu leben. Da brauchen Sie sich nicht um sich selbst zu sorgen, da können sie bis an ihre Grenzen gehen, bis Sie sich unter einem Wachholder in der Wüste wiederfinden und Gottes Engel richten Sie wieder auf. Aber das habe ich Ihnen ja schon erzählt.“
Ich bedankte mich bei Herrn E. für das Gespräch und dachte noch, wie anders würde die Welt aussehen, wenn es mehr Menschen seines Schlages gäbe. Aber das würde er sicher nicht gerne hören. Es seien, so hatte er bescheiden gesagt, Erfahrungen, wie sie jeder machen könne …
Aber das wäre dann Thema für eine spätere Predigt.
Amen.
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Predigt zu steinigen Texten
ein Reisesegengottesdienst am 29. Juni 2008
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
als wir im Kindergartengottesdienst am Montag die Kinder segneten, die nach den Ferien in die Schule kommen, und als wir dann diesen Schulweg mit einer Reise verglichen, für die man einen Reisesegen gut brauchen kann,sagte eines der Kinder: „Warum eigentlich? Gott ist doch überall, wohin du auch fährst ER ist schon da.“ Stimmt natürlich. Ein Segen ist so etwas wie ein kleines Stück Gotteserfahrung, das man macht, hier heute in unserer Kirche zum Beispiel und dann begleitet einen diese Erfahrung, diese Erinnerung an Gottes Gegenwart, wohin die Reise auch geht. Ein Segen ist wie ein Knoten im Taschentuch, der uns an etwas erinnert, da war doch was: ach ja, richtig, wie gut. Gott ist bei mir.
Auch hier, am Strand, auf den Bergen, in der Hitze und bei Regen. Im Flugzeug, in der Eisenbahn, im Auto und auf See. Gott auf allen Wegen.
Als wir über ein Symbol, ein Bild, für diese Begleitung und Gegenwart Gottes nachdachten, fielen uns Steine ein. Jede Art von Steinen, bilden, säumen und erschweren manchmal auch unsere Reisewege. „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“ So schrieb angeblich der Dichter 1824 nach einer nebeligen Besteigung des Brockens im Harz lustlos und gefrustet in das Gipfelbuch. Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehsteig einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in über 300 Orten Deutschlands, ebenso in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den äusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. Sie merken schon, Steine lassen uns nicht kalt, sie liegen nicht nur so einfach da rum. Steine haben Botschaften. Sie rufen, erinnern und machen nachdenklich. Ich finde alle Steine große, kleine, Sand und Felsbrocken, bearbeitete und natürliche haben etwas mit Gott zu tun. Sie wissen etwas von ihm. Deshalb sind es gute Symbole für seinen Segen. Für mich sind die Steine Begleiter auf meiner Lebens-Reise, Trost in dunklen Stunden Erinnerung an die Essenz des Seins, und manchmal auch heilsame - Stolpersteinen, und gerade dann auch Segenssteine. Schauen wir mal, was wir in der Bibel über Steine gelesen haben. Da hieß es im Josuabuch:
Da rief Josua zwölf Männer, ..., und sprach zu ihnen: Geht hinüber vor der Lade des HERRN,eures Gottes, mitten in den Fluss Jordan, und ein jeder hebe einen Stein auf seine Schulter, ..., damit sie ein Zeichen seien unter euch.Wenn eure Kinder später einmal fragen: Was bedeuten diese Steine dort am Fluss?, so sollt ihr ihnen sagen:Weil das Wasser des Jordans weggeflossen ist vor der Lade des Bundes des HERRN, als sie durch den Jordan ging, sollen diese Steine für Israel ein ewiges Andenken sein.
Gedenksteine, sind es, die die Israeliten aufstellen, Steine, die an die besondere Hilfe Gottes erinnern. „Hier war Gott tätig“, sagt so ein Stein, und manchmal spürt man in der Nähe von Wegkreuzen, Gedenktafeln, oder besonders schönen Findlingen die Nähe Gottes und seinen Segen.
Können Steine denn sprechen? „Es kann so weit kommen,“ sagt Jesus. Als man seinen Freunden verbieten wollte, Gott zu loben und sich ganz laut und fröhlich zu freuen, da sprachen einige Pharisäer in der Menge zu ihm: „Meister,
weise doch deine Jünger zurecht!“ Jesus antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Lebensfreude lässt sich nicht unterdrücken, wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über, verliebten Menschen springt ihr Glück aus jedem Knopfloch
und auch eine stille, tiefe Lebensfreude, steckt an. Ich kenne Häuser, die auch noch bei Abwesenheit ihrer Bewohner, guttun, und vom Glück der Eigentümer,
abgeben. Überhaupt Häuser, es ist schön wenn man auf Reisen, nicht nur Hotels, Museen und Kultstätten besucht, sondern eingeladen wird in die Häuser,
in denen Menschen leben. „Gott segne dieses Haus, und die da gehen ein und aus.“ steht über mancher Tür. Und solche Segensworte in den Steinen gibt es in
den Türrahmen allen Religionen Ein islamischer Haussegen, der die Größe Gottes preist als eine wunderschöne Kalligrafie in arabischer Schrift, oder
kleine Röhrchen, in denen in Israel die Segensworte über den Türen angebracht werden. Heutzutage kann schon der Besuch bei den Nachbarn, eine kleine Reise
in eine andere Welt werden. Gut, wenn Segensworte uns erwarten und begleiten.
Aber auch als Reisender kann man Segen spenden oder zum Segen werden.
„Euer Besuch hat uns so gut getan“, wer solche Worte hört, staunt manchmal,
besucht werden, kann als Segen empfunden werden, ohne viele Worte, Zusammenkommen ist heilsam.
Im 1 Petrusbrief heißt es ein bisschen umständlich: Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, ... Wo Menschen zusammenkommen, da kann etwas entstehen,
etwas wie Segen unter ihnen. Gott ist bei ihnen und es entsteht ein Haus aus lebendigen Steinen, denn jeder gibt etwas dazu, etwas von sich, vielleicht den Segen, den er oder sie aus der Heimat mitgebracht hat. Ich habe den Eindruck,
dass nach einer langen Zeit, in der Reisen, so etwas wie eine neue Form des Eroberns und des sich Untertan Machens anderer Ländern und deren Bewohner war, einer Zeit in der alles platt gewalzt wurde was sich als Gedenkstein, Haus oder Stolperstein in den Weg stellte, ich habe den Eindruck,
dass Reisen heute wieder etwas mehr wird. Etwas rücksichtsvoller, mit mehr Respekt werden die Steine geachtet, die man auf Reisen trifft. Jede Art von Steinen, sie bilden, säumen und erschweren unsere Reisewege. Sie reden zu uns von Gott, aber erst, wenn wir uns eine Zeit mit ihnen abgeben, sprechen sie uns auch ihren Segen zu: Die Wegkreuze und kleinen Steinkapellen, die Stolpersteine, die Tor- und Ecksteine die großen Findlinge und jedes klitzekleine Steinkörnchen im Sand, der unsere Füße verwöhnt.
Ich denke eine gesegnete Reise ist die, in der ich auf all diese beredten Steine achten kann und auch auf die lebendigen Steine, meine Mitmenschen auf dieser Welt und so kann ich dann auch zu Gott finden, der freundlich meine Reise begleitet und mich führt dass ich zu ihm komme.
Steine auf dem Weg zu Gott
sind immer auch Segenssteine.
Wo ich sie beachte
werden sie lebendig.
So mancher Stein,
den Menschen achtlos
aus dem Weg räumten
konnte zu ihnen sprechen,
als ein Stein,
der von den Menschen verworfen ist,
aber bei Gott auserwählt und kostbar.
So verstand man
die manchmal steinharten Worte der Profeten
oft erst im nachherein.
Sie meinten Jesus,
als sie sagten:
»Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein;
und wer an ihn glaubt,
der soll nicht zuschanden werden. « Jesaja 28,16
Amen.
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Predigt zu Gen 2, 4b - 9 + 15
und zu Holzschnittenvon Günter Skrodski
31. August 2008
Liebe Gemeinde,
wir haben vorhin in der Lesung die Geschichte vom Paradies im ersten Buch der Bibel gehört. Diese Schöpfungsgeschichte erzählt wie Gott, dem Menschen ein Paradies baut, alles wird für ihn geschaffen und dann endet die Geschichte mit dem Satz: Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Der Mensch von einem liebenden, sorgenden Gott mitten ins Paradies gesetzt.Auf einem der Holzschnitte zu Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament von Günter Skrodski, Sie halten das Bild in Händen, sehen wir Adam, noch ganz unter dem Eindruck dieses Auftrages Gottes, diesen herrlichen Paradiesgarten und was in ihm lebt zu hegen und zu pflegen, die Erde zu bebauen und zu bewahren.
Der Adam im Holzschnitt von Günter Skrodzki hat ein ernstes, von Verantwortung gezeichnetes Gesicht, Aber, - dieser Adam scheint durchaus nicht überfordert, - herausgefordert eher, konzentriert er ist das Zentrum des Gartens, alle Tiere gruppieren sich um ihn. „Zum Bilde Gottes schuf er ihn“, ist der Titel dieses Holzschnittes.
Und in der Tat dieser Mensch hat Würde, gewinnt sie durch seinen Auftrag.
Bilder sind niemals eindeutig, sind durchlässig, verweisen auf andere Geschichten und so muss ich an Klaus denken, ein unglücklicher Hauptschüler, ein loser, ein Versager auch in den Augen seiner Eltern, bis er die Lehrstelle als Tierpfleger in Hagenbeck bekam. Da wurde aus ihm ein Mensch, der seine Berufung gefunden hatte: zu hegen und zu bewahren. Es ist seltsam, beim ersten Blich auf diesen Holzschnitt blieben meine Gedanken schwärmerisch im Paradies, bei allem, was Menschen gut tut und Würde verleiht. Beim zweiten Lesen jener Geschichte vom Paradies, fällt mir ein anderes Bild der Ausstellung von Günter Skrodski besonders ins Auge.Es hängt ganz in der Nähe und ist gleichsam die Fortsetzung zu jenem ersten Bild vom mit Verantwortung beschenkten, würdevollen Adam.
Die Geschichte ging weiter und nahm, wie wir wissen keinen guten Ausgang.
Adam scheitet an seiner Aufgabe. Das Ebenbild Gottes wird verzerrt unansehnlich, manchmal unkenntlich. Adam ist der Mensch, der eben nicht in der Lage ist, so ohne weiteres Gottes Mitarbeiter zu sein. Die Aufgabe überforderte ihn, die Macht über alles Geschaffene versucht ihn, Gottes Angebot zur Mitarbeit, wird als Schwäche ausgelegt, Gott ist tot, es lebe der Übermensch, alles ist erlaubt, Wissenschaftsräte und Zentralbüros, Wirtschaftsinteressen und Marktanalysen bestimmten, was Gut und was Böse zu nennen sei. Der Mensch zerbricht an seiner Aufgabe Menschlichkeit zu schaffen. Sachlichkeit setzte sich durch und Mächtigkeit.
Ganz und gar unsachlich und ohnmächtig sehen wir die beiden Menschen im Holzschnitt mit dem Titel „Vertreibung aus dem Paradies“. Vor Scham und Verzweiflung bedeckt sich Adam das Gesicht und seine Lebensgefährtin,
seine Gehilfin, sein Gegenüber, ist eine gebrochen Frau mit schrägen Gesichtszügen. Wo ist die nachdenkliche Würde, die bewusste Verantwortung des ersten Bildes geblieben?
Die Freude und Sympathie mit dem aufrechten Adam inmitten der ihm anvertrauten Umwelt, seiner Aufgabe, die ihn zum Menschen macht, weicht dem Mitleid mit dem verzweifelten Paar, das der Engel vor die Tür des Paradieses setzt. Aber alles Andere als Distanz ist hier gefragt. Es geht ja um uns: Um unsere Würde geht es im ersten Bild. Um meine Würde, die Gott mir anbietet: gestalte deine Umwelt in meinem Namen, sei ein guter Mensch,ein guter Freund und Ehepartner, ein guter Vater oder Mutter deiner Kinder,ehre deine Eltern, begehre nicht alles, was du bei anderen siehst, verschließe nicht deine Augen, wenn anderen Lebenschancen genommen werden...
Es wäre so viel zu tun aber die Aufgaben scheinen zu groß immer wieder scheitere ich, allein oder mit anderen, irre mich, verrenne mich, finde nicht das rechte Maß meiner Menschlichkeit, will zu viel, statt Menschenangemessenes - Perfektes. Auch dieses Bild wir für mich transparent und ich sehe ein Ehepaar.
Mit einem kleinen Laden an der Ecke begannen sie, hatten Freude am Umgang mit der Kundschaft, den Menschen ihrer Straße. Aber das schien dann zu wenig,ein neuer Kühltresen musste her, das Angebot wurde vergrößert, man schloss sich einer Ladenkette an. „Hör auf, stundenlang mit den Leuten zu traschen, sagte er – von einem Lehrgang zurück – die Frage lautet: „War Ihr Einkauf o.k.“ und dann reicht es auch. Zeit ist Geld.
Perfektionierung ist einer der wichtigsten Leitwerte unserer Gesellschaft.
Wer in ihr mitspielen will muss sich optimieren. „Es gibt (Lebensberater) Coachs für Fitness, Ernährung, Partnerschaft, Dating, Benimm-Regeln, Sex, Hunde, Geldfragen, Kreativität, Kommunikation, Image, Stil, für Führungskräfte, Freiberufler, für Teams und Einzelpersonen, für jederfrau, jedermann.“ Es gibt keinen Grund zu versagen, wer es dennoch tut, findet sich im zweiten Holzschnitt wieder, dem von der Vertreibung aus dem Paradies der gecoachten Rundumperfektionierung. Wie das Ehepaar mit dem kleinen Laden, dessen Optimierung ihr Lebensglück ruinierte. Für die Bibel ist der Versuch des Menschen, das Paradies zu perfektionieren, die Ursünde. Adam will die dem von Gott gesetzte Ordnung mit ihren Grenzen nicht gelten lassen, sondern vermutet dahinter Besseres, Optimierungsmöglichkeiten.
Die Folge ist die Vertreibung aus dem Paradies. Wir sehen Adam und Eva von Verzweiflung gezeichnet. Zwei Menschen, die sich verrannt haben, die Chance zur Menschlichkeit und Würde in menschlicher Größe, nicht erkannt haben.
Der Engel mit dem Schwert verwehrt ihnen den Rückweg. Ein steiniger Weg liegt vor ihnen ... und es ist doch kein anderer Weg, als der zur Menschwerdung. nicht zur Optimierung. sondern zur Erkenntnis, was wirklich menschliche Größe und Würde ist nichts Perfektes, sondern Unfertiges, Leben im Versuch, mit dem Mut zu scheitern und neuanzufangen, immer wieder und Grenzen zu respektieren. Die Hand des Engels weist diesen Weg und wenn Sie den Holzschnitt genau betrachten, dann sehen Sie auch wie die Hand gleichsam als ein Schutz über den beiden Menschen ausgestreckt ist, der Weg zur Menschlichkeit ist ein von Gott behüteter Weg. Gott selbst ist diesen Weg zur Menschlichkeit gegangen. Adam scheitert im Paradies. Und alle menschlichen Träume von einem Paradies sind zum Scheitern verurteilt. Sie pervertieren an den Versuchen, Gottes geschenkte Menschlichkeit zu perfektionieren. Weil es so unerträglich ist, mit Grenzen leben zu müssen.
Aber Gott verzichtet nicht darauf, den Menschen menschlich zu machen. In Jesus Christus kam ein Mensch zur Welt, der es verstand, ganz und gar von Gottes Geschenken zu leben. Jemand, der seine Würde annahm und sie sich nicht verdienen wollte. „Und siehe. ich verkündige euch große Freude...“.
In diesem, dritten, Holzschnitt sehen wir, wie die Menschen ihre verlorene Würde neu bekommen. Vom Himmel auf die Erde ist der Engel gekommen. Seine Gestalt bildet diese Linie. Gottes Weg führt zu den Menschen. Unter euch ist der Heiland geboren, dort im Stall, in der Krippe Sohn armer Eltern, einer von Euch ihr werdet ihn finden ein Menschenkind in dieselbe Verzweiflung gewickelt die uns Menschen angesichts aller Endlichkeit befällt. Der gleichen Versuchung ausgeliefert, alles besser und schöner und größer als Gott machen zu wollen, Jesus widerstand dieser Versuchung, „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe“, diese Worte charakterisieren ihn. „Zum Bilde Gottes schuf er ihn“, heißt es von Adam, zum Bilde des Menschen schuf Gott sich selbst, so sagen wir von Jesus und meinen damit, dass wir an ihm und in ihm ein Beispiel haben, was wahre Menschlichkeit bedeutet und die Würde, die uns zukommt einfach weil wir das sind, was wir sind Geschöpfe Gottes.
Auch der dritte Holzschnitt ist transparent durch ihn scheinen hindurch all jene kleinen Geschichten von Menschen, die ihre verlorene Würde wiederfanden.
Es sind Geschichten des Verzeihens, Geschichten von Neuanfängen, „Trotzdem“ – Geschichten von Männern und Frauen, von Alten und Jungen, die trotz, Verfehlungen, trotz Schuld und Schmerz wieder ins Leben und zu anderen Menschen fanden. Erfahrungen von Versagern die zu Jasagern wurden, von Lebensmüden, die zu aufgeweckten, fröhlichen Menschen wurden.
„Und siehe, ich verkündige euch große Freude...“. Der dritte Holzschnitt unserer kleinen Auswahl stimmt wirklich zuversichtlich, denn er weiß,von der menschlichen Verzweiflung aller unerfüllten Träume und dennoch verkündet er die große Freude, die aller Welt gelten soll und weiß von einer besonderen Lebensaufgabe und Erfüllung, die uns Menschen Sinn gibt und die Würde. Brüder und Schwestern des menschlichen Gottes zu sein.
Amen
Die Holzschnitte wurden in einer Ausstellung in der St. Cosmaekirche, Stade vom Mai - Oktober 2008 ausgestellt Im Internet finden sich die Werke von Günter Skrodski in www.Guenter-Skrodzki.de
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